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    Sonntag, 18. September 2016, 17:26

    Sie schreiben mit

    Trotz ihrer für eine deutsche Vorabendserie extrem langen Laufzeit ist diese aufgrund ihres besonderen inhaltlichen Konzepts hochinteressante Reihe weitgehend aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden.
    Dies mag auch damit zusammenhängen, daß sie nicht in allen Regionalprogrammen ausgestrahlt wurde; mir als ehemaligem Zuschauer des WDR war sie z.B. bis vor kurzem völlig unbekannt.
    "Sie schreiben mit" war ein erster Ansatz des Deutschen Fernsehens zur Gestaltung eines interaktiven Unterhaltungsformats, das auch den Zuschauer miteinbezog und ausdrücklich zur Mitwirkung aufforderte.
    Die Reihe wurde bereits 1958 von der Werbung im Südwestfunk GmbH für das Vorabendprogramm in Auftrag gegeben und lief als 21/25- Minutenformat in einigen Regionalprogrammen der ARD zwischen 1958 und 1971 über beachtliche 134 Episoden. Ab 1969 wurde in Farbe gesendet, Regie führten eine ganze Reihe von namhaften Persönlichkeiten wie Wolfgang Schleif, Eugen York, Peter Hamel, Walter Kausch u.v.a. Aufgrund der stark variierenden Plots gab es keinen festen Stab von ständig wiederkehrenden Darstellern, dennoch engagierte man zahlreiche bekannte Gesichter der damaligen Jahre wie Brigitte Mira, Volker Lechtenbrink, Bum Krüger, Heli Finkenzeller, Horst Janson, Günter Schramm u.v.a. In der Schlußepisode von 1971 trat der damals erst 6-jährige Thomas Ohrner erstmalig als junger Darsteller auf.
    "Sie schreiben mit" deckte kein besonderes Genre ab, sondern war eine neuartige Serie, die ca. einmal monatlich ausgestrahlt wurde und in der die Zuschauer zumindest in den Anfangsjahren über den weiteren Handlungsverlauf mitbestimmen konnten. Die ersten 31 Folgen wurden, wie damals nicht unüblich, noch ohne entsprechende Episodentitel ausgestrahlt und schilderten amüsante und abwechslungsreiche Geschichten, die oft im beruflichen Alltag angesiedelt waren und keine abgeschlossene Handlung aufwiesen. Stattdessen wurden die Zuschauer dazu aufgefordert, selbst ein Ende zu erfinden und dieses dem Sender schriftlich zu übersenden. Da dieses Konzept in der Praxis eine Zweiteilung jeder Episode bedeutete und auf organisatorische Schwierigkeiten stieß, änderte man es 1961 ab Folge 32 insofern, als nun komplette Episoden
    gesendet wurden, die direkt aus der Feder engagierter Zuschauer stammten und von zahlreichen Drehbuchautoren fernsehgerecht umgeschrieben wurden. Vorteilhaft an diesem innovativen Gesamtkonzept war eine sehr große Bandbreite der Handlungen, die meist aus der Erfahrungswelt der Bevölkerung stammten und so zur Langlebigkeit der Serie beitrugen.
    Bei den frühen Produktionen handelte es sich noch ausschließlich um Studioproduktionen, während man ab 1964 zunehmend auch zu Außenaufnahmen überging, die in Einzelfällen sogar im Ausland gedreht wurden.
    Mit DVD´s zur Serie sieht es leider finster ist. Es ist zu vermuten, daß eine Reihe insbesondere der frühen Episoden die letzten knapp 60 Jahre nicht unbeschadet überstanden hat. Laut Aussage eines Fanforisten ist zumindest noch ein Teil der Folgen im SWF- Archiv verfügbar und kann über den Mitschnittservice zu entsprechenden Preisen bei Angabe der Episodentitel abgerufen werden. Auch im Netz finden sich keinerlei Clips zur Reihe.
    "Sie schreiben mit" war ein bereits in den späten 50ern eingeführtes innovatives Unterhaltungsformat, das erstmals die Möglichkeit zu interaktivem Fernsehen im Rahmen der damals vorhandenen Möglichkeiten bot. Allein schon aus diesem Grund wäre eine fachgerechte Restaurierung der Serie und eine DVD- Edition empfehlenswert. Vielleicht sondieren Nischenanbieter wie Pidax eines Tages die entsprechenden Archive und sorgen für eine Neuveröffentlichung zumindest eines Teils der Episoden... :thumbup: .