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    Freitag, 27. August 2021, 15:10

    Über die allmähliche Entstehung einer "DDR- Identität" in den 60er Jahren

    Im Jahre 1964 reisten drei Mitarbeiter der Zeitung "Die Zeit" vierzehn Tage lang durch den nunmehr seit fünfzehn Jahren bestehenden Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden. Es handelte sich um Marion Gräfin Dönhoff, Rudolf Walter Leonhardt und Theo Sommer. Sie führten zahlreiche Gespräche mit Parteifunktionären und Arbeitern, mit Studenten, Ingenieuren, Künstlern und Wissenschaftlern. Sie besuchten Wohnungen, Werkstätten, Hörsäle und Theater und waren bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch hinter die Kulissen des zweiten deutschen Staates zu blicken.
    Diese "Reise in ein fernes Land", wie die der Besuchsreise folgende Artikelserie in der "Zeit" und das anschließend erschienene Buch hießen, erregte damals im Westen einiges Aufsehen, insbesondere bei vielen Bundesbürgern ohne verwandtschaftlichen Anhang im Osten. Viel wußten die westdeutschen Zeitgenossen nicht mehr über die aktuellen Lebensbedingungen der damaligen DDR- Bürger. Viele von ihnen kannten die Riviera, den Gardasee oder die Costa Brava, hatten aber Dresden, Leipzig oder Rostock, die mecklenburgische Seenplatte oder den Thüringer Wald noch nie gesehen, denn der eiserne Vorhang bildete eine dichte Grenze.
    Was die Frage betraf, inwieweit sich die Menschen "dort drüben" mittlerweile mit dem SED- Regime arrangiert hatten und welche Einstellungen sie zur DDR als "ihrem Staat" hatten, darüber gab es im Westen weitgehend nur Vermutungen.
    Theo Sommer hatte die DDR- Wirklichkeit gegen Mitte der 60er Jahre in "Reise in ein fernes Land" wie folgt beschrieben: "Die Mauer als Beruhigungsfaktor. Es ist eine paradoxe Vorstellung, aber sie erklärt manches: den (relativen) ökonomischen Aufschwung, eine gewisse Unbekümmertheit, die das Regime heute an den Tag legt, weil sein Sicherheitsgefühl gewachsen ist, und jene Erscheinung, die im Parteijargon "Festigung des Staatsbewußtseins" heißt. In der Tat ist ein solches Staatsbewußtsein im Entstehen. Psychologisch ist das durchaus erklärlich. Die Mehrzahl der Menschen verharrt nun einmal nicht auf unbestimmte Zeit in Trotzpose und Widerstandshaltung. Sie arrangiert sich mit der Umwelt, wenn diese Umwelt unabänderlich zu sein scheint. Die Menschen in der DDR mögen auch nicht die Leistungen, die sie trotz aller äußeren und inneren Schwierigkeiten im Laufe der Zeit vollbracht haben, verlachen oder verspotten, denn schließlich sind es ihre eigenen Leistungen. Aus dem Schöpferstolz wird so eine gewisse Identifizierung, aus der Identifizierung am Ende das Sich- Abfinden. Nicht, daß dieses Sich- Abfinden sie zu Kommunisten machte- das sind sie nicht und werden sie nicht. Aber ihre gesonderte Existenz hat über die Jahre hinweg doch dazu geführt, daß viele auch dem westlichen System distanziert gegenüberstehen. Sie beneiden den Westen in vielem, aber sie wünschen ihn nicht in allem nachzuahmen."
    Die damalige Einschätzung Theo Sommers ist mittlerweile durch Datenmaterial zu den Trends in den Einstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen der DDR- Bevölkerung im wesentlichen bestätigt worden. So blieb die ganz überwiegende Mehrheit der DDR- Bürger weiter auf die Bundesrepublik hin fixiert, hielt auch über die Jahrzehnte an dem Wunsch einer Wiedervereinigung fest, aber der Glaube an die Realisierung einer politischen Einheit war, ähnlich wie bei den Menschen in der Bundesrepublik dieser Jahre, mittlerweile stark geschwunden.
    Die denkbaren Alternativen und Wunschvorstellungen bildeten die eine Seite, die grauen Realitäten die andere, und letztere prägten den Alltag der DDR- Bürger.
    Mit der zunehmenden Dauer der Existenz zweier deutscher Staaten wuchs insbesondere in den Jahren nach dem Mauerbau das Gefühl in großen Teilen der Bevölkerung, daß es sich bei der Bundesrepublik und der DDR um zwei getrennte Staaten eines Volkes handelte. Man akzeptierte das System nicht unbedingt, aber paßte sich an die als zunehmend unveränderlich empfundenen Realitäten an.
    Für den späteren Erfolg der "Neuen Ostpolitik" und der gleichzeitigen Abkehr von der Hallstein- Doktrin wurde es wichtig, daß die Westdeutschen die DDR "neu entdeckten", daß man sie nicht mehr nur als "Zone" jenseits des Eisernen Vorhangs wahrnahm, sondern als Industriegesellschaft, in der ein Teil ihrer Landsleute lebte, Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen.

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    Sonntag, 29. August 2021, 11:28

    RE: Über die allmähliche Entstehung einer "DDR- Identität" in den 60er Jahren

    Uwe, vielen Dank fuer den Tip mit dem Buch "Reise in ein fernes Land", das werde ich mir besorgen.
    Mit Grosseltern vaeterlicherseits und meinem Onkel (der 13 Jahre juengere Bruder meines Vaters) in der DDR, verbrachten wir jedes Jahr ein oder zwei Wochen bei den Grosseltern in Pegau bei Leipzig.
    Dadurch lernte ich Leipzig gut kennen, und spaeter erfreute ich mich vor allem an den beiden autobiographischen Romanen von Dieter Zimmer, Band 1 "Fuer'n Groschen Brause" (wurde verfilmt) und Band 2 "Alles in Butter".
    In Band 2 schildert Dieter Zimmer die Flucht nach West-Berlin mit seiner Mutter.
    Der Humor kommt in Zimmer's Buechern auch nicht zu kurz, und ich breche staendig in Gelaechter aus, wenn ich diese beiden Baende wiederlese.
    Zimmer schrieb spaeter ein prequel (Das Hochzeitsfoto) und mehrere Fortsetzungen wie "Kalifornisches Quartett".

    Wenn
    man es in der richtigen chronologischen Reihenfolge lesen moechte: Band
    1 ist "Das Hochzeitsfoto", das die Geschichte von Thomas Eltern
    erzaehlt, gefolgt von "Fuer'n Groschen Brause" (1950 - 1953), der die
    Jahre in Leipzig und die Flucht nach West-Berlin beschreibt.
    Band 3
    ist "Alles in Butter", das von Mai 1953 bis Ostern 1956 spielt und
    Thomas' Jahre in Berlin, Baden-Baden, Hannover und Muenchen zum Inhalt
    hat.
    Band 4 ist "Bitte rechts ranfahren", in dem Tom/Thomas und Rolf
    mit ihren Partnerinnen die spaeten achtziger Jahre erleben und am Ende
    des Buches eine Reise in die USA machen, die dann in "Kalifornisches
    Quartett" ausfuehrlicher beschrieben wird. Die vier Protagonisten in
    "Kalifornisches Quartett" heissen Sissi, Renate, Harry und Rolf (wurde mit Susanne Uhlen sehr schoen verfilmt).

    Wie auch mein Onkel traeumte Dieter Zimmer von einer USA Reise (was er in "Kalifornisches Quartett" verarbeitet hat). Als die Grenze im November 1989 fiel, flogen mein Onkel und meine Tante im darauffolgenden Jahr in die USA. Seitdem machten sie Dutzende von Urlauben im Westen.

    Mein Eindruck bei all diesen DDR Reisen, die ich (zuerst mit meinen Eltern, ab den 80er Jahren dann allein bzw mit meinem ersten Ex-Mann) zwischen 1960 und 1988 unternommen habe, war der, dass die Menschen in der DDR vor allem mit Lebensmittelknappheit zu kaempfen hatten (es gab Schlangen vor dem HO Geschaeft, man bekam keine Bananen und kaum je Orangen), und dass sie gern mal eine Reise nach Paris unternehmen wuerden.
    Ansonsten ignorierten sie die ostdeutsche Politik, sahen sich das Westfernsehen an, und richteten sich halt irgendwie in ihrem Leben mit dem Mangel an Freiheit ein.
    Im Jahre 1964 reisten drei Mitarbeiter der Zeitung "Die Zeit" vierzehn Tage lang durch den nunmehr seit fünfzehn Jahren bestehenden Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden. Es handelte sich um Marion Gräfin Dönhoff, Rudolf Walter Leonhardt und Theo Sommer. Sie führten zahlreiche Gespräche mit Parteifunktionären und Arbeitern, mit Studenten, Ingenieuren, Künstlern und Wissenschaftlern. Sie besuchten Wohnungen, Werkstätten, Hörsäle und Theater und waren bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch hinter die Kulissen des zweiten deutschen Staates zu blicken.
    Diese "Reise in ein fernes Land", wie die der Besuchsreise folgende Artikelserie in der "Zeit" und das anschließend erschienene Buch hießen, erregte damals im Westen einiges Aufsehen, insbesondere bei vielen Bundesbürgern ohne verwandtschaftlichen Anhang im Osten. Viel wußten die westdeutschen Zeitgenossen nicht mehr über die aktuellen Lebensbedingungen der damaligen DDR- Bürger. Viele von ihnen kannten die Riviera, den Gardasee oder die Costa Brava, hatten aber Dresden, Leipzig oder Rostock, die mecklenburgische Seenplatte oder den Thüringer Wald noch nie gesehen, denn der eiserne Vorhang bildete eine dichte Grenze.
    Was die Frage betraf, inwieweit sich die Menschen "dort drüben" mittlerweile mit dem SED- Regime arrangiert hatten und welche Einstellungen sie zur DDR als "ihrem Staat" hatten, darüber gab es im Westen weitgehend nur Vermutungen.
    Theo Sommer hatte die DDR- Wirklichkeit gegen Mitte der 60er Jahre in "Reise in ein fernes Land" wie folgt beschrieben: "Die Mauer als Beruhigungsfaktor. Es ist eine paradoxe Vorstellung, aber sie erklärt manches: den (relativen) ökonomischen Aufschwung, eine gewisse Unbekümmertheit, die das Regime heute an den Tag legt, weil sein Sicherheitsgefühl gewachsen ist, und jene Erscheinung, die im Parteijargon "Festigung des Staatsbewußtseins" heißt. In der Tat ist ein solches Staatsbewußtsein im Entstehen. Psychologisch ist das durchaus erklärlich. Die Mehrzahl der Menschen verharrt nun einmal nicht auf unbestimmte Zeit in Trotzpose und Widerstandshaltung. Sie arrangiert sich mit der Umwelt, wenn diese Umwelt unabänderlich zu sein scheint. Die Menschen in der DDR mögen auch nicht die Leistungen, die sie trotz aller äußeren und inneren Schwierigkeiten im Laufe der Zeit vollbracht haben, verlachen oder verspotten, denn schließlich sind es ihre eigenen Leistungen. Aus dem Schöpferstolz wird so eine gewisse Identifizierung, aus der Identifizierung am Ende das Sich- Abfinden. Nicht, daß dieses Sich- Abfinden sie zu Kommunisten machte- das sind sie nicht und werden sie nicht. Aber ihre gesonderte Existenz hat über die Jahre hinweg doch dazu geführt, daß viele auch dem westlichen System distanziert gegenüberstehen. Sie beneiden den Westen in vielem, aber sie wünschen ihn nicht in allem nachzuahmen."
    Die damalige Einschätzung Theo Sommers ist mittlerweile durch Datenmaterial zu den Trends in den Einstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen der DDR- Bevölkerung im wesentlichen bestätigt worden. So blieb die ganz überwiegende Mehrheit der DDR- Bürger weiter auf die Bundesrepublik hin fixiert, hielt auch über die Jahrzehnte an dem Wunsch einer Wiedervereinigung fest, aber der Glaube an die Realisierung einer politischen Einheit war, ähnlich wie bei den Menschen in der Bundesrepublik dieser Jahre, mittlerweile stark geschwunden.
    Die denkbaren Alternativen und Wunschvorstellungen bildeten die eine Seite, die grauen Realitäten die andere, und letztere prägten den Alltag der DDR- Bürger.
    Mit der zunehmenden Dauer der Existenz zweier deutscher Staaten wuchs insbesondere in den Jahren nach dem Mauerbau das Gefühl in großen Teilen der Bevölkerung, daß es sich bei der Bundesrepublik und der DDR um zwei getrennte Staaten eines Volkes handelte. Man akzeptierte das System nicht unbedingt, aber paßte sich an die als zunehmend unveränderlich empfundenen Realitäten an.
    Für den späteren Erfolg der "Neuen Ostpolitik" und der gleichzeitigen Abkehr von der Hallstein- Doktrin wurde es wichtig, daß die Westdeutschen die DDR "neu entdeckten", daß man sie nicht mehr nur als "Zone" jenseits des Eisernen Vorhangs wahrnahm, sondern als Industriegesellschaft, in der ein Teil ihrer Landsleute lebte, Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen.

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    Sonntag, 29. August 2021, 20:27

    Die DDR- Versorgungslage in den 60er/70er Jahren aus meiner Sicht

    Meine persönlichen Erinnerungen an die Aufenthalte in der DDR beschränken sich i.w. auf die sechziger und siebziger Jahre. In den 60ern fuhren wir regelmäßig alle zwei Jahre in die Heimat meiner Mutter nach Stendal. Dort wurde ich, wie bereits an anderer Stelle berichtet, regelmäßig von den dortigen Straßenjungs als "Wessi" erkannt und oft nach Strich und Faden vermöbelt. Die Versorgungslage war dort zwar nicht angespannt, aber Artikel des gehobenen Bedarfs waren oft entweder sehr teuer oder schlicht kaum erhältlich, wie z.B. diverse Südfrüchte. Hintergrund war, daß die "sozialistischen Bruderstaaten" derartiges nicht liefern konnten und Produkte wie Kaffee, Apfelsinen oder Bananen gegen knappe Devisen importiert werden mußten, da die Mark der DDR international nicht konvertibel war. Generell soll die Versorgungslage in der "Hauptstadt der Republik" und in den Bezirksstädten durchweg besser als in der Provinz gewesen sein, so daß DDR- Bürger gelegentliche Reisen auf sich nahmen, um an begehrte Konsumartikel zu kommen.
    Standardartikel des täglichen Bedarfs wie z.B. "Schrippen" (Brötchen) und natürlich die Mieten waren deutlich günstiger als im Westen, da sie staatlich subventioniert wurden. Der EVP für ein Brötchen betrug nach meiner Erinnerung in den späten 60ern fünf Pfennig.
    In den 70ern wurde die Versorgungslage bereits besser, da nach dem Amtsantritt Honeckers weniger in die Schwerindustrie investiert und mehr Konsumgüter hergestellt wurden. Allerdings bin ich in diesem Jahrzehnt nur noch zwei-, dreimal in der DDR gewesen, da meine Mutter 1972 verstarb und mein Vater beruflich zu sehr eingebunden war, um regelmäßig "nach drüben" reisen zu können. In den 80ern habe ich dann studien- und berufsbedingt meine Reisen in die DDR komplett eingestellt.

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    Dienstag, 31. August 2021, 17:29

    RE: Die DDR- Versorgungslage in den 60er/70er Jahren aus meiner Sicht

    Verhauen wurde ich nur zu Hause von meinen Eltern X( X( X( , in der Ex-DDR behandelten mich alle ausgesprochen freundlich, und ich fand schnell Freundinnen (und meine erste grosse Liebe, wie bereits in einem anderen thread geschildert).
    Erkannt wurde ich in Pegau an den westlichen Kleidern, die ich trug, was mir nie bewusst war (und so viel anders kamen mir die Kleider meiner Pegauer Freundinnen auch nicht vor!).
    Als mein Onkel und meine Tante dann Ende 1969 nach Eberswalde zogen, sind wir ab 1970 oder 1971 auch nach Eberswalde zu Besuch gefahren, und ich wurde mehrmals mit nach Ost Berlin genommen.
    Am Alexanderplatz gab es damals eine grosse Buchhandlung - mit einer Warteschlange davor. Es wurden nur soviele Kunden reingelassen, wie die Buchhandlung wieder verlassen hatten.
    Jedesmal, wenn wir nach Ost Berlin fuhren, kaufte ich mir einige Buecher in dieser Buchhandlung am Alexanderplatz (darunter das Filmschauspieler A - Z Lexikon, das auch US Schauspieler enthielt, es war mein allererstes Filmbuch, das zweite war eins ueber Marilyn Monroe in einer Pariser Filmbuchhandlung, 1972).
    Ich erinnere mich noch an die riesigen Makronen beim Baecker in Pegau, die waren unglaublich lecker und spottbillig.
    Auch die Vollmilch Blockschokolade kaufte ich mir oft im HO Laden bzw meine Oma steckte mir immer eine Tafel in ihre Weihnachtspakete.
    Ich muss entweder 1973 das letzte Mal in der Ex-DDR gewesen sein, dann erst wieder ab 1985 oder 1986, leider nur zwei oder dreimal.

    Und seit Weihnachten 1988 dann nie wieder, traf aber meinen Onkel und meine Tante vor 2 Jahren in Amsterdam.

    Zwischendurch hatten wir den Kontakt verloren, weil sie nach der Grenzoeffnung in ein anderes Haus in Eberswalde umgezogen sind. Dank www.stayfriends.de fanden wir uns dann ca. 2013 wieder, und begannen zu e-mailen. Mittlerweile machen wir auch zweimal im Jahr amazon portal ueber Facebook mit ihnen.
    Sie sind beide Jahrgang 1944, seit ca. 1960/1961 zusammen, und seit 1969 gluecklich verheiratete. Das macht ihnen so schnell niemand nach.
    Meine persönlichen Erinnerungen an die Aufenthalte in der DDR beschränken sich i.w. auf die sechziger und siebziger Jahre. In den 60ern fuhren wir regelmäßig alle zwei Jahre in die Heimat meiner Mutter nach Stendal. Dort wurde ich, wie bereits an anderer Stelle berichtet, regelmäßig von den dortigen Straßenjungs als "Wessi" erkannt und oft nach Strich und Faden vermöbelt. Die Versorgungslage war dort zwar nicht angespannt, aber Artikel des gehobenen Bedarfs waren oft entweder sehr teuer oder schlicht kaum erhältlich, wie z.B. diverse Südfrüchte. Hintergrund war, daß die "sozialistischen Bruderstaaten" derartiges nicht liefern konnten und Produkte wie Kaffee, Apfelsinen oder Bananen gegen knappe Devisen importiert werden mußten, da die Mark der DDR international nicht konvertibel war. Generell soll die Versorgungslage in der "Hauptstadt der Republik" und in den Bezirksstädten durchweg besser als in der Provinz gewesen sein, so daß DDR- Bürger gelegentliche Reisen auf sich nahmen, um an begehrte Konsumartikel zu kommen.
    Standardartikel des täglichen Bedarfs wie z.B. "Schrippen" (Brötchen) und natürlich die Mieten waren deutlich günstiger als im Westen, da sie staatlich subventioniert wurden. Der EVP für ein Brötchen betrug nach meiner Erinnerung in den späten 60ern fünf Pfennig.
    In den 70ern wurde die Versorgungslage bereits besser, da nach dem Amtsantritt Honeckers weniger in die Schwerindustrie investiert und mehr Konsumgüter hergestellt wurden. Allerdings bin ich in diesem Jahrzehnt nur noch zwei-, dreimal in der DDR gewesen, da meine Mutter 1972 verstarb und mein Vater beruflich zu sehr eingebunden war, um regelmäßig "nach drüben" reisen zu können. In den 80ern habe ich dann studien- und berufsbedingt meine Reisen in die DDR komplett eingestellt.