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    Montag, 14. Juni 2021, 19:39

    Gefunden in der HÖR ZU - Vierzig Jahre Rundfunk in Deutschland 1963

    Ausgabe 42/1963, Seite 2, gezeichnet "HZ", Originaltext

    WECHSELVOLLES SCHICKSAL

    Vierzig Jahre ist unser Rundfunk nun alt. Er war nicht immer der gleiche Rundfunk - er hat vielerlei Organisationsformen erlebt und auch erlitten.
    Er begann 1923 auf privatwirtschaftlicher Grundlage. Unternehmer und wohlhabende Privatleute gaben die ersten Gelder. Man lachte diese "Spinner" aus. Damals herrschte ja die Inflation. Das war für Spekulanten günstig, aber sicherlich nicht für den Aufbau eines neuen, mit ganz neuen technischen Mitteln arbeitenden Unterhaltungsbetriebs. Wer da sein Geld hineinsteckte, meinten die "Vernünftigen", der war schlecht beraten. Es würde bald aus sein mit der "Spielerei", das Geld würde futsch sein und das Gerede vom "Nachrichtenmittel der Zukunft" würde verstummen.
    Allerdings: Der Rundfunk hatte einen mächtigen Beschützer: den Staat. Die gesamte Technik wurde von der Deutschen Reichspost besorgt und versorgt. Die Post baute das Sendernetz. Sie legte die Sendebezirke fest, die übrigens heute noch in ihren Umrissen erkennbar sind. Die Zentralpunkte, an denen Programmgesellschaften entstanden, waren Berlin, München, Königsberg (Pr.), Breslau, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, Köln und Stuttgart. Diese Gesellschaften fanden sich, ohne ihr Eigenleben zu verlieren, zur Reichs- Rundfunk- Gesellschaft zusammen.
    Der Staat besaß schließlich den Hauptanteil der Sendegesellschaften. Sie sollten überparteilich und unabhängig arbeiten. So gelang es auch, radikale Elemente von den Mikrofonen fernzuhalten, bis 1933 die Diktatur sich auch des Rundfunks bemächtigte.
    Noch viele Hörer erinnern sich an den "gleichgeschalteten" Rundfunk mit seinen vielen Zusammenschaltungen ("Hier sind alle deutschen Sender..."), an die Ansprachen für das ganze Volk, die Sondermeldungen, die plötzliche Funkstille beim Anflug feindlicher Bomber, das unheimliche Ticken, wenn Meldungen über die Luftlage erwartet wurden.
    Nach dem Mai 1945 übernahmen ausschließlich die Besatzungsmächte den Rundfunk, 1948 wurde er in deutsche Verwaltung zurückgegeben. Es entstanden die öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalten. Gesetze und Staatsverträge sicherten ihre Unabhängigkeit. In losem Gefüge fanden sie sich zur ARD (Arbeitsgemeinschaft Rundfunk- Anstalten Deutschlands) zusammen, der heute auch die beiden überbezirklichen Anstalten (Deutschlandfunk und Deutsche Welle) angehören.
    Ein Fernsehen hatten wir schon 1935. 1950 wurde es neu aufgebaut. Gleichzeitig entstand - nicht zuletzt, weil HÖR ZU ständig die Forderung danach erhob - das UKW- Netz als ein Ausweg aus dem "Wellensalat" auf der Mittelwelle und als Weg zu einer bis dahin für unmöglich gehaltenen Qualitätsverbesserung des Tons.
    Schließlich brachte das Jahr 1963, erstmalig in der Geschichte des deutschen Rundfunks, ein Konkurrenz- Unternehmen: das Zweite Deutsche Fernsehen.
    Privatunternehmen, halbstaatliche Organisation, Sprachrohr der Regierung, Stimme der Besatzungsmächte, öffentlich- rechtliche Anstalt- trotz dieser Wechsel und Krisen steht die Bundesrepublik heute im Hörfunk und im Fernsehen an zweiter Stelle in Europa (nach England) und an fünfter Stelle in der Welt.