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    Donnerstag, 24. September 2020, 14:51

    Die Jugendzeitschrift, die anfangs keine war - Die Geschichte der BRAVO

    Erstmalig erschien die BRAVO am 26. August 1956 unter der Leitung ihres später sehr prominent gewordenen Chefredakteurs Peter Boenisch mit dem vielversprechenden Untertitel "Eine Zeitschrift für Film und Fernsehen". Aus diesem Grund prangten auf den Titelseiten der ersten Jahre v.a. zeitgenössische Filmstars wie James Dean, Horst Buchholz, Maria Schell, Curd Jürgens oder Yul Brynner.
    1957 entschloß sich der Verlag, eine erweiterte Zielgruppe anzusprechen, und so wurde die BRAVO für eine kurze Zeit zur "Zeitschrift mit dem jungen Herzen", verzichtete aber kurz darauf ganz auf einen Untertitel.
    1959 übergab Peter Boenisch den Job des Chefredakteurs an Liselotte Krakauer, die diesen bis in die frühen 70er Jahre innehatte. Im gleichen Jahr gab es auch den ersten Starschnitt, bezeichnenderweise mit Brigitte Bardot, und auch die erste IVW- Auflagenmeldung mit stolzen 381.853 verkauften Exemplaren im zweiten Quartal 1959.
    Die Erweiterung der inhaltlichen Palette auf Musikstars wie Rex Gildo, Freddy Quinn, Caterina Valente oder Peter Kraus gab der BRAVO einen nochmaligen Auflagenschub. So lagen die Verkaufsauflagen im 2. Quartal 1962 bereits bei einer halben Million und im 1. Quartal 1963 bei etwas über 600.000 Exemplaren.
    Im Jahre 1964 landeten schließlich erstmalig die Beatles auf dem BRAVO- Titelcover. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren die vier Pilzköpfe dafür mitverantwortlich, daß gegen Ende dieses Jahres erstmalig in der Geschichte des Jugendmagazins die 800.000 Verkaufsauflage übersprungen werden konnte. Die "Beatlemania" ging zu diesem Zeitpunkt bereits so weit, daß einer der Ausgaben eine Beatles- Perücke zum Ausschneiden beigefügt wurde. Ein weiterer Erfolgsgarant waren die Fotoreportagen und Starschnitte über die in dieser Zeit ungemein erfolgreichen Karl May- Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker.
    Im ersten Quartal 1966 übersprang die BRAVO trotz einer mittlerweile erfolgten Verkaufspreiserhöhung auf 1,- DM die Rekordmarke von über einer Million verkaufter Exemplare. In den Folgemonaten mußte die Jugendzeitschrift jedoch erfahren, daß auch sie konjunkturabhängig war, denn in der "Kleinen Rezession" von 1966/ 67 gingen die Auflagen recht deutlich auf unter 700.000 verkaufte Exemplare zurück. Bis Anfang 1970 erholte sich das Blatt jedoch wieder auf über 800.000 verkaufte Titel. Man blieb inhaltlich in den späten 60ern insbesondere den deutschen Schlageridolen treu. So wurde in diesem Zeitrahmen kein anderer Sänger so häufig auf einem BRAVO- Titelcover abgebildet wie Roy Black.
    1968 gab es einen Verlagswechsel, als die BRAVO von Kindler & Schiermeyer an den Heinrich Bauer- Verlag veräußert wurde.
    Im Mai 1972 gab es zeitentsprechend die erste "Foto Love- Story", die mit den Worten "Eine Aufklärung in Bildern" auch direkt auf dem Titelcover beworben wurde.
    Gert Braun übernahm im Herbst 1972 die Chefredaktion von Liselotte Krakauer und verjüngte und internationalisierte die Jugendzeitschrift spürbar. Statt Chris Roberts und Udo Jürgens fanden sich auf den Titeln nun eher internationale Popgrößen wie Alice Cooper oder T. Rex. Den Verkaufsauflagen tat dieser "Neue Kurs" überaus gut. Sie entwickelten sich zwischen Ende 1971 bis Ende 1973 von rund 840.000 bis auf 1,1 Mio. Verkaufsexemplare. Ein Grund war neben der bereits erwähnten Internationalisierung der Umstand, daß immer mehr Aufklärungsthemen wie "Der erste Kuß" oder "So schützen sich Mädchen bei der sexuellen Liebe" den Weg in das Magazin fanden. Unter dem Titel "Das Mädchen und ihr Busen" gab es Ende 1974 das erste Aktfoto auf einem BRAVO- Titelcover, was den Verkaufserfolg nicht unerheblich gesteigert haben dürfte.
    Bis in die späten 70er Jahre entwickelte sich das Jugendmagazin außerordentlich positiv und verkaufte sich im ersten Quartal 1979 erstmalig mit mehr als 1,5 Mio. Exemplaren. Die Titelseiten zierten damalige zeitgenössische Pop- Ikonen wie die Village People, John Travolta oder der verstorbene Elvis Presley.
    In den frühen 80ern gab es (um 1983/84) einen regelrechten BRAVO- Hype um die beiden Sänger Nena und Limahl. Daneben schafften es in den Folgejahren immer mehr TV- Serien auf die Titelseiten, so z.B. "Miami Vice", "Fackeln im Sturm" oder auch die Kultserie "Alf". Dennoch fiel gegen Ende der 80er Jahre nicht zuletzt durch das Fehlen großer Stars die Verkaufsauflage wieder unter die magische Millionengrenze. Gerettet wurde diese dann nochmals durch die deutsche Wiedervereinigung, als Stars wie David Hasselhoff, Roxette oder der längst vergessene Schauspieler Richard Grieco auf den Titelcovers erschienen.
    Gegen Ende der 90er Jahre rutschten die verkauften Exemplare der BRAVO dann wieder deutlich unter die Millionengrenze. Das Internet eroberte zunehmend die privaten Haushalte und entwickelte sich insbesondere nach der Jahrtausendwende zu einer immer größeren Gefahr für die meisten Printmedien. In schneller Folge wechselten nun die BRAVO- Chefredakteure. Zwar gab es 2003 mit der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) noch einmal einen vorübergehenden Auflagenschub auf 740.000 Verkaufsexemplare, in den darauffolgenden Jahren ging es jedoch in zeitweise rasantem Tempo stetig bergab.
    Der Rest ist schnell erzählt. Ende 2010 gab es erstmals weniger als 400.000 BRAVO- Käufer, Ende 2012 waren es nur noch rund 250.000 und gegen Ende 2014 nur noch 125.000. 2015 stellte man als Konsequenz auf die zusammengeschrumpfte Leserschaft von der wöchentlichen auf vierzehntägige Erscheinungsweise um, und derzeit erscheint das Magazin nur noch monatlich.
    Ob die einstmals bedeutendste deutschsprachige Jugendzeitschrift im Jahre 2026 noch ihren 70. Geburtstag feiern können wird , steht aus heutiger Sicht mehr als in den Sternen, da die aktuellen Verkaufsauflagen nurmehr bei deutlich unter 90.000 Exemplaren liegen sollen.

    www.youtube.com/watch?v=IHRgCDfxDEA
    www.youtube.com/watch?v=nkzlOG_G6Pc
    www.youtube.com/watch?v=7awCXWSPhDg

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    Sonntag, 4. Oktober 2020, 13:38

    Die BRAVO musste ich gezwungenermassen heimlich lesen (und teuer war sie fuer mich bereits Mitte der 60er Jahre), denn ich bekam ein aeusserst mageres Taschengeld, von dem ich ausserdem regelmaessig ins Kino ging.
    Es muss um 1964/1965 herum gewesen sein, denn ich erinnere mich vor allem an Interviews/Berichte mit und ueber Robert Hoffmann (Robinson Crusoe) und Pierre Brice.

    Etwa um 1969 herum hatte ich damit aufgehoert, mir die BRAVO zu kaufen, weil mich die darin enthaltenen Interviews und Berichte immer weniger ansprachen.

    Wer will schon die Beziehung des BRAVO Girls mit Bernd Kluever verfolgen? :rolleyes:

    Ich gab das Geld lieber fuer Kino aus.

    Die letzte BRAVO kaufte ich mir im Internat im Schwarzwald, das war im Sommer 1974.

    Elizabeth
    Taylor war auf dem Titelbild, es war allerdings kein aktuelles Foto von
    ihr, sondern ein Foto aus ihrer Glanzzeit in den 50er Jahren.

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    Sonntag, 4. Oktober 2020, 16:41

    Mein Verhältnis zur BRAVO

    Soweit es die kleinen grauen Zellen noch hergeben, hatte ich mit der BRAVO in meiner Jugend läppische zwei Mal direkten Kontakt. Einmal über den Starschnitt von Winnetou alias Pierre Brice, der in den späten 60er Jahren lebensgroß in unserem Keller vor dem Zimmer des Vermietersohnes Gerald S. hing, der zwei bis drei Jahre älter war als ich.
    Zum Zweiten in den frühen 70ern, als ich mir "nach schwerem innerem Ringen" aus reiner Neugier selbst einmal ein Exemplar der Zeitschrift besorgte. Das Blättchen konnte mich aber nicht sonderlich überzeugen, und so blieb es dabei. Zumal ich damals gewahr wurde, daß die BRAVO vorwiegend von Mädchen gelesen würde :thumbdown: .
    Kürzlich habe ich meine Töchter gefragt, inwieweit ihnen die BRAVO heute noch bekannt sei. Sie war es, jedoch wurde sie von beiden nicht gelesen. Das Internet hatte gesiegt :huh: .

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    Montag, 12. Oktober 2020, 10:13

    RE: Mein Verhältnis zur BRAVO

    Da ich auf ein reines Maedchen Gymnasium ging, konnte ich nie feststellen, ob die BRAVO ueberwiegend von Maedchen gelesen wird. Auf der langen Busfahrt nach Hause sassen fast nur Erwachsene.

    Aber ich koennte mir vorstellen, dass BRAVO zumindest in den 60er Jahren mit dem ganzen Winnetou Hype auch von Jungs gelesen wurde.
    Welche Alternativ Zeitschrift gab es denn damals fuer Jungs?
    Soweit es die kleinen grauen Zellen noch hergeben, hatte ich mit der BRAVO in meiner Jugend läppische zwei Mal direkten Kontakt. Einmal über den Starschnitt von Winnetou alias Pierre Brice, der in den späten 60er Jahren lebensgroß in unserem Keller vor dem Zimmer des Vermietersohnes Gerald S. hing, der zwei bis drei Jahre älter war als ich.
    Zum Zweiten in den frühen 70ern, als ich mir "nach schwerem innerem Ringen" aus reiner Neugier selbst einmal ein Exemplar der Zeitschrift besorgte. Das Blättchen konnte mich aber nicht sonderlich überzeugen, und so blieb es dabei. Zumal ich damals gewahr wurde, daß die BRAVO vorwiegend von Mädchen gelesen würde :thumbdown: .
    Kürzlich habe ich meine Töchter gefragt, inwieweit ihnen die BRAVO heute noch bekannt sei. Sie war es, jedoch wurde sie von beiden nicht gelesen. Das Internet hatte gesiegt :huh: .

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    Montag, 12. Oktober 2020, 16:50

    War die BRAVO vorwiegend ein Mädchenmagazin ?

    Die o.a. Frage wäre einer Untersuchung wert. Wahrscheinlich gab es in den späten 60ern und 70er Jahren sogar die entsprechende Marktforschung des Bauer- Verlags, die Deine Fragestellung beantworten könnte, Chrissie. Wenn sie denn noch existieren würde, was ich bezweifle... :S
    Ich kann nur das wiedergeben, was mein persönlicher Erfahrungshorizont zu diesem Thema zu bieten hat. Fangen wir in den späten 60er Jahren an:
    Der von mir bereits genannte Gerald S. war der Sohn unseres Vermieters und wurde "wegen Unbotmäßigkeiten" aus der elterlichen Wohnung in ein Kellerzimmer verbannt. Heute wäre das ein Fall für´s Jugendamt, zumal der Keller auch feucht war, damals wurde das noch achselzuckend hingenommen. Jedenfalls hing an der Tür des Kellerzimmers um 1967/68 der besagte Bravo- Starschnitt von Winnetou alias Pierre Brice. Ob sich Gerald zu jener Zeit regelmäßig die BRAVO zugelegt hat, vermag ich nicht zu sagen, da er auch eine Schwester namens Marion hatte, von der er die Zeitschrift (oder zumindest den Starschnitt) bekommen haben könnte.
    Zwischen 1967 und 1973 besuchte ich eine "Realschule für Jungen". Nach meiner Erinnerung las von den mir bekannten Jungs damals niemand die BRAVO, ja sie kam unter uns noch nicht einmal zur Erwähnung. Gelegentlich gekauft oder auch abonniert wurden damals von uns Sport- oder Hobbyzeitschriften, so ab den frühen 70ern auch von mir: "Mauritius" (um 1971) und "Sammler- Dienst" (1972/73). Wie bereits geschildert, kaufte ich um 1972/73 ein einziges Mal die BRAVO aus reiner Neugier, und das war´s dann.
    Erinnern kann ich mich noch an Erwähnungen von Mitschülern während meiner Gymmi- Oberstufenzeit (1973- 76), deren Schwestern wohl vereinzelt die BRAVO lasen. Beschrieben wurden "sehenswerte" Fotoromane mit recht freizügigen Abbildungen weiblicher Teenager, die aus der Sicht jener Jahre durchaus "interessant" gewesen sein sollen. Ansonsten lasen wir jungen Bengels damals eher "MAD", die damals neu erscheinenden Asterixbände oder die jeweils interessierenden Fachzeitschriften.
    Vor diesem Erfahrungshintergrund war die BRAVO aus meiner Sicht eher etwas für die Mädchen jener Jahre. Ich lasse mich da aber gern eines Besseren belehren... ;)

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    Montag, 12. Oktober 2020, 22:42

    Aktuelle Marktanalyse der Bauer Media Group

    Eine aktuelle Marktanalyse des Bauer- Verlags, der auch heute noch die BRAVO herausgibt, kommt zu folgenden Ergebnissen:

    - Die Leserschaft der BRAVO ist zu 62 % weiblich.
    - 66 % der BRAVO- Leser sind zwischen 14 und 19 Jahre alt.
    - 60 % der BRAVO- Leser besuchen derzeit eine Schule.
    - 80 % der Haushalte, in denen sich BRAVO- Leser befinden, beziehen ein Nettoeinkommen von 2.500 Euro oder mehr.

    Ich denke, diese Zahlen dürften annähernd den Verhältnissen entsprechen, wie wir sie auch in den 60er/ 70er Jahren hatten, da sich die Zielgruppe, die die BRAVO ansprechen wollte, seitdem nicht wesentlich verändert hat.

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    Dienstag, 13. Oktober 2020, 21:07

    RE: Aktuelle Marktanalyse der Bauer Media Group

    Uwe, Du hast mich ueberzeugt.
    Wenn ich es recht bedenke, dann kannte ich tatsaechlich nur Maedchen, die die BRAVO lasen.
    Gilt 2.500 € heutzutage als gutes Nettoeinkommen? Just curious.
    Eine aktuelle Marktanalyse des Bauer- Verlags, der auch heute noch die BRAVO herausgibt, kommt zu folgenden Ergebnissen:

    - Die Leserschaft der BRAVO ist zu 62 % weiblich.
    - 66 % der BRAVO- Leser sind zwischen 14 und 19 Jahre alt.
    - 60 % der BRAVO- Leser besuchen derzeit eine Schule.
    - 80 % der Haushalte, in denen sich BRAVO- Leser befinden, beziehen ein Nettoeinkommen von 2.500 Euro oder mehr.

    Ich denke, diese Zahlen dürften annähernd den Verhältnissen entsprechen, wie wir sie auch in den 60er/ 70er Jahren hatten, da sich die Zielgruppe, die die BRAVO ansprechen wollte, seitdem nicht wesentlich verändert hat.

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    Mittwoch, 14. Oktober 2020, 12:07

    Die BRAVO und Dr. Sommer: Aufklärung für Jugendliche

    Eines der Erfolgsgeheimnisse für die Beliebtheit der BRAVO insbesondere unter weiblichen Jugendlichen der späten 60er und 70er Jahre war die Rubrik von "Dr. Sommer". Berücksichtigen muß man, daß Sexualaufklärung an den Schulen in diesem Zeitrahmen zwar in Ansätzen bereits eingeführt, aber bisweilen noch nicht durchgeführt wurde. So auch an unserer damaligen "Realschule für Jungen", an der sich zu Beginn der 70er Jahre die dafür eigentlich zuständigen Pädagogen geflissentlich vor der ihnen übertragenen Aufgabe drückten. Kurz: Sexualaufklärung fand an unserer Anstalt schlichtweg nicht statt. Neben anerzogenen Schamgefühlen dürfte bei den alten Herren in diesem Zusammenhang auch die Angst vor einem Autoritätsverlust eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.
    Aber zurück zur BRAVO und der Rubrik von "Dr. Sommer". Am 20. Oktober 1969 war diese erstmalig Bestandteil der damals sehr populären Jugendzeitschrift. "Sexualaufklärung für Jugendliche war ein absolutes Novum in Zeitschriften der damaligen Zeit", so der herausgebende Bauer- Verlag. Die Rubrik habe sich schnell zu einer der beliebtesten im Heft entwickelt und "Millionen von Teenagern dieser Zeit beratend zur Seite gestanden".
    Der erste "Dr. Sommer" war der Düsseldorfer Psychotherapeut Martin Goldstein, der die Rubrik, die bis 1984 sinnigerweise "Was uns bewegt" hieß, leitete und dabei auch den einen oder anderen Skandal verursachte. Allein im Jahre 1972 landete die BRAVO wegen der Einlassungen "Dr. Sommers" u.a. zur Masturbation zweimal auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, was den Verkaufserfolg des Blattes zu dieser Zeit eher noch befördert haben dürfte.
    Die Fragestellungen waren typisch für mitten in der Pubertät stehende Jugendliche, die die Hauptzielgruppe der BRAVO bildeten. Teils banale Probleme des eigenen Körpers wurden angesprochen, so z.B. : Sind meine Brüste normal ? Ist mein "Schniedelwutz" zu klein ? Hinzu kam natürlich alles, was mit der ersten Liebe zusammenhing: Wie merke ich, daß ein Junge oder ein Mädchen auf mich steht ? Was kann ich gegen Liebeskummer tun ? Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Mal ? Und wie verhüte ich dann am besten ? Kurz: "existentielle" Fragen für Jugendliche dieser Jahre, für die "Dr. Sommer" oft die einzige Anlaufstelle war.
    Heute nimmt sich ein dreiköpfiges Team der Fragen einer stark geschrumpften Lesergemeinde an, und die Rubrik von "Dr. Sommer" gehört längst zur bisweilen belächelten Geschichte der BRAVO. Erhielt die Jugendzeitschrift in den Anfangsjahren ihrer Sexualberatung oft Tausende von Zuschriften pro Woche, hat sich die Zahl heute deutlich auf ca. zweihundert bis zweihundertfünfzig e- mails oder Anrufe reduziert.
    Darüber hinaus finden Jugendliche auf dem Dr. Sommer- Channel über www.bravo.de umfassend Antworten auf fast alle Fragen rund um das Thema Sex.
    Überraschend ist laut Aussage des Bauer- Verlags das Ergebnis einer aktuellen BRAVO- Studie, wonach 47 % der Jugendlichen erst im Alter von siebzehn Jahren zum ersten Mal Sex haben sollen. Eine Aussage, die dem verbreiteten Klischee einer durch das Internet und den Werteverfall "verrohten Jugend" zumindest teilweise widerspricht.

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    Donnerstag, 15. Oktober 2020, 20:58

    Bravo und Kult

    In der letzten Ausgabe der Nostalgie Zeitschrift Kult findet sich für den hier interessierten Mitleser eine 6 seitige Abhandlung über Musikzeitschriften der 60er 70er und 80er Jahre.
    Unter anderem natürlich auch über die führende Bravo.
    Desweiteren gibt es vom Verlag Good Times eine Edition Musikzeitschriften wo man dieses Thema noch weiter vertiefen kann. Dürften noch locker erhältlich sein.
    Für mich von weniger Interesse da mich das Thema noch nie sonderlich angesprochen hat.
    Ich selber habe mir eigentlich nie eine Bravo gekauft aber war immer mal der gelegentliche Mitleser wenn mal wider einer meiner Kumpels da eine dabei hatten.
    Vor allem in der Pubertät wenn da mal wieder der nackte Oberkörper einer Frau oder Mädchens zu bewundern war. :D
    Hat sich dann später gelegt wenn man da dann doch mehr an den Originalen herankam.
    Ich habe mir da in der zeit so von 11 bis 15 also von 1966 bis 1970 selber lieber die Lupo Modern oder auch ein MV Comic gekauft.
    Die Lupo Modern habe ich heute wieder fast vollständig und ich muss sagen sie gefällt mir auch immer noch besser wegen ihrem hohen Comicanteil.
    Da gab es Zwar auch mal einen Versuch an die Bravo mit einem hohen Musikanteil aufzuschließen, der endete aber Anfang der 70er im Super Taschenbuch.

    Ich habe mir vor einigen Jahren mal die kompletten Jahrgänge 1960 bis 1970 auf CD besorgt um da an manche Infos heranzukommen die es anderswo nicht gibt.
    Wenn nur die vermaledeite Suche nicht wäre denn es handelt sich hier ja um fast 600 Hefte.
    Ich kenne aber auch ein paar Sammler persönlich die diese Hefte im Original ihr eigen nennen.
    Darunter auch als einzige die Frau eines mir gut bekannten Comicsammlers die sich da ihre Hobbys teilen.
    Wenn mal wieder persönliche Treffen möglich sein sollten werde ich Sie mal etwas darüber ausfragen wie es so damals war mit der weiblichen Leserschaft.

    Meine persönlichen Erfahrungen aus dieser Zeit waren da eher negativ da ja kein Austausch mit diesen dummen Ziegen darüber möglich war.

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    Donnerstag, 15. Oktober 2020, 21:45

    BRAVO vs. LUPO MODERN

    "Lupo Modern" wurde ja 1964 von Rolf Kauka gezielt als Konkurrenz zur BRAVO ins Leben gerufen, konnte sich aber letztendlich gegen die Marktübermacht des größten deutschen Jugendmagazins nicht durchsetzen.
    Von der "Lupo Modern" hatte ich in den späten 60ern rund ein halbes Dutzend Exemplare in meiner Kindersammlung. Es handelte sich dabei um Remittendenexemplare, die, jeweils zu zweit in Klarsichtfolie eingeschweißt, nach meiner Erinnerung in der Düsseldorfer Woolworth- Filiale (die am Jan Wellem- Platz, für Ortskundige) zum Setpreis von einer Mark verkauft wurden. Zunächst war ich froh über den vermeintlich günstigen Einkauf. Nach dem Auspacken war ich dann doch einigermaßen enttäuscht, da der Comic- Anteil sich in Grenzen hielt und mich die anderen Themen als damals zehn- bis zwölfjähriger Bengel noch kaum interessierten. Auch gab es Probleme mit dem Verstauen der Hefte in unserer Kücheneckbank wegen des vermaledeiten Überformats, das nicht zu meinen sonstigen Comics passen wollte.
    Heute wird "Lupo Modern" von Sammlern durchaus immer noch gesucht, die darin aufgrund des starken Magazincharakters der Hefte eher den Zeitgeist der 60er Jahre wiederfinden können als in "reinrassigen" Comics dieser Epoche.

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    Freitag, 16. Oktober 2020, 15:55

    Wer war Dr. Sommer wirklich ?

    Wenn man sich etwas intensiver mit der Geschichte der BRAVO auseinandersetzt, stellt sich unweigerlich die Frage nach der wahren Identität des "Dr. Sommer" und seiner zwischen 1969 und 1984 veröffentlichten Erfolgsrubrik "Was Dich bewegt". Handelte es sich lediglich um das Pseudonym eines einzelnen Autors oder um die Kollektivarbeit eines Redaktionsteams ?
    Nun, "Dr. Sommer" gab es leibhaftig. Es handelte sich um den 1927 in Bielefeld geborenen Arzt, Psychotherapeuten und ev. Religionslehrer Martin Goldstein. Unter dem o.a. Pseudonym leitete er ein Team, das nahezu alle Fragen der BRAVO- Leser zu den Themen Liebe und Sexualität in dem o.g. Zeitrahmen beantwortete.
    Goldstein´s Eltern waren Protestanten, sein Vater stammte aus einer jüdischen Familie. 1939 wurde die Familie genötigt, aufgrund ihres Rassestatus in das Bielefelder "Judenhaus" umzuziehen. 1942 mußte Martin Goldstein als Halbjude die Schule verlassen und begann eine handwerkliche Ausbildung. 1944 gelangten Ernst Goldstein sowie seine beiden Söhne Martin und Franz durch Zwangseinweisung in das Arbeitslager Tröglitz bei Zeitz, aus dem Martin bereits nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde, da ihn sein Ausbildungsbetrieb als unabkömmlich angefordert hatte. Kurz vor Kriegsende entging Martin Goldstein einer erneuten Deportation, indem er sich in einem Wald bei Bielefeld versteckte. Sein Vater Ernst überlebte den Mai 1945 im KZ Theresienstadt.
    1947 holte Martin Goldstein das Abitur nach, studierte anschließend in Göttingen Medizin und promovierte 1954 zum Dr. med. Im Anschluß wurde er aber nicht Arzt, sondern avancierte zum Leiter einer evangelischen Anlaufstelle für Jugendliche in Düsseldorf- Eller. Zwischen 1969 und 1984 war er in o.g. Funktion für die BRAVO tätig und betrieb ab 1975 zusätzlich eine psychotherapeutische Praxis in Düsseldorf.
    Mit seinen Einlassungen in der BRAVO, u.a.: " Masturbation macht weder krank noch schwul noch unfruchtbar !", brachte er die größte deutsche Jugendzeitschrift 1972 zweimal auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute: ... für jugendgefährdende Medien).
    Im Jahre 2000 ging Martin Goldstein in den Ruhestand. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Zuletzt wohnte er mit seiner Lebensgefährtin in einer WG in Kaarst bei Düsseldorf.
    Martin Goldstein alias "Dr. Sommer" starb am 31. August 2012 unweit meiner Heimatstadt in Düsseldorf- Garath im Alter von 84 Jahren.

    www.youtube.com/watch?v=DfZCcKBdu4c

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    Sonntag, 18. Oktober 2020, 18:37

    Dr. Sommer

    Mir war schon in jungen Jahren klar, dass es unmöglich war, dass ein Arzt für die Bravo sämtliche Fragen beantworten konnte, der wäre 7 x 24 beschäftigt gewesen. Dennoch haben meine Freunde und ich einmal "seine" Expertise in Anspruch genommen. Es ging um die Frage, ob während der Menstruation eine Befruchtung stattfinden kann. Es gab zwei Meinungen, und es wurde gewettet, zur Klärung ein Brief an die Bravo verfasst. Nach rund zwei Wochen kam die Antwort von "Dr. Sommer" (oder wer auch immer dahinter steckte :) ) , und ich hatte die Wette gewonnen. Heute würde man so etwas googeln, aber solche Möglichkeiten gab es ja noch lange nicht. Im Nachinein darüber nachgedacht, ich hätte nicht gewusst, wen man zu diesem Thema hätte fragen können, ohne das es peinlich geworden wäre :D

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    Sonntag, 18. Oktober 2020, 20:14

    Fragen an Dr. Sommer vs. Learning by Doing

    Heute käme Dr. Sommer schon fast alleine mit der Beantwortung von Leseranfragen klar, denn die aktuelle BRAVO ist als Printmedium mit aktuell 80.000 bis 85.000 Verkaufsauflage ja nur noch ein Schatten ihrer einstigen Größe.
    Da ich in den frühen 70ern keinen großen Draht zur BRAVO hatte und weder von meinen Eltern noch von der Schule aufgeklärt wurde, mußte ich mich im zarten Alter von 16 bis 17 Jahren, wie viele andere meiner Generation auch, selbst an diese Dinge "herantasten". Aber meiner ersten Freundin ging´s ähnlich wie mir , von daher herrschte zwischen uns beiden in dieser Hinsicht weitgehende "Waffengleichheit" :thumbsup: .

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    Montag, 19. Oktober 2020, 01:27

    Da hatte ich mehr Glueck, meine Mutter klaerte mich auf, als ich 11 war, allerdings muss ich zugeben, dass ich vieles davon nicht verstand.

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    Montag, 19. Oktober 2020, 18:23

    Alte BRAVO- Hefte einsehen

    Wer ein wenig virtuell in den alten BRAVO- Ausgaben stöbern und auch lesen möchte, kann das hier tun:

    https://bravo-archiv-shop.com/ein-wen...

    Dort gibt es die Ausgaben von 1956 bis 1994 (von jedem Jahr die Nr. 1). Viel Spaß dabei !