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    Mittwoch, 2. November 2022, 13:20

    George Armstrong Custer oder: Übertölpelung am Little Big Horn

    George Armstrong Custer Custer gilt heute bei vielen Amerikanern je nach politischer Ausrichtung entweder als Märtyrer und Nationalheld oder als Karrierist und taktischer Versager. Fest steht, daß er es im Bürgerkrieg nicht zuletzt durch schneidige Kavallerieattacken bis zum General gebracht hatte. Nach 1865 wollte er weiter durch herausragende Operationen an seiner militärischen Karriere arbeiten, erzwang im Juni 1876 am Little Big Horn im heutigen Montana den Kampf gegen die Sioux und ihre Verbündeten und verlor durch taktische Fehler letztendlich das Leben seiner Männer und auch sein eigenes.
    George Armstrong Custer (1839- 1876) galt von jeher als Draufgänger, der einfache Lösungen bevorzugte. Geboren wurde er 1839 in New Rumley, Harrison County, Ohio. Seine Vorfahren waren der hessische Offizier Paul Küster und seine Frau Gertrude, die um 1693 vom Niederrhein aus im Gefolge der ersten dreizehn Einwandererfamilien aus Krefeld (1683 Gründung von Germantown, Pennsylvania) in die Neue Welt auswanderten. Custer´s Ahnen gehören somit zu den frühesten deutschen Auswandererfamilien, die sich in Nordamerika niederließen.
    Custer galt als besonders lebhaftes, aber schulisch auch als faules Kind und kam im Jahre 1857 an die Militärakademie von West Point, wo er nicht zuletzt aufgrund seiner Disziplinlosigkeit im Jahre 1861 als letzter von 34 Absolventen seines Jahrgangs abschloß. Auch begann sich zu dieser Zeit bereits sein Hang zu extravagantem Auftreten abzuzeichnen, als er sein Haar länger als damals üblich trug und dieses auch sehr sorgfältig pflegte.
    Während des Amerikanischen Bürgerkriegs nahm Custer nahezu an allen wichtigen Kämpfen teil und zeichnete sich durch seine besondere Tollkühnheit aus. Allerdings wurde diese in der Unionskavallerie auch dringend benötigt, um die anfängliche taktische und kämpferische Überlegenheit der konföderierten Kavallerieverbände allmählich zurückzudrängen.
    Zum Ende des Bürgerkriegs hatte Custer zwar erst das fast noch jugendliche Alter von 25 Jahren erreicht, war aber durch seine überragenden militärischen Leistungen zu einem in der amerikanischen Bevölkerung anerkannten Kriegshelden geworden. Während des Kriegs hatte er sich vom einfachen Leutnant der Unionsarmee bis zum jüngsten Generalmajor der Freiwilligen hochgedient und lernte in der Spätphase des Bürgerkriegs als Divisionskommandeur unter General Philip Sheridan auch noch dessen Strategie der "Verbrannten Erde" kennen.
    Nach Kriegsende behielt Custer zwar zunächst seinen Generalstitel, wurde in der demobilisierten US- Armee aber wieder zum Oberstleutnant herabgestuft und zog mit diesem Rang in die nun erneut aufflammenden Indianerkriege. Was er von den Indianern hielt, zeigte er 1868, als er mit seiner Einheit ein Indianerdorf in Oklahoma angriff. Dem General Philip Sheridan zugesprochenen Ausspruch "Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer" hätte wahrscheinlich auch George Armstrong Custer ohne großes Wenn und Aber zugestimmt.
    In den amerikanischen Plains standen die Zeichen mittlerweile auf Sturm. Zwar hatte die amerikanische Regierung 1868 den Sioux, Arapaho und Cheyenne weite Regionen westlich des Missouri als Reservat zugesprochen, doch sechs Jahre später war es ausgerechnet eine von Custer begleitete Expedition, die in den Black Hills Gold fand. Daß die Hügel den Indianerstämmen heilig waren und ihre Unantastbarkeit vertraglich zugesichert worden war, störte die zahllosen Goldsucher und Glücksritter kaum, die nun in dieses Gebiet drängten. Das Angebot der amerikanischen Regierung, das Gebiet für sechs Millionen Dollar zu kaufen, wurde von den Siouxhäuptlingen abgelehnt. Stattdessen gelang es dem überragenden Hunkpapa- Lakota Häuptling "Sitting Bull", ein großes Bündnis der verschiedenen Präriestämme zusammenzubringen.
    Um die Regierungspolitik durchzusetzen, rückten im Frühjahr 1876 US- Kavallerieverbände von drei Seiten in die Indianerreservationen ein. Mit seinem 7. US- Kavallerieregiment führte Custer die Vorhut von General Alfred Terrys Kolonne. Aufgrund fehlerhafter Informationen glaubte Custer, es weitgehend nur mit Pfeil und Bogen sowie mit Tomahaks bewaffneten Indianern zu tun zu haben, ein fataler Fehlschluß, wie sich im Zuge dieses Feldzuges herausstellen sollte.
    Taktisch teilte Custer zunächst seine Truppe, um das große Indianerdorf am Little Big Horn einzuschließen. Sitting Bull fiel scheinbar zunächst auf dieses Manöver herein und schien in die Falle zu gehen. Tatsächlich blockierten die Krieger einerseits das Detachement unter Major Marcus Reno und taten auf der anderen Seite so, als zogen sie sich vor der Einheit Custers zurück. Aufgrund mangelhafter Aufklärung erkannte dieser jedoch zu spät, daß sich die Indianer in seinen Flanken erneut formierten und zum Angriff übergingen. Die berittenen Krieger machten plötzlich kehrt und stürmten nun von allen Seiten auf die Kavalleristen ein. Custer erkannte nun allmählich, daß er mit seinen 204 Mann Kavallerie keine großen Chancen gegen weit mehr als 1000 Indianer hatte, von denen viele mit Gewehren, einige (man schätzt ca. 200 Krieger) sogar mit modernen Repetiergewehren der Hersteller Spencer, Henry und Winchester ausgestattet waren. Anders als in vielen späteren Verfilmungen dargestellt, verfügten die Kavalleristen am Little Big Horn, abgesehen von einzelnen Offizieren, nur über einschüssige Springfield- Hinterlader mit begrenzter Feuerkraft, die bei intensivem Gebrauch durch die Schwarzpulverrückstände auch häufig Ladehemmungen hatten. Zwar verfügte die Truppe auch bereits über einige Gatling- Maschinenkanonen, diese wurden aber aufgrund des schwierigen Geländes nicht bis zum eigentlichen Schlachtfeld mitgeführt.
    Schließlich wurde Custers Einheit, inklusive ihres Befehlshabers, zuletzt zusammengedrängt auf einer Hügelkuppe, von den verbündeten Stämmen vollständig niedergemacht. Alle Leichen wurden verstümmelt und skalpiert. Als einziger Überlebender des Massakers ging das Pferd Comanche in die amerikanische Folklore ein. Die Einheit von Major Marcus Reno konnte sich dagegen unter Verlusten von 44 Mann halten und wurde später von nachrückenden Verstärkungen gerettet. Die Verluste der indianischen Krieger galten dagegen als erstaunlich niedrig und sollen nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 40 und 140 Gefallenen gelegen haben.
    Die 7. US- Kavallerie wurde erst im Jahre 1866 gegründet. Typisch für die Geschichte dieser Einheit im 19. Jahrhundert war, daß selbst 1876, im Jahr des verhängnisvollen Gefechts, noch 43 Prozent ihrer Angehörigen im Ausland, meist in Irland oder in Deutschland, geboren wurden. Nicht weniger als 131 Deutsche gehörten diesem Regiment an, und in den Auflistungen fanden sich Namen wie Loeser, Knecht, Schlafer, Geist, Teemann, Meier oder Korn.

    www.youtube.com/watch?v=vnY18T36yRM
    www.youtube.com/watch?v=MbvTAZu15cM

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    Mittwoch, 2. November 2022, 19:16

    RE: George Armstrong Custer oder: Übertölpelung am Little Big Horn

    Ende der 60er Jahre sah ich mir im Kino den Little Big Horn Film mit Ty Hardin an, aber ich stieg einfach nicht durch die Handlung durch.
    George Armstrong Custer Custer gilt heute bei vielen Amerikanern je nach politischer Ausrichtung entweder als Märtyrer und Nationalheld oder als Karrierist und taktischer Versager. Fest steht, daß er es im Bürgerkrieg nicht zuletzt durch schneidige Kavallerieattacken bis zum General gebracht hatte. Nach 1865 wollte er weiter durch herausragende Operationen an seiner militärischen Karriere arbeiten, erzwang im Juni 1876 am Little Big Horn im heutigen Montana den Kampf gegen die Sioux und ihre Verbündeten und verlor durch taktische Fehler letztendlich das Leben seiner Männer und auch sein eigenes.

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    Mittwoch, 2. November 2022, 21:38

    Custer als Abbild des Zeitgeistes

    "Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte"
    Wohl kaum eine historische Figur wie G.A. Custer unterlag im Verlauf der Folgejahrzehnte so unterschiedlichen Be- und Verurteilungen. Die Verfilmung mit Ty Hardin kenne ich nicht, konnte mich aber wieder an die Szene aus "Little Big Man" erinnern, in der Custer als größenwahnsinniger Irrer dargestellt wird. Die Szene wird in der oben verlinkten Doku eingeblendet, die ich mir gerade angeschaut habe und die durchaus empfehlenswert ist.
    Auch der darunter verlinkte Film von 1991 ist sehr sehenswert, hat aber extreme Überlänge.

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    Donnerstag, 3. November 2022, 13:21

    The American Corner - Robert E. Lee: Patriot oder Rebell ?

    Im Zuge einer immer mehr überbordenden "Cancel Culture" sind in den Südstaaten der USA in den letzten Jahren unter dem Etikett "Rassistisch !" eine Reihe von Bronzestatuen konföderierter Bürgerkriegsgeneräle niedergerissen worden, darunter auch in Charlottesville und in Richmond. Das Denkmal in Richmond/ Virginia erregte besondere Aufmerksamkeit, da es mit fünf Metern Gesamthöhe eines der eindrucksvollsten Monumente aus dieser Zeit darstellte. Mittlerweile soll das Objekt eingeschmolzen worden sein. Vielen gemäßigten Amerikanern geht diese Entwicklung entschieden zu weit, zumal es sich bei diesen Aktionen weniger um die Bekämpfung von "Rassismus", sondern um einen nur mühsam ummäntelten Rassenkampf von radikalen "People of Color" gegen die noch weiße Mehrheitsgesellschaft der USA handelt. Finanziert werden diese Bewegungen nicht selten von undurchsichtigen Stiftungen und Organisationen, deren Ziele oft alles andere als unterstützenswert sind.
    Wer aber war Robert E. Lee, dessen Denkmal 2021 in Richmond niedergerissen wurde, nun aber wirklich ? Robert Edward Lee wurde 1807 in Stratford, Virginia, als fünftes Kind des legendären Generals Henry "Lighthorse Harry" Lee und dessen zweiter Frau Ann Hill Carter- Lee geboren. Der Familientradition folgend, trat er 1825 in die Militärakademie West Point ein. Er schloß als Zweitbester seines Jahrgangs im Jahre 1829 ab und wurde zum Second Lieutenant der Pioniere befördert. Im Juni 1831 heiratete er Mary Ann Randolph Custis, die ihm vier Mädchen und drei Jungen gebar. Lees Söhne dienten in späteren Jahren ebenfalls in der Konföderierten Armee.
    Im Mexikanisch- Amerikanischen Krieg wurde Robert E. Lee wegen seiner Führungsqualitäten und seiner Tapferkeit zum Second Colonel (Oberstleutnant) befördert. Im Jahre 1852 wurde ihm die Leitung der Militärakademie West Point übertragen. Fünf Jahre später schickte ihn das amerikanische Verteidigungsministerium nach West- Texas, wo er bis Anfang 1861 seinen Dienst versah. Im Februar 1861, als sich die Sezession abzeichnete, erhielt Lee von General Winfield Scott die Order, die Truppen der Union gegen den aufständischen Süden zu führen. Dies geschah, da Lee sowohl als Befürworter der Union als auch als Gegner der "Peculiar Institution" galt. Er konnte sich jedoch nicht dazu entschließen, gegen seinen Heimatstaat Virginia zu kämpfen, lehnte das Oberkommando ab und quittierte am 20. April 1861 auch seinen Dienst bei der Unionsarmee, nachdem sich Virginia aus der Union gelöst hatte.
    Bereits drei Tage später übernahm Lee in Richmond das Kommando über die Feldstreitkräfte und die Marine von Virginia. Nachdem er aus beiden Waffengattungen schlagkräftige Verbände geformt hatte, wurde Lee zum Brigadegeneral der Konföderierten Armee befördert und rückte in den Stab von Jefferson Davis und Jeb Stuart auf, wo er den Präsidenten der Südstaaten in militärischen Angelegenheiten beriet. Robert E. Lee war es, der General Major George McClellan im Sommer 1861 in der "Seven Days Battle" bei seinem Vormarsch auf Richmond entscheidend stoppen konnte. In der zweiten Schlacht bei Manassas (Battle of Bull Run) besiegte er die Verbände von General Major John Pope, der selbst von seinen eigenen Offizierskameraden als militärischer Stümper eingeschätzt wurde.
    In der verlustreichen Schlacht von Antietam verlor Robert E. Lee zwar über 10.000 seiner 50.000 Mann starken Armee, galt trotz dieser Verluste jedoch als der heimliche Gewinner dieser Schlacht, denn der entscheidungsschwache George McClellan hätte bereits hier Lee entscheidend schlagen können. So kam es schließlich anders, als Lee den strategischen Rückzug befahl und der Bürgerkrieg weiter seinen Fortgang nahm.
    Im Dezember 1862 vernichteten Lees Verbände die Divisionen von Ambrose Burnside bei Fredericksburg, obwohl sich der Verlauf der Schlacht anfangs nicht zu Gunsten der Konföderierten entwickelt hatte. Im Mai 1863 war Lee bei Chancellorsville erneut gegen General John Hooker erfolgreich, und dies trotz einer deutlichen Überlegenheit der Unionsarmee, die 140.000 Mann ins Feld führen konnte, während die Konföderierten nur über 60.000 Mann verfügten. Tragisch war, daß Lees "bester Mann", General J. "Stonewall" Jackson, bei diesen Gefechten durch eigenes Feuer tödlich verwundet wurde.
    Robert E. Lee verstand es wie kaum ein anderer, selbst aus ausweglosen Situationen letztendlich noch als Sieger hervorzugehen. Grund dafür dürften seine außergewöhnlichen taktischen Fähigkeiten, sein Glaube an sich selbst und seine Begeisterungsfähigkeit gewesen sein, die sich schnell auf seine Untergebenen übertrug.
    Dennoch sollte die Schlacht von Gettysburg im Juli 1863 zur Schicksaalschlacht für Lee und die Konföderierten Staaten werden. Keiner der beiden Oberbefehlshaber hatte sich bewußt für dieses Schlachtfeld entschieden, da das Gelände hierfür weitgehend ungeeignet war. Dennoch entschloß sich Lee, aus der gegebenen Situation heraus das Beste zu machen und anzugreifen, mußte nach drei Tagen jedoch einsehen, daß gegen die überlegenen Unionsverbände und insbesondere ihr Artilleriesperrfeuer nicht anzukommen war. Mit dem glücklosen Ausgang der Schlacht von Gettysburg am 4. Juli begann allmählich die Götterdämmerung der Konföderierten Staaten und ihrer Armee.
    Im Februar 1865 wurde Robert E. Lee zum alleinigen Oberbefehlshaber der bereits schwer angeschlagenen Konföderierten Streitkräfte ernannt und mußte am 9. April 1865 vor dem Oberbefehlshaber der Unionsstreitkräfte, Ulysses S. Grant, bei Appomattox Court House kapitulieren. Nach der für ihn demütigenden Kapitulation ging man sogar noch dazu über, ihm die Bürgerrechte zu entziehen, und Lee zog sich nach Richmond zurück, wo er zum Rektor des Washington College ernannt wurde.
    Am 12. Oktober 1870 starb Robert E. Lee nach langer, schwerer Krankheit. Seine letzte Ruhestätte fand er in Lexington, Virginia. Um die Wiederlangung seiner ihm wichtigen Bürgerrechte bemühte sich Lee zu seinen Lebzeiten vergebens, erst im Jahre 1975 wurden sie ihm posthum wieder verliehen. In den Augen vieler Amerikaner insbesondere der Südstaaten gilt er immer noch als Nationalheld der "Lost Cause" und avancierte in den Folgejahrzehnten immer mehr zur Legende, dem zahlreiche Denkmäler bis hin zum "Stone Mountain Memorial" in der Nähe von Atlanta/ Georgia gesetzt wurden.

    www.youtube.com/watch?v=siKkXGktxzA

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    Freitag, 4. November 2022, 13:00

    The American Corner - Philip Sheridan - Der Erfinder der "Verbrannten Erde"

    Ihm wurde immer wieder einmal der Ausspruch "Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer" zugeschrieben. Nur hat Philip Sheridan diesen Satz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so nie geäußert. Im amerikanischen Original lautet das Zitat hingegen: "The only good Indians I ever saw were dead" (Die einzigen guten Indianer, die ich jemals sah, waren tot), was der Aussage natürlich einen etwas anderen Bedeutungsinhalt gibt. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Umkehrung des Zitats von Wampanoag- Häuptling Metacomet aus dem Jahre 1675, der sich über die Vertragsbrüchigkeit der Weißen beklagte und gesagt haben soll: "Wir haben es in der Vergangenheit nicht glauben wollen, aber es ist eine Tatsache: nur ein toter Weißer ist ein guter Weißer ! Brüder, wir müssen uns vereinigen oder wir werden untergehen !"
    Philip Sheridan war der 1831 in Albany/ New York geborene Sohn der irisch- katholischen Einwandererfamilie John und Mary Sheridan. Aufgrund seiner geringen Körpergröße erhielt er schnell den Spitznamen "Little Phil", arbeitete schon früh als Laufbursche in einem Geschäft und entwickelte sich weiter zu einem Büroangestellten und Buchhalter.
    Ab 1848 besuchte Sheridan die Militärakademie West Point, wo er 1853 seinen Abschluß machte und anschließend als Leutnant zum 1. Infanterieregiment nach Fort Duncan, Texas, versetzt wurde. Zwischen 1855 und 1857 kämpfte er u.a. im Yakama- Feldzug im damaligen Washington- Territorium und war anschließend in Oregon stationiert. Zu Beginn des Bürgerkriegs wurde er rasch zunächst zum First Lieutenant (Oberleutnant) und bereits zwei Monate später zum Hauptmann befördert. Im ersten Jahr des Sezessionskrieges diente er zunächst als Quartiermeister in Missouri, nahm 1862 an der Schlacht am Pea Ridge in Arkansas teil und beteiligte sich zwischen April und Juni 1862 an der Ersten Schlacht um Corinth.
    Im Mai 1862 wurde Philip Sheridan bereits zum Colonel (Oberst) ernannt und zum Kommandeur der 2. Michigan Kavallerie ernannt. Aufgrund seiner militärischen Erfolge wurde er im September 1862 zum Brigadegeneral und im Dezember zum Generalmajor der Freiwilligen befördert.
    Im Jahre 1864 holte Ulysses S. Grant Sheridan als kommandierenden General des Kavalleriekorps zur Potomac- Armee, wo er mit wechselndem Erfolg kämpfte. Im Anschluß übergab Grant Sheridan das Kommando über die neuaufgestellte Shenandoah- Armee, um der Bedrohung des gleichnamigen Tals durch die Konföderierten Streitkräfte entgegenzutreten. Seine Art der Kriegführung war in diesem Frontabschnitt wie auch in seinen späteren Einsätzen während der Indianerkriege ein erstes Beispiel für die Taktik der "Verbrannten Erde", durch die zahlreiche zivile Einrichtungen bis hin zu Bahnhöfen sowie auch Farmen und Lebensmittellager nachhaltig zerstört wurden.
    Im März 1865 kehrte Sheridan zur Potomac- Armee zurück und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg des Appomattox- Feldzugs unter Grant, der zur schließlichen Kapitulation der Konföderierten Streitkräfte führte.
    Nach Ende des Bürgerkriegs befehligte Sheridan zunächst US- Truppen an der mexikanischen Grenze und wurde 1867 zum Militärgouverneur von Texas und Louisiana. Dies allerdings nur für ein halbes Jahr, da er aufgrund seiner Härte gefürchtet wurde und ihm das Zitat zugeschrieben wurde: "Sollte ich Texas und die Hölle besitzen, so würde ich Texas vermieten und in der Hölle leben wollen".
    In seinen nachfolgenden Einsätzen gegen diverse Indianerstämme galt Sheridans taktische Vorgehensweise wiederum als überaus hart. So ließ er die Büffelherden als Lebensgrundlage der Prärieindianer ausrotten und zahlreiche Dörfer niederbrennen. Unter anderem gilt er als Hauptverantwortlicher für das Washita- Massaker vom November 1868, bei dem über hundert Cheyennne ums Leben kamen.
    Im März 1869 erfolgte Sheridans Beförderung zum Generalleutnant, und im November 1883, als die "Indianerfrage" bereits weitgehend gelöst war, wurde er zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannt. Kurz vor seinem Tod beförderte ihn der Kongreß nach Grant und Sherman als dritten Soldaten zum "General of the Army of the United States".
    Philip Sheridan verstarb im August 1888 in Nonquitt, Massachusetts, an Herzversagen und wurde auf dem Nationalfriedhof Arlington bestattet, wo bis heute ein Grabstein mit seinem Portrait steht.

    www.youtube.com/watch?v=ESyyM7IZh3o

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    Samstag, 5. November 2022, 14:39

    The American Corner - William Tecumseh Sherman - Militärisches Genie oder Kriegsverbrecher ?

    William Tecumseh Sherman wurde 1820 in Ohio geboren und gilt neben Grant und Sheridan als der erfolgreichste Bürgerkriegsgeneral der Nordstaaten. Berühmtheit erlangte er für die Eroberung von Atlanta und seinen anschließenden "Marsch ans Meer" sowie seine damit verbundene Art der Kriegsführung.
    Sherman absolvierte, wie viele andere spätere Bürgerkriegsgeneräle, die Militärakademie West Point und schloß als einer der Jahrgangsbesten ab. Im Gegensatz zu den meisten Offizieren seiner Altersklasse wurde er jedoch anschließend nicht im Mexikanisch- Amerikanischen Krieg zwischen 1846 und 1848 eingesetzt, sondern hatte Kommandos in Kalifornien und beteiligte sich durch einige Spekulationen auch durchaus erfolgreich am kalifornischen Goldrausch von 1848. Im Jahre 1853 schied er für einige Jahre aus dem aktiven Militärdienst aus, in denen er zunächst als Banker und als Anwalt aktiv wurde. Im Jahre 1859 wurde William T. Sherman Präsident der Militärschule von Louisiana.
    Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs kehrte Sherman in den aktiven Militärdienst zurück. Im Mai 1861 erhielt er als Colonel den Befehl über das 13. Infanterieregiment der US- Armee. Ihre Feuertaufe erhielt diese Einheit während der Schlacht bei Manassas, als Thomas "Stonewall" Jackson durch Kavallerieattacken und Artilleriebeschuß diesem Regiment hohe Verlust zufügte. Die erste blutige Niederlage bei Manassas machte dem Norden bewußt, daß der Bürgerkrieg nicht mehr innerhalb weniger Wochen zu gewinnen war. Präsident Lincoln konzentrierte sich infolge auf die Aufstellung eines professionell geführten Heeres, und der erste industrialisierte Krieg mit einer dreiviertel Million Opfern nahm damit seinen verhängnisvollen Lauf.
    Wenige Wochen nach der Schlacht bei Manassas wurde Sherman zum Brigadegeneral befördert und bekam sein eigenes Kommando in Kentucky. Aufgrund einer falschen Lagebeurteilung wich er dort allerdings den Konföderierten Einheiten aus und wurde aufgrund dieses Mißerfolgs wieder seines Kommandos enthoben. Was folgte, war eine ausgesprochene Negativkampagne der Unionspresse gegen Sherman, der darauf mit zeitweiligen Nervenzusammenbrüchen und Suizidgedanken reagierte. Anfang 1862 besann man sich jedoch wieder eines Besseren, Sherman wurde reaktiviert und erhielt ein Divisionskommando unter Ullysses S. Grant.
    Dieser zog mit seiner Armee gegen einen Vorstoß der Konföderierten in Tennessee, wo es im April 1862 zu der zweitägigen Schlacht von Shiloh kam. Die Unionsverbände wurden trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit sofort energisch attackiert, und General Sherman konnte mit seiner 5. Division nur äußerst knapp den Zusammenbruch der Frontlinie verhindern. Während der intensiven Kampfhandlungen erlitt er selbst leichte Verletzungen, und drei Pferde wurden unter ihm weggeschossen. Die Wende brachte der zweite Gefechtstag, als die Unionstruppen massiv vorrückten und Konföderationsgeneral Beauregard schließlich den Befehl zum geordneten Rückzug seiner Verbände geben mußte.
    Shiloh begründete nach übereinstimmender Einschätzung von Militärhistorikern den Ruf und weiteren Aufstieg von Sherman zu einem der wichtigsten Generäle des Amerikanischen Bürgerkriegs. Bereits im Mai 1862 wurde er zum Major General befördert und beteiligte sich, wieder unter Grant, an der Belagerung von Vicksburg ab Mai 1863. Nach ersten fehlgeschlagenen Angriffen ließ Grant Laufgräben ausheben und die Stadt massiv mit Artillerie beschießen. Mitte Juni kam es zu einem Entsatzversuch seitens der Konföderierten, der jedoch an sieben eingesetzten Unionsdivisionen unter dem Befehl von Sherman scheiterte, so daß Konföderiertengeneral Pemberton aufgrund der prekären Versorgungslage am 4. Juli 1863 kapitulieren mußte.
    Im November 1863 fand bei Chattanooga/ Tennessee eine weitere vorentscheidende Schlacht des Bürgerkriegs statt. Letztendlich siegten die Unionstruppen nicht zuletzt aufgrund ihrer massiven materiellen Überlegenheit und der guten taktischen Führung unter Hooker und Sherman.
    Nach diesem Sieg erhielt Grant den Oberbefehl am östlichen Schauplatz des Bürgerkriegs, um Lee endgültig in die Knie zu zwingen; sein Nachfolger im Westen wurde dagegen Sherman. Im sogenannten "Atlanta- Feldzug" bekämpfte dieser zwischen Mai und Septemeber 1864 die konföderierte Tennessee- Armee, der mit der Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Atlanta /Georgia endete. Zwar blieb Sherman während dieses Feldzugs nicht von einzelnen taktischen Niederlagen verschont, meist verursacht durch Kavallerie- Raids der Konföderierten gegen logistische Einrichtungen der Nordstaaten, jedoch änderte dies wenig an dem sukzessiven Rückzug der Konföderierten Armee. Mit diesen Erfolgen trug Sherman stark zu Lincolns Wahlsieg vom November 1864 bei, womit sich auch die politische Vorentscheidung herauskristallisierte, den Bürgerkrieg nicht mit einem Kompromiß enden zu lassen.
    Nach der Eroberung von Atlanta wendete sich Sherman neuen Zielen zu und änderte dabei auch deutlich sein strategisches Vorgehen. Ohne die Beachtung logistischer Verbindungslinien drang er tief in Feindesland vor, ließ seine Einheiten ausdrücklich plündern und verfolgte eine Politik der "verbrannten Erde". Sherman marschierte mit 60.000 Mann in Richtung Savannah/ Georgia an die Atlantik- Küste und ließ in einem breiten Marschkorridor die wirtschaftliche Infrastruktur zerstören, wobei Eisenbahnstrecken und Depots einen deutlichen Schwerpunkt bildeten. Er selbst schätzte den wirtschaftlichen Gesamtschaden seines "Marsches ans Meer" auf rund 100 Millionen Dollar, eine für damalige Zeiten gewaltige Summe. Diskutiert wird aus diesem Grund bis heute, ob sich Sherman mit seiner Einleitung eines "Totalen Krieges" nicht letztendlich auch zum Kriegsverbrecher gemacht hat, was von Historikern sehr unterschiedlich beurteilt wird.
    Im Februar 1865 nahm Sherman die Hauptstadt von South Carolina, Columbia, ein. Aus bis heute nicht restlos geklärten Umständen brach in der gleichen Nacht ein Großbrand in der Stadt aus. Anschließend zogen seine Truppen weiter nach North Carolina, wo gemeinsam mit Grant Petersburg belagert werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da General Robert E. Lee am 9. April 1865 die Gesamtkapitulation der Konföderierten Streitkräfte einleitete.
    Am 25. Juli 1866 wurde Sherman zum Lieutenat General befördert und war nun an den sich verschärfenden Indianerkriegen beteiligt. Als Ulysses S. Grant im Jahre 1869 zum US- Präsidenten gewählt wurde, trat Sherman seine Nachfolge als General of the Army an und war somit zum Oberbefehlshaber des amerikanischen Heeres aufgestiegen. General William T. Sherman nahm erst im Jahre 1884 seinen endgültigen Abschied und starb 1891 in New York City.
    William T. Sherman bildet insofern eine Ausnahme unter der amerikanischen Bürgerkriegsgeneralität, da er zu seiner Zeit als äußerst jähzornige und impulsiv- nervöse Persönlichkeit galt. Einige heutige Historiker versuchten nachzuweisen, daß Sherman unter einer manischen Depression litt, was sein unstetes Wesen, seine psychischen Zusammenbrüche und seinen relativ geringen Erfolg im Zivilleben erklären würde. Ghaemi sieht Shermans Erfolge im Krieg als Beleg für seine These an, wonach in Krisensituationen Führungspersönlichkeiten, die an affektiven Störungen leiden, gesunden Menschen durchaus überlegen sein können. Zum Vergleich führt er das Scheitern des als eher ruhig und ausgeglichenen Generals George McClellan an.

    www.youtube.com/watch?v=GDbVjsncGv0

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    Sonntag, 6. November 2022, 14:04

    The American Corner - Jim Bridger - Der vergessene Pionier ?

    Neben Persönlichkeiten wie Davy Crockett, Daniel Boone oder Kit Carson gehört Jim Bridger zumindest in der europäischen Wahrnehmung zu den eher vergessenen amerikanischen Pionieren des 19. Jahrhunderts, und dies eigentlich völlig zu Unrecht, galt er doch als einer der fähigsten Scouts, Trapper und Entdecker des Westens der USA.
    Mit einiger Wahrscheinlichkeit wurde Jim Bridger 1804 in Richmond, Virginia, geboren, obwohl es keine konkreten Nachweise aus der späteren Hauptstadt der Konföderation dafür gibt. Im Alter von acht Jahren begab er sich mit seinen Eltern und seiner Schwester gen Westen, wo sich die Familie schließlich in der Nähe von St. Louis, Missouri, ansiedelte. Im seinem Alter von zwölf und dreizehn Jahren starben bereits Bridgers Eltern, so daß der heranwachsende Junge zunächst auf einer Missouri- Fähre arbeitete, um sich und seine Schwester über die Runden zu bringen. Im Anschluß fing er eine Ausbildung in einer Schmiede an, brach diese aber bereits im Jahre 1822 wieder ab.
    Im gleichen Jahr veröffentlichte der "Missouri Gazette and Public Advertiser" ein Inserat, in dem hundert Männer für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren gesucht wurden, die bis zur Quelle des Missouri River vordringen sollten. Jim Bridger, der damals 18 Jahre alt war, bewarb sich, wurde angenommen und wurde zum Mitglied von "Ashleys Hundert", die allesamt kaum oder keine Erfahrungen mit Expeditionen in die Wildnis hatten. Dennoch sollten einige von ihnen durch diese Reise zu Experten des "Lebens in den Bergen" werden, unter ihnen auch Jim Bridger.
    Im Jahre 1823 wurde die "Rocky Mountain Fur Company" gegründet, für die Bridger durch das Gebiet des heutigen South Dakota bis zum Yellowstone River zog und dort auch Kontakt mit verschiedenen Indianerstämmen hatte. Im Sommer überquerte er mit einer Jagdgruppe den South Pass und somit auch den Hauptkamm der Rocky Mountains. Während des Winters 1824/25 nutzte Jim Bridger die freie Zeit für einen Erkundungsritt entlang des Bear River nach Süden, wo er vermutlich als erster Europäer den Großen Salzsee entdeckte, den er allerdings aufgrund seines Salzgehalts fälschlich für einen Ausläufer des Pazifiks hielt.
    Im Jahre 1826 schloß sich Bridger einer Gruppe von Pelzjägern an, die in der Nähe des heutigen Yellowstone- Nationalparks jagten und dort ihre Fallen aufstellten. Insgesamt war Jim Bridger in den Jahren zwischen 1822 und 1839 als Trapper und Entdecker in den Rocky Mountains aktiv und überlebte dort nicht zuletzt auch schwierige Witterungsbedingungen aufgrund seiner ausgezeichneten körperlichen Konstitution. Er durchstreifte in diesen Jahren das Gebiet des heutigen Bundesstaats Colorado bis an die kanadische Grenze und lernte auf seinen Streifzügen etliche Pioniere kennen, die in den Folgejahrzehnten berühmt werden sollten, so Persönlichkeiten wie Kit Carson, John Fremont, Joseph Meek oder John Sutter.
    Bridgers Auftraggeber hatten bereits in den 1820er Jahren das System der "Rendezvous" eingeführt, bei dem sich Jäger und Fallensteller einmal im Jahr an einem vorher festgelegten Ort trafen, dort ihre Pelze verkauften und neue Vorräte entgegennehmen konnten. Gesichert ist das erste Rendevous bei Henrys Fork im Juli 1825, bei dem vermutlich auch Jim Bridger anwesend war; denn zumindest an den darauffolgenden Jahrestreffen nahm er regelmäßig teil. Beim Rendezvous von 1830 erwarben Bridger und einige andere Jäger die "Rocky Mountain Fur Company", wodurch sie zu unmittelbaren Konkurrenten der "Hudson Bay Company" sowie von John Jacob Astors "American Fur Company" wurden. Wie hart die Konkurrenz dieser Handelsfirmen sein konnte, zeigt, daß Bridger und seine Teilhaber konkurrierende Jäger bewußt in die Stammesgebiete der Blackfeet lockten, die den Weißen zu dieser Zeit feindlich gesonnen waren. Auch Bridger und seine Jäger verloren durch die Maßnahmen der Blackfeet Pferde und Fallen oder wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt.
    Im Jahre 1835 heiratete Jim Bridger Cora, eine Indianerin aus dem Stamm der Flathead. Im gleichen Jahr brachen 50 Jäger unter seiner Führung in das Stammesgebiet der Lakota und anschließend in das der Flathead auf. Die Jagd im Territorium der Blackfeet hatte sich jedoch als noch lohnender erwiesen, sodaß Bridger im darauffolgenden Jahr mit 60 Trappern erneut in dieses Gebiet eindrang, wobei einer der Trapper von den Blackfeet getötet wurde.
    Die Pelzjagd hatte zwar Bridger gutes Geld eingebracht, allerdings wurde durch die immer intensivere Bejagung der Bestand z.B. an Bibern immer geringer, so daß er im Sommer 1839 nach 17 Jahren in den Rocky Mountains erstmals zu seiner Schwester in den Osten zurückkehrte und dort aufgrund seiner langjährigen Lebensgewohnheiten vor dem Haus anstatt in einem der Zimmer übernachtete. In den Folgejahren wurde Jim Bridger mehr zum Händler, z.B. durch die Gründung von Fort Bridger am Westufer des Green Rivers im Jahre 1841, wo er die Pioniere des Oregon Trails ausrüstete.
    Jim Bridger genoß in diesen Jahren bereits ein hohes Ansehen als Pionier und Scout und war auch bei seinen Feinden durchaus gefürchtet. 1843 begann er im Südwesten des heutigen Staates Wyoming mit dem Bau eines zweiten Fort Bridger, das diesen Namen heute noch trägt. Allerdings behagte ihm das statische Leben als "Trader" im Fort nicht allzusehr, so daß er immer wieder zu neuen Jagdzügen in die Wildnis aufbrach, obwohl z.B. die Biberbestände bereits so gut wie ausgerottet waren.
    Im Jahre 1847 heiratete Jim Bridger nach dem Tod seiner Frau Cora, die ihm drei Töchter gebar, eine Indianerin aus dem Stamm der Ute, die drei Jahre später bei der Geburt ihres zweiten Kindes verstarb. Im gleichen Jahr beriet er eher widerwillig Brigham Young und seine Mormonen über eine mögliche Ansiedlung dieser Glaubensgemeinschaft im Großen Becken, eine gegenseitige Antipathie, die in der Folgezeit noch zu einer deutlichen Konfliktverschärfung führen sollte. Bridger nutzte die sich immer mehr verstärkende Westsiedlungsbewegung, um in seinem Fort eine Schmiedewerkstaat einzurichten, die er später zu einer Raststätte für die Trecks ausbaute.
    Vermutlich um 1851 heiratete Bridger zum dritten Mal Mary Washakie, eine Shoshonin, die die Tochter des bedeutenden Häuptlings Washakie war. Zwei Jahre später kam es zum offenen Konflikt mit den Mormonen, da diese Bridger verhaften wollten. Dieser hatte reichlich Alkohol und auch Waffen an die Indianer verkauft, was den Mormonen aus nachvollziehbaren Gründen ein Dorn im Auge war. Jim Bridger floh daraufhin in den Osten und gab sein Fort auf, was zu schwerwiegenden Konsequenzen führte, denn bereits 1857 führte er Armeeeinheiten in das Gebiet der Mormonen, die dort widerrechtlich einen "Staat im Staate" errichtet hatten, und bot Fort Bridger als Nachschubbasis an.
    Als einer der ersten Weißen entdeckte Jim Bridger die Geysire des Yellowstone- Gebiets um 1857, möglicherweise sogar bereits um 1830, da er dieses Gebiet bereits als Jäger durchquert hatte. Auch wies er den Vermessern der Union Pacific Railroad den günstigsten Verlauf der Trasse durch die Rocky Mountains an.
    Seit den späten 1860er Jahren litt Bridger zunehmend an Arthritis, Rheuma und anderen gesundheitlichen Beschwerden. Aus diesem Grund kehrte er 1868 nach Missouri zurück und ließ sich bei seinen Töchtern in Westport nieder. Er starb im Juli 1881 in Washington, Missouri.
    Jim Bridger galt neben seinen anderen Talenten vor allem als begabter Geschichtenerzähler. Insbesondere an langen Winterabenden erzählten sich die Trapper und Fallensteller zahlreiche wahre und weniger wahre Geschichten, die sich zum "Rocky Mountains College" entwickeln sollten. Insbesondere viele der Beschreibungen Bridgers aus dem Yellowstone- Gebiet, die zunächst als Phantastereien abgetan wurden, sollten sich bei späteren Erkundungen als wahr herausstellen. Zwar war er Analphabet, beherrschte aber neben Englisch, Französisch und Spanisch auch drei Indianersprachen.

    www.youtube.com/watch?v=aX2QgRMcyU8

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    Montag, 7. November 2022, 14:24

    The American Corner - Die Subprime- Krise von 2007/08

    Finanzkrisen gehören in kapitalistischen Wirtschaftsordnungen ebenso zum System wie immer wiederkehrende konjunkturelle Schwankungen. Die Krise von 2007/08 reihte sich in eine lange Reihe von fehlgeschlagenen Spekulationen seit der Lockerung der Bankenaufsicht und der Kapitalverkehrskontrollen seit den 70er Jahren ein: die Schuldenkrise Lateinamerikas von 1982, die Sparkassenkrise in den USA von 1986, die japanische Bankenkrise von 1992, die mexikanische Peso- Krise von 1994, die Argentinienkrise von 2000 sowie das Platzen der Dotcom- Blase von 2000 und die Subprime- Krise von 2007/08.
    Der Begriff "Subprime" war zum Zeitpunkt der Krise selbst für große Teile der amerikanischen Bevölkerung neu, denn in den Jahrzehnten zuvor hießen Kredite an Personen, die nur als sehr eingeschränkt kreditwürdig galten, "Belowprime". Gehörte man zu dieser Gruppe unterhalb der Kundschaft mit guter bis zufriedenstellensteller Bonität, dann gab es in der Regel keine Kredite seitens der regulären Geschäftsbanken. Im Falle von Hypothekenkrediten galt diese Regel sogar häufig für ganze "Hoods", die auf den Stadtplänen der Banken rot umrandet wurden ("Redlining") und deren Bewohner keine Hypothekenkredite auf ihre Immobilien aufnehmen konnten. Urplötzlich galt diese Klientel als sog. "Subprime- Kreditnehmer", denen entsprechende Kredite zu oft sehr günstigen Konditionen angeboten wurden.
    Wie kam es zu dieser Bonitätsneueinschätzung ? Finanzanalysten hatten entdeckt, daß, insgesamt gesehen, das Ausfallrisiko von Hypothekendarlehen geringer Bonität nicht übermäßig hoch war. Bündelte man entsprechend viele dieser Kredite zu Investmentpaketen, dann verteilte sich das Risiko eines Zahlungsausfalls deutlich. Fügte man in diese Pakete auch Hypotheken mit guter Bonität hinzu, dann sank das Ausfallrisiko im Rahmen einer Portfolio- Strategie noch weiter. Viele Banken behielten diese Pakete nun nicht in ihren eigenen Tresoren, sondern gründeten Zweckgesellschaften, die mit diesen Paketen als Absicherung Anleihen emittierten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten stieg die Nachfrage nach Finanzkonstrukten dieser Art rasch an, da Investoren nach neuen, lukrativen Anlagemöglichkeiten suchten. Diese galten als relativ sicher, da sich die Immobilienpreise in den meisten Regionen der USA während der letzten Jahrzehnte stetig nach oben entwickelt hatten. Hinzu kam, daß die US- Notenbank FED die Leitzinsen sukzessive bis auf ein Prozent senkte, sodaß die Aufnahme von Hypothekendarlehen sowohl für besserverdienende Haushalte als auch für Subprime- Schuldner besonders attraktiv wurde und ein regelrechter Hausbauboom in den USA ausgelöst wurde. Wie fast immer im Verlaufe eines Booms kamen jedoch am Ende auch betrügerische Elemente hinzu. Subprime- Kreditnehmer wurden mit besonders niedrigen Anfangszinsen gelockt und bewußt über die späteren Zinsaufschläge getäuscht. Allein in den Jahren 2005 und 2006 sollen US- Finanzdienstleister über 3.200 Milliarden Dollar (!) an Hypothekendarlehen ausgegeben haben, davon rund 20 Prozent an Kunden mit geringerer Bonität.
    Der darauffolgende Kriseneinbruch kam durchaus nicht überraschend. Namhafte Ökonomen wie Paul Krugman hatten bereits mehrfach davor gewarnt, doch selbst nach den ersten Anzeichen einer bevorstehenden Krise erhöhte sich noch der Verkauf von Subprime- Hypotheken. Besonders in die Kritik geriet der damalige Notenbankchef Alan Greenspan, der noch im Jahre 2004 das Entstehen einer Immobilienblase rundweg abgestritten hatte. Hintergrund war, daß Greenspan im Wahljahr 2004 die Wiederwahl seines Parteifreundes George W. Bush nicht gefährden wollte und die Finanzaufsicht zu einem eher laxen Umgang mit diesen Finanzprodukten anhielt, die zudem immer komplexere Formen annahmen.
    Wie zu erwarten, begann der Ausbruch der Krise mit der Verlangsamung der Immobilienpreisentwicklung und vor allem mit dem Zinsanstieg, der dazu führte, daß die Zahl der Kreditausfälle deutlich anstieg und selbst spezialisierte Investmentfonds in Zahlungsschwierigkeiten gerieten. Zwar funktionierte das Prinzip der Risikostreuung anfangs, so daß die Hypothekenausfälle zunnächst weniger die Banken, sondern die Käufer der Fondsanleihen betraf. Nicht auf der Rechnung war jedoch die nun auftretende Zurückhaltung der Banken, sich untereinander Geld zu leihen, so daß sich die Zinssätze auch für solvente Kreditnehmer deutlich erhöhten. Unter den Geschäftsbanken entstand so eine Atmosphäre des gegenseitigen Mißtrauens, das durch die unerwarteten Millardenverluste bei Investmenthäusern wie Bear Stearns im Sommer 2007 noch zusätzlich angeheizt wurde, so daß die Liquidität im gesamten Finanzsystem deutlich reduziert wurde.
    Als Konsequenz daraus senkte die amerikanische Federal Reserve zweimal die Leitzinsen im Laufe des Jahre 2007, um die Konjunktur nicht vollends abzuwürgen. Auch wurde im Dezember des gleichen Jahres den Banken erlaubt, auch Hypothekenanleihen als Kreditsicherheiten zu akzeptieren, was dazu führen könnte, daß sich die Akteure am Finanzmarkt zukünftig noch riskanter verhalten. Eine mangelnde staatliche Aufsicht insbesondere der Hypothekenmakler trug wesentlich zur Ausweitung der Subprime- Krise bei. Doch trotz Paul Krugmans Skandalisierung dieser Mißstände als "Marktexperiment am lebenden Körper" waren konkrete Regulierungsmaßnahmen weiterhin nicht erkennbar. Allein im Oktober 2007 wurden auf dem amerikanischen Immobilienmarkt über 200.000 Zwangsversteigerungen eingeleitet, und es stellte sich heraus, daß Subprime- Hypothekendarlehen fünfmal mehr in schwarzen als in weißen Wohngegenden verkauft wurden, entsprechend häufiger waren schwarze Hauseigentümer betroffen.
    Die Subprime- Krise zeigte sich auch bei europäischen Investoren wie der Stadt Narvik in Norwegen oder der deutschen IKB Industriekreditbank, die sich von den vermeintlich guten Renditen der Subprime- Hypothekenanleihen in riskante Investments locken ließen. Der hohe Anteil der von den Kreditausfällen betroffenen europäischen Banken läßt sich vor allem dadurch erklären, daß diese später als die Amerikaner in dieses Geschäft einstiegen, sich dort schlechter auskannten und höhere Risiken eingehen mußten, um entsprechende Marktanteile für sich gewinnen zu können.
    Insgesamt gesehen, waren 2007/08 die Möglichkeiten eines Krisenmanagements noch lange nicht am Ende. Ein Skandal blieb dennoch, daß die eigentlichen Krisenauslöser von 2007 aus Systemerhaltungsgründen weitgehend geschont wurden.
    Informativer und empfehlenswerter Spielfilm zum Thema: Margin Call von 2011, s. Link !

    www.youtube.com/watch?v=jBzE7IxrwbI
    www.youtube.com/watch?v=HxWkfqXpLgI

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    Dienstag, 8. November 2022, 13:57

    The American Corner - Der Oregon Trail

    Viele Nostalgiker insbesondere der 68er Generation träumen noch heute von der "Route 66", dem in zahlreichen Songs thematisierten Highway von Chicago nach San Francisco. Historisch wesentlich interessanter und bedeutungsvoller ist dagegen der legendäre "Oregon Trail", auf dem europäische Einwanderer Mitte des 19. Jahrhunderts zu den fruchtbaren Ackerböden Oregons oder zu den Goldfeldern Kaliforniens gezogen sind und auf diese Weise zumindest einen Teil des amerikanischen Westens kolonisiert haben.
    Der Oregon Trail begann am Ufer des Missouri bei Independence, wo sich die aus dem Osten angereisten Pioniere ausrüsten und verproviantieren konnten, schlängelte sich zunächst nordwärts den Missouri entlang bis nach Omaha, zweigte dort westwärts ab und führte auf der Ebene des Platte River- Tals zum niedrigsten Übergang über die Rocky Mountains, dem 2300 Meter über Normalnull gelegenen South Pass, wonach er sich in verschiedene Richtungen aufteilte. Entlang dieses Trails entstanden allmählich eine Reihe von Handelsposten und Forts, die sich Verlauf der Folgejahrzehnte zu Dörfern und Städten weiterentwickelten.
    Rund eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder beschritten zwischen 1841 und 1866 diesen Weg, von denen ca. zehn Prozent ihr Ziel niemals erreichen sollten. Somit dürfte es sich bei dieser freiwilligen Wanderungsbewegung nicht nur um die größte in der amerikanischen Geschichte, sondern vielleicht sogar um die größte weltweit gehandelt haben. Auf den typischen Conestoga- Wagen, die mit einer Plane bedeckt waren und oft nicht von Pferden oder Maultieren, sondern von Ochsen gezogen wurden, führten die Pioniere Proviant, Decken, Kleider, Werkzeuge und gelegentlich sogar ganze Möbelstücke bis hin zu schweren Klavieren mit. Häufig waren diesen Lasten viel zu schwer, so daß manches Zugtier erschöpft zusammenbrach und getötet werden mußte. Ein Augenzeuge berichtete, daß man keine Karten gebraucht hätte, um den Weg zu finden, sondern man sei einfach den verwesenden Tierkadavern gefolgt.
    Die Reise auf dem Oregon- Trail, die meist im Frühjahr begann, galt als äußerst beschwerlich, da der Weg in den Westen ca. 2500 bis 3500 Kilometer lang war und rund 100 bis 150 Tage dauerte. Flüsse mußten durchquert und steinige Pässe überquert werden. Zu kämpfen hatten die Pioniere mit den Unbilden der Witterung wie Trockenheit, Staub, Heuschreckenschwärmen, Wolkenbrüchen, Tornados, Schneestürmen sowie mit zahlreichen Krankheiten, darunter vor allem Typhus, Cholera, Brucellose, Skorbut, Tuberkulose und Pocken. Ein rundes Zehntel der Auswanderer starb während der Reise an Erschöpfung, Krankheiten oder Unfällen. Die meisten Toten forderte die Route westlich von Fort Laramie, während die erste Hälfte des Oregon Trails als deutlich ungefährlicher galt. Auch die Ernährung gestaltete sich äußerst eintönig; gegessen wurde außer Brot, Bohnen und Speck nur gelegentlich etwas Bisonfleisch, so daß Mangelkrankheiten wie Skorbut zwangsläufig auftreten mußten.
    Auch den Augen bot sich während der ersten tausend Kilometer nichts als das eintönige Bild von Prärie und Steppe. Frühe Expeditionsberichte beschrieben die "Great Plains" noch als absolut ungeeignet für eine Besiedlung, während gleichzeitig seit ca. 1818 euphorische Berichte von Missionaren aus Oregon eintrafen, die den pazifischen Nordwesten als sehr fruchtbar und als klimatisch angenehm beschrieben.
    Abwechslung für die Augen brachten erst bei Scott´s Bluff einige isoliert emporragende Erosionsgebilde, insbesondere der weit sichtbare Chimney Rock, eine schlanke Sandsteinsäule, die wie ein warnender Finger 150 Meter emporragte.
    Im Jahre 1841 reiste die erste Siedlergruppe noch ohne begleitende Scouts nach Oregon, von denen rund zehn Prozent noch vor Erreichen des Ziels vorzeitig wieder umkehrten. Zahlreiche Trecks folgten, und in Oregon und Kalifornien wurden die Neuankömmlinge oft von früheren Siedlern unterstützt, indem ihnen für die ersten Monate Unterkünfte und Proviant angeboten wurde. In Kalifornien tat sich in dieser Hinsicht besonders John Sutter mit seinem Fort Sutter hervor, der in Not geratene Pioniere großzügig unterstützte. Die Route wurde im Verlauf der Folgejahre ständig verbessert, z.B. durch die Anlage von Armeeposten entlang des Oregon Trails, so durch Fort Kearny, Fort Laramie und Fort Hall, in denen nicht nur Schutz gewährt, sondern auch Proviant und Ersatzteile angeboten wurden. Bereits in den 1850er Jahren waren 90 Prozent der amerikanischen Armee in den 79 Armeeposten westlich des Mississippi stationiert.
    Als besonders beschwerlich erwies sich der Trail für die Mormonen, die im Mississippi- Tal von Andersgläubigen drangsaliert wurden und 1847 mit einer ersten Gruppe unter ihrem Führer Brigham Young den Oregon Trail entlang bis zum Großen Salzsee wanderten und dort Salt Lake City gründeten. 47000 Neusiedler folgten ihnen zwischen 1847 und 1860, in der Hoffnung, dort ihr "Neues Jerusalem" zu finden. Da vielen das Geld zum Kauf eines Ochsenwagens fehlte, schleppten sie ihre Habseligkeiten oft auf Handkarren mit.
    Zur Legendenbildung und nachträglichen Heroisierung der ohnehin überragenden Leistungen vieler Pioniere wurde in zahlreichen Western immer wieder dargestellt, wie feindselige Indianer die Trecks auf ihrer Suche nach Beute angriffen. Die historische Wahrheit war etwas differenzierter. Zwar gab es durchaus kriegerische und feindselige Stämme, jedoch auch Kooperationen, indem die Indianer die Pioniere mit Lebensmitteln wie z.B. Bisonfleisch versorgten und ihnen die günstigsten Durchquerungsmöglichkeiten anzeigten. Erst als die Situation sich zur massiven Verdrängung der Ureinwohner und zum Landraub hin entwickelte, nahmen die kriegerischen Auseinandersetzungen deutlich zu. Einige Stämme wie die der Sauk, Fox, Pawnee und Sioux verlangten eine Art Transfergebühr, versuchten sich in Handelsgeschäften und traten selbst als "Kaufinteressenten" für Siedlerfrauen auf. Insgesamt gesehen, waren Diebstähle von Sachgütern durch Indianer im Umfeld des Oregon Trail ein weitaus größeres Problem als die Bedrohung des Lebens der Siedler.
    Die amerikanische Presse unter dem damals einflußreichen Horace Greeley stand der Westmigration in den frühen 1840er Jahren zunächst eher ablehnend gegenüber, da im Osten zu dieser Zeit noch ausreichend fruchtbares Land zur Verfügung stand, das allerdings damals bereits seinen Preis hatte. Wenige Jahre später wich die Skepsis jedoch bereits einer euphorischen Stimmung, während der die Westpioniere als Helden gepriesen wurden und die Gefahren der langen und beschwerlichen Reise zunehmend verharmlost wurden. Erst in den 1850er Jahren wichen diese beiden Extreme einer insgesamt realistischeren Einschätzung der Chancen und Möglichkeiten einer Reise in den Westen.
    Der Oregon Trail war bei weitem nicht die einzige Verbindung für Siedler in den Westen. Zwischen 1849 und 1860 reisten rund zwei Drittel der Pioniere auf anderen Routen wie dem Santa Fé Trail, dem Gila Trail, dem Old Spanish Trail oder direkt auf dem Seeweg über Nicaragua und Panama, der jedoch zumindest in den Anfangsjahren deutlich kostspieliger war.
    Die Zeit der Trecks mit Conestoga Wagons über den Oregon und California Trail kam schlagartig zu einem Ende, als im Jahre 1869 die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung fertiggestellt wurde und die Reise in den Westen dadurch wesentlich komfortabler wurde.

    www.youtube.com/watch?v=h3k3BpuCVYc

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    Mittwoch, 9. November 2022, 13:52

    The American Corner - Der Chisholm Trail

    Viele der uns heute noch bekannten Western drehten sich um die verwegenen "Cow Punchers", die sich mit einigen Höhen und Tiefen bis zum heutigen Tag in den Weiten der nordamerikanischen Prärie um die Rinderzucht bemühen. Dieser Berufsstand sorgte dafür, daß sich der "Mythos des Cowboys" innerhalb eines relativ kurzen Zeitrahmens weltweit verbreiten konnte. Von den 1860er bis in die 1880er Jahre trieben Rinderzüchter und ihre Arbeitskräfte etwa zwanzig Millionen Stück Vieh aus Texas auf den sogenannten "Cattle Drives" in den bevölkerungsreichen Norden. Bereits im Jahre 2017 feierte mit dem "Chisholm Trail" einer der bekanntesten Viehtriebe seinen 150. Geburtstag.
    Einst führte der "Chisholm Trail" mitten durch das Herzland des Mittleren Westen der USA. Zu seiner Blütezeit zwischen 1867 und 1889 wurde er sogar als eines der "Wunder der westlichen Welt" bezeichnet. Seinen Namen verdankt dieser Trail dem Rancher und Trader Jesse Chisholm, einem Cherokee- Halbblut, und seinem Freund, dem Delaware- Indianer Black Beaver; sie hatten zwar den Weg erkundet und publik gemacht, jedoch nie selbst wirtschaftlich genutzt.
    Als im Jahre 1867 die Kansas- Pacific Railroad den Ort Abilene/ Kansas erreicht hatte, ließ der Viehhändler Joseph McCoy dort die sogenannten "Stockyards", Verladestationen, einrichten. Schließlich war die Nachfrage nach günstigem Rindfleisch im Osten des Landes stark gestiegen, und zugleich hatten sich während des Amerikanischen Bürgerkriegs die sich selbst überlassenen Rinder in Texas unkontrolliert vermehrt. Denn Texas gehörte während des Kriegs zur Konföderation und konnte daher nicht in den Osten liefern, so daß die Preise für texanisches Rindfleisch stark verfielen und der Verkauf von Rindern zunächst unwirtschaftlich wurde.
    McCoy überzeugte nun Viehzüchter in Texas, ihre Herden zu seinen Stockyards zu treiben und überredete gleichzeitig Händler aus dem Osten, das Vieh gleich vor Ort in Abilene als Verladestation zu kaufen. Diese Geschäftsidee erwies sich als äußerst erfolgreich, denn am Ende wurden über vier Millionen Rinder über den Chisholm Trail nordwärts getrieben.
    Einst erstreckte sich der Chisholm Trail über 1300 Kilometer (800 Meilen) von Südtexas über Fort Worth und weiter durch Oklahoma bis hinauf nach Kansas. Zwischen 1867 und 1871 endeten die Viehtriebe zunächst in Abilene, in den Folgejahren in Newton und Wichita. Eine Nebenroute, der "Cimarron Cutoff", folgte dem Nordufer des Cimarron River; auf ihm wurden die Rinderherden bis Dodge City getrieben. In der Spätphase zwischen 1883 und 1887 bildete Caldwell/ Kansas den Endpunkt der Viehtriebe, das sich so zur letzten "Cowtown" des Chisholm Trails entwickelte.
    Die getriebenen Rinderherden waren unterschiedlich groß, im Allgemeinen lag die wirtschaftliche Durchschnittsgröße bei etwa 2500 bis 3000 Stück Vieh. Insbesondere größere Rancher vertrauten ihre Herden einem "Trailboss" an, der wiederum 10 bis 15 Cowboys, einen "Wrangler", der für die Pferde verantwortlich war, sowie einen Koch an. Letzterer betreute den Versorgungs- und Küchenwagen und verpflegte die Cowboys oft mehr schlecht als recht.
    In den Jahren nach 1881 ging die Zahl der Viehtriebe auf dem Chisholm Trail, bedingt durch den schnell fortschreitenden Ausbau des Eisenbahnnnetzes, allmählich zurück, und die Route geriet allmählich in Vergessenheit. Erst in den 1990er Jahren war es Robert Klemme aus Enid/ Oklahoma, der die Aufmerksamkeit wieder auf den alten Viehpfad lenkte. Er ließ 400 Markierungssteine entlang der Route durch Oklahoma setzen, so daß Reisende und Geschichtsinteressierte heute dem historischen Chisholm Trail mühelos auf dem US Highway 81 quer durch Texas und Oklahoma bis nach Kansas folgen können. Zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Route in Oklahoma und Kansas gehört das "Chisholm Trail Heritage Center" in Duncan/ Oklahoma, das sich höchst anschaulich mit der Geschichte des Viehtriebs in dieser Region befaßt. Während das "National Cowboy & Western Heritage Museum" in Oklahoma City den Mythos des Cowboys sowie den Wilden Westen im Allgemeinen zum Thema hat, werden im "Old Cowtown" in Wichita/ Kansas und während des "Dodge City Days" im berühmten Dodge City/ Kansas die Viehtreiber der damaligen Zeit selbst gewürdigt und die alten Zeiten zu neuem Leben erweckt.

    www.youtube.com/watch?v=06P-ERCA17M

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    Donnerstag, 10. November 2022, 12:40

    The American Corner - Die Reconstruction 1863 bis 1877

    Im Verlauf des Amerikanischen Bürgerkrieges waren sich die führenden politischen Kreise der Nordstaaten darüber einig, daß nicht nur ein endgültiger militärischer Sieg über die Staaten der Konföderation erzielt werden sollte, sondern auch das politische Konstrukt "Konföderierte Staaten von Amerika" zerschlagen sowie jegliche Form der Sklaverei aufgehoben werden sollte. Allerdings war der Weg, der in diese Richtung eingeschlagen werde sollte, unter Politikern der Union sehr umstritten.
    Die sogenannte "Reconstruction" begann schon im Bürgerkrieg und endete formal im Jahre 1877. Abraham Lincoln, der einen Kurs der Versöhnung einschlagen wollte, hatte bereits im Dezember 1863 eine Amnestie und den Wiederaufbau der vom Krieg besonders schwer betroffenen Südstaatengebiete eingefordert. Radikale Republikaner hingegen wollten den Süden auf unbestimmte Zeit von der politischen Teilnahme an der Union ausschließen und durch wirtschaftliche Ausbeutung Reparationsleistungen erzwingen, so wie dies die Alliierten tatsächlich im Deutschen Reich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs umsetzten.
    Nach dem Kriegsende im Jahre 1865 ging es zunächst vorrangig um die Frage, inwiefern die ehemaligen Konföderierten Staaten wieder in das politische System der Union einzugliedern seien. Daneben ging es um den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Integration der nun befreiten afroamerikanischen Sklaven in die amerikanische Gesellschaft.
    Im März 1865 wurde durch ein Kongreßgesetz das "Freedmen´s Bureau" aufgestellt, das dem Kriegsministerium unterstand und für "herrenlose Ländereien" und ebenso für alle Angelegenheiten der teils flüchtigen und nun befreiten Sklaven zuständig sein sollte. Herrenlose oder staatliche Ländereien sollten an Flüchtlinge oder ehemalige Sklaven vergeben werden, um ihnen damit ein Auskommen zu sichern. Ein engagiertes Unterfangen, das durch zunehmende Budget- und Personalkürzungen bis zu seiner Auflösung im Jahre 1872 jedoch weitgehend im Sande verlief.
    Eine der zentralen Umsetzungen der Reconstruction war das Ablegen eines Eids auf die Treue zur Union, den Südstaatler leisten mußten, sofern sie entsprechende Ämter besetzen wollten. Ursprünglich ging die Forderung radikaler Republikaner dahingehend, daß Südstaatler schwören sollten, nie in der Konföderierten Armee gedient zu haben oder die Ziele der Südstaaten unterstützt zu haben. Diese Forderung setzte sich jedoch nicht durch, da ansonsten der gesamten Oberschicht des Südens der Zugang zu politischen Ämtern weitgehend verwehrt geblieben wäre.
    Die nachhaltigste Wirkung entfalteten der 13. bis 15. Verfassungszusatz, bisweilen auch als "Reconstruction Amendments" bezeichnet. Der 13. Zusatzartikel hob die Sklaverei ersatzlos auf, der 14. Zusatzartikel erweiterte den Schutz amerikanischer Staatsbürger auf alle Rassen, und das 15. Amendment schaffte Rassenbeschränkungen bei den Wahlen ersatzlos ab.
    Im März 1867 erließ der Kongreß das die die Südstaaten betreffende "Rekonstruktionsgestz" gegen das Veto des damaligen Präsidenten Andrew Johnson. Kernpunkt dieses Gesetzes war, die Regierungsmitglieder der Konföderierten Einzelstaaten durch Anhänger der Union zu ersetzen und die Rechte der befreiten Schwarzen wirkungsvoll durchzusetzen. Die noch bestehenden Südstaatenregierungen wurden abgesetzt und durch Militärgouverneure ersetzt. Auch wurden alle konföderierten Einzelstaaten mit Ausnahme von Tennessee, das bereits wieder Mitglied der Union war, in fünf Wehrbereiche unter Militärgouverneuren eingeteilt: 1. Virginia, 2. North & South Carolina, 3. Georgia/ Alabama/ Florida, 4. Mississippi/ Arkansas sowie 5. Texas/ Louisiana. Die Militärgouverneure dieser Bezirke fungierten in dieser Phase der Reconstruction quasi als beinahe unumschränkte Machthaber, die u.a. tausende von Beamten, die der Konföderation gedient hatten, aus der Verwaltung entfernten, den Staaten neue Verfassungen oktroyierten und neue Parlamente einsetzten. Vereinzelte ausbrechende Unruhen wurden von Miltäreinheiten umgehend niedergeschlagen.
    Die Phase der Reconstruction endete in den einzelnen Südstaaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Als letzte stimmten Florida, South Carolina und Louisiana dem "Kompromiß von 1877" zu, die die Präsidentschaft von Rutherford B. Hayes trotz eines umstrittenen Wahlausgangs anerkannten, wenn alle Unionstruppen die Territorien dieser Staaten verließen. Als erster Staat der ehemaligen Konföderation trat 1866 Tennessee wieder der Union bei, es folgten Arkansas (1868 ), Florida (1868 ), North Carolina (1868 ), South Carolina (1868 ), Louisiana (1868 ), Alabama (1868 ), Virginia (1870), Mississippi (1870), Texas (1870) und Georgia (1870).

    www.youtube.com/watch?v=VkM5Wyk2BGA
    www.youtube.com/watch?v=TuOJ-smHiW8

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    Freitag, 11. November 2022, 13:17

    The American Corner - Der passionierte Richter - William Howard Taft

    Der 27. Präsident der Vereinigten Staaten, William Howard Taft (1857- 1930) , gilt im Bewußtsein großer Teile der amerikanischen Bevölkerung eher als einer der "vergessenen Präsidenten". Dennoch stellt er insofern eine Besonderheit dar, als er nach seiner Amtszeit als Präsident (1909- 1913) seine Karriere zwischen 1921 und 1930 noch als oberster Richter des Supreme Court fortsetzte. Somit ist er der bisher einzige Politiker, der diese beiden Ämter bekleidet hat.
    Geboren wurde William Howard Taft im Jahre 1857 in Cincinatti/ Ohio. Sein Vater war durchaus nicht irgendwer, sondern arbeitete als Richter, Botschafter, Staatsanwalt und Kriegsminister unter Präsident Ulysses S. Grant.
    Nach dem Besuch der Woodward High School in Cincinatti wechselte er zum Yale College und profilierte sich dort u.a. zum Schwergewichtsmeister im Wrestling. Nachdem er 1878 als Zweitbester seines Jahrgangs das College absolviert hatte., wechselte er zwecks Jurastudiums auf die Cincinatti Law School und absolvierte bereits nach kurzer Zeit die Zulassungsprüfung als Anwalt.
    Um 1880 lernte Taft seine spätere Ehefrau Helen Herron (1861- 1953) kennen, die er im Jahre 1886 heiratete. Das Paar ließ sich in Cincinatti nieder, und Tafts Ehefrau unterstützte ihren Mann tatkräftig in seiner beruflichen und politischen Karriere. Helen Taft verstand sich stets als Kosmopolitin und war bemüht, enge diplomatische Beziehungen zu anderen Nationen aufzubauen und zu vertiefen. Das Paar hatte drei Kinder.
    Nach seiner Anwaltszulassung arbeitete Taft zunächst als Staatsanwaltsgehilfe und stieg bis zum Jahre 1887 zum obersten Richter des Bundesstaates Ohio auf. Bereits zwei Jahre später bewarb er sich im Alter von nur 32 Jahren um einen Sitz im Supreme Court. Laut späteren Bekundungen war diese Position von Anfang an das Ziel seiner Karrierebestrebungen gewesen. Stattdessen wurde er zunächst zum Generalstaatsanwalt ernannt und gewann in dieser Position fast sämliche seiner Verfahren. Dennoch zog er sich im Jahre 1892 aus diesem Amt zurück und wechselte in das Amt eines Bundesrichters, in der Hoffnung, auf diesem Weg langfristig einen Sitz im Supreme Court zu erhalten.
    Gleichzeitig berief ihn die Cincinatti Law School zum Professor für Vermögensrecht. Zwar verhinderte sein Amt als Bundesrichter zunächst eine weitergehende politische Karriere, jedoch blieb William Howard Taft als überzeugter Republikaner weiterhin ein Förderer seiner Partei. Im Jahre 1900 zog er sich auf Bitten von William McKinley aus dem Amt des Bundesrichters zurück, der ihn in diplomatischer Mission auf den Philippinen einsetzen wollte. Taft sagte zu, erbat sich jedoch das Versprechen, ihn für den nächsten freiwerdenden Sitz im Supreme Court vorzuschlagen. Durch seine Mission stieg Taft zum Gouverneur der Philippinen auf, ein Amt, durch das er derart stark eingebunden wurde, daß er das Angebot von Theodore Roosevelt ausschlug, ihn für einen begehrten Sitz im Supreme Court vorzusehen. Stattdessen ernannte ihn der Präsident im Jahre 1903 zum Kriegsminister, und trotz vereinzelter Konflikte zwischen Roosevelt und Taft garantierte der Präsident seinem Kriegsminister im Jahre 1904 die anstehende Präsidentschaftskandidatur. Kolportiert wird, daß Taft von diesen Aussichten weit weniger begeistert war als dessen Ehefrau Helen und seine Parteifreunde. Letztendlich gewann Taft die Wahl und wurde am 4. März 1909 vereidigt. Während seiner vierjährigen Amtszeit versuchte er nicht nur, die Politik Theodore Rossevelts fortzusetzen, sondern betrachtete sich auch als dessen geistigen Nachfolger.
    William Howard Taft engagierte sich während seiner Präsidentschaft insbesondere in der Außenpolitik. Unter seiner Führung waren die Vereinigten Staaten besonders stark in den Angelegenheiten südamerikanischer Staaten involviert, oft sogar gegen deren ausdrücklichen Willen. So unterstützte Taft den mexikanischen Diktator Porfirio Diaz in seinem Kampf um die Regierung des Landes und ermöglichte so einen Bürgerkrieg, der Mexiko zehn Jahre lang erschüttern sollte. Im Jahre 1911 begann ebenfalls die amerikanische Besetzung Nicaraguas aufgrund zunehmender wirtschaftlicher Interessen in diesem Land. Aus ähnlich gelagerten Gründen erfolgte der Versuch einer politischen Annäherung der USA an China, da Briten und Amerikaner in diesem Land um lukrative Bauaufträge für Eisenbahnstrecken konkurrierten. Diese Bemühungen wurden jedoch durch den Ausbruch der chinesischen Revolution im Jahre 1911 zunichte gemacht. Die grundsätzlichen Beziehungen zu den europäischen Mächten blieben während Tafts Amtszeit eher unterkühlt, da sich die Amerikaner zunehmend als bedeutende Wirtschaftskonkurrenz zu Europa verstanden.
    Im Bereich der Rassenfrage wich Taft vom Wege Roosevelts ab und weigerte sich, Afroamerikaner in Bereichen des öffentlichen Dienstes zuzulassen, da er die Entstehung von neuen sich daraus entwickelnden Rassenkonflikten befürchtete. Die Konsequenz war, daß die Taft- Administration insbesondere in den Südstaaten viele afroamerikanische Angestellte aus den Bereichen des öffentlichen Dienstes entfernen ließ. Taft teilte im übrigen die Auffassung des afroamerikanischen Bürgerrechtlers Booker T. Washington, daß Schwarze nur in Ausnahmefällen eine höhere Schulbildung anstreben sollten und eher für einfache Tätigkeiten in Industrie und Landwirtschaft geeignet wären.
    Die immer stärker werdende konservative Linie Tafts sorgte für Kritik innerhalb der Republikaner und für den Bruch mit Roosevelt, der für die Wahl von 1912 einen republikanischen Gegenkandidaten zu Taft aufstellte. Zwar konnte sich dieser innerparteilich durchsetzen, unterlag jedoch in der Präsidentschaftswahl dem Demokraten Woodrow Wilson. Im Anschluß erhielt Taft an der Yale Law School eine Professur für Rechtsgeschichte und wurde 1915 zum Mitbegründer der "League to Enforce Peace", die sich im Zuge des Ersten Weltkriegs als globale Friedensbewegung verstand.
    William Howard Taft hatte indessen nie seine Ambitionen auf einen Sitz im Supreme Court aufgegeben. 1921 erhielt er nun diese Chance als Anerkennung für seine Unterstützung der republikanischen Wahlkampagne von 1920. Bis 1930 übte er dieses Amt aus, bis er dieses aus gesundheitlichen Gründen niederlegen mußte. Nur 33 Tage nach seinem Rückzug aus dem Amt verstarb William Howard Taft in seinem Anwesen in Washington/ D.C.

    www.youtube.com/watch?v=Sfz3cP7J9tk

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    Freitag, 18. November 2022, 14:03

    The American Corner - Der umstrittene Präsident - Woodrow Wilson

    Der 28. Präsident der Vereinigten Staaten (1913- 1921) gilt insbesondere im deutschen Kulturraum als nicht unumstritten, da sein Schlagwort vom "Selbstbestimmungsrecht der Völker" das weitgehend geschlagene Deutsche Reich 1918 zu großen Hoffnungen veranlaßte, die mit dem "Diktat von Versailles" nicht ansatzweise erfüllt wurden. Darüber hinaus ist unter heutigen Historikern der Umstand wohlbekannt, daß Wilson trotz seiner hehren Ideen durchaus nicht als großer Freund des deutschen Volkes galt. Auch dies mag letztendlich zu dem Ergebnis von Versailles geführt haben, das neben der Hyperinflation von 1923 maßgeblich für die Entstehung des nächsten Krieges mitverantwortlich war.
    Woodrow Wilson wurde 1856 in Staunton/ Virginia, geboren und wuchs als eines von vier Kindern auf. Seine Eltern waren britisch- amerikanischer Abstammung und lebten seit 1851 in den Südstaaten, wo sie als Sympathisanten der Konföderation und Befürworter der "Peculiar Institution" galten. Woodrow Wilson´s Vater war Pfarrer der presbyterianischen Kirche, der neben der Ausübung seiner Amtsgeschäfte auch eine Reihe von afroamerikanischen Sklaven besaß.
    Wilson besuchte während seiner Jugend eine Reihe verschiedener Privatschulen und absolvierte im Anschluß ein Studium in Princeton, um danach an der University of Virginia in Charlottesville Jura zu studieren. Während eines Jura- Praktikums entschied er sich jedoch, Lehrer zu werden, und wechselte im Jahre 1883 an die John Hopkins University in Baltimore/ Maryland, um dort Geschichte und Politik zu studieren. Wilson promovierte bereits 1886 als Historiker und lehrte in den darauffolgenden Jahren an einer höheren Mädchenschule. In diesem Zeitrahmen heiratete er seine erste Ehefrau Ellen Wilson (1860- 1914), die während seiner späteren Präsidentschaft bis zu ihrem Tod ein Jahr lang die First Lady im Weißen Haus war. Nach ihrem Ableben heiratete Wilson im Jahre 1915 die verwitwete Edith White Bolling Galt Wilson (1872- 1961).
    1888 wurde er Professor für Geschichte und Volkswirtschaftslehre an der Wesleyan University in Middletown/ Connecticut, und wechselte 1890 nach Princeton/ New Jersey, wo er in den Jahren 1902 bis 1910 als Präsident dieser Einrichtung fungierte.
    Bereits während seiner zunächst auschließlich akademischen Laufbahn entwickelte Wilson ein reges Interesse an politischen Fragen. Während seiner Funktion als Universitätspräsident war er noch ganz Kind seiner Zeit und empfahl Afroamerikanern, sich nicht um universitäre Studienplätze zu bewerben, um den "Rassenfrieden" nicht zu stören. Auch in seinen Büchern und wissenschaftlichen Abhandlungen war er ein dezidierter Befürworter einer scharfen Rassentrennung.
    Woodrow Wilson trat der Demokratischen Partei bei und entschied sich im Jahre 1910 für die Kandidatur zum Gouverneur von New Jersey, einer zu dieser Zeit neben New York und Pennsylvania ungemein aufstrebenden Industrieregion mit hohem Steueraufkommen. Mit einem relativ knappen Vorsprung von fünfzigtausend Stimmen gewann Wilson die Gouverneurswahlen gegen seinen Mitbewerber Vivian M. Lewis.
    Wilson galt von jeher als politischer Quereinsteiger, was bei vielen seiner Wähler gut ankam, da er versprach, unabhängig vom Parteifilz und den parteiinternen Machtkämpfen zu regieren. Diese Versprechen hielt er auch während seiner Gouverneurszeit weitgehend ein und trieb eine Reihe von Reformen in New Jersey voran, was indessen bei der demokratischen Parteiführung nicht immer gut ankam. Seine Beliebtheit bei den Wählern war hingegen unumstritten, so daß er ins Gespräch für die kommende Präsidentschaftskandidatur kam.
    Tatsächlich wurde Wilson von den Demokraten im Jahre 1912 nominiert und profitierte während der Präsidentschaftswahl insbesondere von der politischen Spaltung der Republikaner unter Willam Howard Taft und Theodore Roosevelt. Mit einem Stimmenanteil von 41,8 % gewann er diese deutlich und ließ seine republikanischen Gegner deutlich hinter sich. Tragisch bleibt, daß er in seiner späten Amtszeit im Jahre 1919 einen Schlaganfall erlitt, der ihn halbseitig lähmte und der ihn mit Hilfe seiner zweiten Frau seine Amtsgeschäfte bis 1921 fortführen ließ.
    Bekannt wurde Wilson während seiner Präsidentschaft u.a. dafür, bei der Vergabe von politischen Ämtern weißen Abgeordneten aus den Südstaaten den Vorzug zu geben. Auch unterstützte er die Südstaaten dabei, das vorhandene Wahlrecht beizubehalten, das Afroamerikanern deutliche Nachteile einräumte. Auch in sämtlichen Bundesbehörden und dem Militär ließ Woodrow Wilson erstmals seit dem Ende des Bürgerkriegs erneut eine strikte Rassentrennung einführen. Die Mehrzahl der schwarzen Funktionsträger in höheren Positionen wurde entlassen sowie Trennwände in Büros und separate Toiletten eingeführt. Bekannt wurde Wilson auch dafür, während seiner Kabinettssitzungen Witze in Form von "darky stories" (Witze über Afroamerikaner) zu erzählen. Linksliberale heutige Historiker bezeichnen Wilson deshalb zwar als einen "gemäßigten Politiker aus den Südstaaten" aber auch als einen der "rassistischsten Präsidenten aller Zeiten", der aus seiner grundsätzlichen Haltung gegenüber Afroamerikanern keinen Hehl machte.
    In Wilsons Amtszeit fiel die folgenschwere Entscheidung des "Federal Reserve Act" im Dezember 1913, durch die eine amerikanische Zentralbank geschaffen wurde, die aus einem Bankenkartell von zwölf Privatbanken bestand. Dieses Kartell wird heute umgangssprachlich als "Fed" bezeichnet und wurde seit ihrer Gründung teilweise scharf kritisiert, da es die Geldversorgung des größten Landes der westlichen Hemisphäre in die Hände privater Großbankiers legte.
    Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, setzte Wilson zunächst auf eine Politik der strikten amerikanischen Neutralität, womit er breite Wählerkreise für sich gewinnen konnte und ihm 1916 die Wiederwahl in das Präsidentenamt gelang. Nachdem sich, bedingt vor allem durch die deutsche Seekriegsführung des uneingeschränkten U- Bootkriegs, die öffentliche Meinung zum Kriegsgeschehen in Europa allmählich änderte, griffen die USA im April 1917 militärisch in den Ersten Weltkrieg ein. Dies führte in diesem Jahr zu einer bis dahin nicht gekannten Deutschenfeindlichkeit mit zahlreichen Ausschreitungen und einigen Progromen mit Toten und Verletzten. Geschuldet war dies vor allem Teilen der amerikanischen Presse, die ihre Landsleute "moralisch" auf den Kriegseintritt vorbereiten wollte. Nach der Vereinbarung eines Waffenstillstands zwischen den Mittelmächten und den Alliierten handelte Wilson im "Rat der Vier" den Versailler Vertrag aus. Mittelpunkt des auszuhandelnden Friedensvertrages sollte sein "14- Punkte- Programm" sein. Dieses enthielt vor allem die folgenden Punkte:
    - Nationales Selbstbestimmungsrecht der Völker
    - Öffentliche Friedensverträge ohne geheime Vereinbarungen
    - Freiheit der Schiffahrt in internationalen Gewässern
    - Beseitigung wirtschaftlicher Schranken und Herstellung von Handelsfreiheit
    - Abrüstung auf das niedrigste Niveau
    - Räumung von Rußland, Belgien und Frankreich
    - Gründung eines Nationenverbunds (Völkerbund)
    Wilson konnte diese Punkte jedoch nur teilweise und in vielen entscheidenden Fragen überhaupt nicht durchsetzen. Auch lehnte der US- Kongreß den Beitritt zum Völkerbund ab, so daß sich die Vereinigten Staaten nach 1919 politisch wieder weitgehend aus Europa zurückzogen.
    Woodrow Wilsons Verhältnis zum Deutschen Reich war einem ausgesprochenem Wandel unterworfen. Zwar galt er als Bewunderer der politischen Leistung Otto von Bismarcks und bestritt noch 1914 eine Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Im Laufe der Kriegsjahre veränderte sich jedoch zunehmend seine Haltung, indem er nach Kriegsende auch die deutsche Zivilbevölkerung "bestrafen" wollte ("disciplining Germany") . Während der Abfassung des Vertrags von Versailles äußerte er gegenüber dem britischen Premierminister, "daß er Deutschland schon immer verabscheut habe".
    Im Jahre 1919 erhielt Woodrow Wilson den Friedensnobelpreis für seine Verdienste am Ende des Ersten Weltkriegs und für die Gründung des Völkerbunds. Noch heute existieren in Amerika zahlreiche Bauwerke und Plätze, die nach ihm benannt sind. Zudem befindet sich sein Bild auf der 100.000 $- Banknote, die allerdings nie in Umlauf gesetzt wurde. In den letzten Jahren nahmen jedoch die Proteste gegen diverse Namensgebungen z.B. von Schulen zu, da insbesondere afroamerikanische Studenten teils äußerst militant gegen die aus heutiger Sicht rassistische Grundhaltung des ehemaligen Präsidenten protestieren wollen.
    Woodrow Wilson verstarb am 3. Februar 1924 im Woodrow Wilson House in Washington/ D.C.

    www.youtube.com/watch?v=NG8bQVMjv7E

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    Samstag, 19. November 2022, 14:08

    The American Corner - Der kurzlebige Außenseiter - Warren G. Harding

    Der 29. Präsident der Vereinigten Staaten galt aufgrund seines journalistischen Hintergrunds stets als politischer Außenseiter. Bei seinen Anhängern war er aufgrund seiner politischen Grundhaltung und seinen innenpolitischen Leistungen durchaus nicht unbeliebt, wurde aber gleichzeitig zu Beginn der "Roaring Twenties" aufgrund diverser Gerüchte und Skandale landesweit kontrovers diskutiert. Warren G. Harding verstarb überraschend nach nur zwei Jahren Amtszeit und wurde in den Folgejahren, wie andere vorzeitig verstorbene amerikanische Präsidenten auch, als "politischer Märtyrer" verehrt.
    Der im Jahre 1865 in Blooming Grove/ Ohio, geborene Warren G. Harding war das älteste von acht Kindern. Sein Vater, Dr. George Tryon Harding (1843- 1928 ), war zunächst Farmer und unterrichtete an einer Schule in der Nähe von Mount Gilead/ Ohio, bevor er schließlich Arzt wurde. Hardings Mutter, Phoebe Elizabeth Dickerson Harding (1843- 1910), war zunächst Hebamme und arbeitete später ebenfalls als Ärztin. Im Jahre 1870 zog die Familie nach Caledonia/ Ohio, wo der Vater die lokale Wochenzeitung "The Argus" kaufte. Dadurch lernte Sohn Warren bereits im Alter von elf Jahren die Grundlagen des Zeitungsgeschäfts kennen. Nur wenige Jahre später schrieb er sich am Ohio Central College in Iberia ein und arbeitete in dieser Zeit gleichzeitig für die Zeitschrift "Union Register". In seinem letzten Collegejahr veröffentlichte Harding dort eine kleine Zeitung, den "Iberia Spectator", und zog 1882 nach seinem Abschluß nach Marion, einer kleinen Stadt im ländlichen Ohio, wo er einen Großteil seines Lebens verbrachte.
    In den Folgejahren versuchte sich Warren G. Harding kurzzeitig als Lehrer und Versicherungsvertreter, begann auch ein Jurastudium, das er jedoch wieder abbrach. Gemeinsam mit zwei Freunden sammelte er dreihundert Dollar und kaufte die kurz vor dem Bankrott stehende Tageszeitung "The Marion Daily Star". Da seine politischen Ansichten als Republikaner nicht zur dominierenden Lokalpolitik in Marion paßten, blieb der große verlegerische Erfolg zunächst aus. Durch seine Zeitung erhielt Harding jedoch Zugang zu einer kostenlosen Zugfahrkarte und nutzte diese, um 1884 an der Republican National Convention in Chicago teilzunehmen. Dort mischte er sich unter eine Gruppe namhafter Journalisten und ließ dem damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten James G. Blaine seine Unterstützung zukommen. Als Harding nach Marion zurückkehrte, mußte er feststellen, daß der ansässige Sheriff das Redaktionsgebäude des "The Marion Daily Star" beschlagnahmt hatte, so daß er zunächst eher widerwillig für den "Democratic Mirror" arbeitete, der den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Grover Cleveland unterstützte, der die Wahl auch gewann.
    Mit finanzieller Unterstützung seines Vaters kaufte Harding den "Marion Daily Star" zurück und heiratete im Jahre 1891 Florence Kling (1860- 1924), die Tochter seines größten politischen Widersachers. Gemeinsam mit seiner Frau verwandelte Harding den "Marion Daily Star" in eine erfolgreich wirtschaftende Zeitung. Florence Kling unterstützte ihren Mann auch, als dieser sich aktiv der Politik zuwandte und im Jahre 1899 in den Senat von Ohio gewählt wurde. Einer Amtszeit als Senator von vier Jahren folgten noch zwei weitere Jahre als Vizegouverneur von Ohio. Im Jahre 1905 zog sich Warren G. Harding zunächst aus der Politik zurück. Fünf Jahre später bewarb er sich erneut um das Amt des Gouverneurs von Ohio, jedoch ohne Erfolg, da die Republikaner zu dieser Zeit durch ihre progressiven und konservativen Mitglieder tief gespalten waren.
    Im Jahre 1914 ließ sich Harding schließlich dazu überreden, sich für den Senat der Vereinigten Staaten zur Wahl zu stellen und gewann letztendlich gegen Joseph Foraker.
    Für die Präsidentschaftswahl von 1920 galt Theodore Roosevelt lange als gesetzter Favorit der Republikaner. Als dieser jedoch unerwartet im Januar 1919 verstarb, stellte sich eine neue Reihe an Kandidaten zur Wahl, darunter auch Warren G. Harding. Dieser galt jedoch außerhalb Ohios als weitgehend unbeschriebenes Blatt und daher auch während der Republican National Convention in Chicago eher als Außenseiter. Dennoch erhielt er die Nominierung und wartete mit folgenden Wahlkampfthemen auf:
    - Die Rückkehr zu einer Politik des amerikanischen Isolationismus nach der Verstrickung der USA in den Ersten Weltkrieg,
    - Die Vermeidung von Bundesverpflichtungen,
    - Die Forderungen nach Beschränkungen der Einwanderung, da insbesondere zwischen 1890 und 1920 zahlreiche Einwanderer aus Süd- und Osteuropa in das Land geströmt waren, darunter viele Analphabeten, die als nur bedingt integrationsfähig galten,
    - Die Rückkehr zu einer Politik der amerikanischen Nichteinmischung in internationale Angelegenheiten.
    Dieses Wahlprogramm fand großen Anklang in der Bevölkerung, und Warren G. Harding gewann die Wahl, die gleichzeitig die erste in den USA war, bei der das aktive Frauenwahlrecht angewendet wurde. Harding wurde am 4. März 1921 vor dem Kapitol als 29. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und verzichtete auf die traditionelle Parade. Nach seiner Amtseinführung nahm er zuächst Urlaub, was ungewöhnlich war, und reiste nach Texas und in die Panama- Kanalzone. Erst nach seiner Rückkehr begann er seine eigentlichen Amtsgeschäfte und setzte seine Politik der staatlichen Nichteinmischung in den Bereichen Wirtschaft und Soziales durch. Harding verfocht eine strikte Trennung der staatlichen Gewalten und lehnte eine Einflußnahme durch Bundesbehörden auf die wirtschaftliche Entwicklung ab. 1921 wurde der "Budget and Accounting Act" erlassen, der dem Präsidenten die allgemeine Verantwortung für die Finanzplanung überschrieb. Im gleichen Jahr wurde der Friedensvertrag zwischen den USA und dem Deutschen Reich, Ungarn und Österreich unterzeichnet, womit der Erste Weltkrieg für die USA formal beendet war. Harding wandte sich darüber hinaus vehement gegen das in den ländlichen Teilen der USA damals durchaus noch übliche Lynchen als Form der Bestrafung.
    Hardings Präsidentschaft blieb nicht frei von Skandalen. So nutzte er seine Amtszeit gezielt zur Ämterpatronage für alte Parteifreunde, auch wurde sein Beraterstab in eine Korruptionsäffäre verwickelt, bei der reichlich Bestechungsgelder flossen. Zwar war der Präsident nicht persönlich darin verwickelt, trug andererseits aber auch nicht wesentlich zu deren Aufarbeitung bei.
    Warren G. Harding galt während seiner Karriere als Mann mit zahlreichen außerehelichen Affären und mußte sich zudem seines Schwiegervaters und Widersachers Amos Kling erwehren, der u.a. behauptete, daß Hardings Vorfahren Afroamerikaner seien, eine für die damalige Zeit unglaubliche Aussage, die einer schwerwiegenden Rufmordkampagne gleichkam. Spätere Recherchen ergaben, daß diese Behauptungen jeder Grundlage entbehrten.
    Im Juli 1923 bereiste Harding mit dem Schiff das Alaska- Territorium und fuhr mit dem Zug weiter nach Vancouver, Kanada. Während dieser offiziellen Reise verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erheblich. Am 29. Juli 1923 diagnostizierten die behandelnden Ärzte Herzprobleme und eine Lungenentzündung, verordneten Bettruhe und entsprechende Medikamente. Zunächst schien sich der Zustand des Präsidenten auch zu verbessern, aber schließlich verstarb Warren G. Harding am 2. August 1923 an den Folgen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls. Rund neun Millionen Bürger der USA versammelten sich entlang der Bahnstrecke, als sein Sarg mit dem Zug zurück nach Washington gebracht wurde, wo die Trauerzeromie stattfand. Warren G. Harding wurde schließlich in seinem Heimatort Marion/ Ohio bestattet.

    Sehr empfehlenswerte Doku zum Thema:
    www.youtube.com/watch?v=ChIQzQG_-vw

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    Sonntag, 20. November 2022, 14:40

    The American Corner - Der Präsident der Roaring Twenties - Calvin Coolidge

    Calvin Coolidge (1872- 1933) war der 30. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Zunächst zum Vizepräsidenten unter seinem Vorgänger Warren G. Harding ernannt, übernahm er nach dessen vorzeitigem Tod das Amt des Präsidenten. Der Republikaner verfolgte in seinen beiden Legislaturperioden eine ausgesprochene Politik des wirtschaftlichen "Laissez faire", der Dezentralisierung sowie einen Rückzug der USA aus den Händeln der Weltpolitik.
    Geboren wurde Calvin Coolidge am 4. Juli 1872 in Plymouth Nodge/ Vermont. Sein eigentlicher Vorname lautete John, während sein zweiter Vorname ihm zum Andenken an den Kirchengründer John Calvin verliehen wurde, in dessen Gemeinde er bis an sein Lebensende aktiv sein sollte.
    Calvin Coolidge´s Vater war Farmer und besetzte daneben mehrere öffentliche Ämter, eine Familientradition, die seit der Einwanderung der englischstämmigen Familie in die Neue Welt gepflegt wurde. Coolidge besuchte nach Vollendung seiner Schulzeit das Amherst College und widmete sich dort neben anderem dem Debattieren. Nach seinem Hochschulabschluß im Jahre 1895 folgte ein Umzug nach Northhampton, da ihn sein Vater zu einer Karriere als Anwalt drängte. Coolidge vermied aus Kostengründen, eine der klassischen "Law Schools" zu besuchen und begab sich stattdessen in die Ausbildung bei einer ortsansässigen Kanzlei. Im Jahre 1897 erhielt Calvin Coolidge seine Erstzulassung als Anwalt und eröffnete ein Jahr später seine eigene Kanzlei.
    Seine Ehefrau Grace Anna Goodhue (1879- 1957) lernte Coolidge ebenfalls in Northhampton kennen. Zwar war sie zu diesem Zeitpunkt bereits verlobt, löste diese Verbindung jedoch wieder auf, nachdem sie Coolidge kennengelernt hatte. In ihrem extrovertiert- charmanten Auftreten bildete sie einen Gegenpart zu dem eher reserviert und kühl wirkenden Coolidge. Gemeinsam ließen sie sich in Northhampton nieder und verbrachten dort ihre Jahre bis 1930; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.
    In seiner neuen Heimat versuchte sich Coolidge ab 1896 mehrfach in der großen Politik. Der erste große Sprung gelang ihm im Jahre 1906 mit der Wahl in das Repräsentantenhaus des Bundesstaats Massachusetts. Er galt als progressiver Politiker, der sich unter anderem für die Zulassung des Frauenwahlrechtes einsetzte. Diese Haltung ermöglichte ihm letztendlich auch den Einzug in den Senat von Massachusetts. Seine Arbeitsamkeit sowie sein Redetalent erregten derart viel Aufmerksamkeit, daß man ihm nahelegte, für das Amt des Gouverneurs zu kandidieren, was ihm letztlich auch erfolgreich gelang.
    Während seiner Amtszeit als Gouverneur von Massachusetts in den Jahren 1918 bis 1920 rückte Coolidge durch die Ausbreitung der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in den USA stärker in das Licht der landesweiten Öffentlichkeit. Im Jahre 1918 kam es gegen den Willen des Obersten Polizeiinspektors zur Bildung einer ersten Polizeigewerkschaft, so daß dieser die sofortige Auflösung dieser Vereinigung sowie die Entlassung jedes gewerkschaftlich organisierten Polizisten forderte. Als Gouverneur stellte sich Coolidge auf die Seite des Inspektors, die Situation eskalierte und es kam zu ersten Aufständen, die Coolidge mit Hilfe der Nationalgarde niederschlagen ließ. Seitdem galt er als Verfechter von "Law and Order" und gewann dadurch zahlreiche Anhänger in den Vereinigten Staaten.
    Im anschließenden Wahlkampf um die Präsidentschaft schaffte es Coolidge nicht, sich gegen die starke innerparteiliche Konkurrenz durchzusetzen, so daß sich die Mehrheit der Delegierten für Warren G. Harding entschied. Dennoch kam seine erfolgreiche Nominierung für den Posten des Vizepräsidenten selbst für Calvin Coolidge äußerst übrraschend.
    Nachdem Harding am 2. August 1923 überraschend an Herzversagen starb, übernahm Coolidge das Amt des Präsidenten und wurde noch am gleichen Tag vereidigt. Bis zur erneuten Präsidentschaftswahl von 1924 beschloß seine erste Administration die endgültige Einbürgerung der amerikanischen Ureinwohner. Gleichzeitig wurde ein neues Marineabkommen mit Großbritannien, Italien, Frankreich und Japan ratifiziert, das die weitere Aufrüstung der Marineflotten begrenzen und so ein Wettrüsten der unterzeichnenden Mächte verhindern sollte.
    Calvin Coolidge begab sich 1924 in den Präsidentschaftswahlkampf und erlebte in dieser Zeit einen tragischen persönlichen Rückschlag durch den Tod seines Sohnes, der nach einem Sportunfall an Blutvergiftung starb. Dennoch setzte er seine Kampagne fort, die er ungewöhnlich nüchtern und frei von persönlichen Diffamierungen seiner politischen Gegner führte. Die Reichweite seiner Reden vergrößerte er immens mit Hilfe des neuen Mediums Radio und weiterer innovativer Wahlkampfmethoden, so daß er schließlich die Wahl gewann.
    Unter der Coolidge- Administration erlebten die Vereinigten Staaten in den "Roaring Twenties" einen ausgesprochenen Wirtschaftsaufschwung, der durch eine kaum regulierte Wirtschaft, eine Verringerung der Staatsschulden, daraus resultierenden mehrfachen Steuersenkungen sowie die Einführung neuer Technologien wie dem Radio und dem Flugzeug noch verstärkt wurde. Coolidge setzte dabei auf ein ausgesprochenes Minimum an staatlichen Regulierungen. Die eigentlichen Zuständigkeiten sah er weniger bei den Bundesbehörden, sondern bei den Institutionen der Einzelstaaten. Dies stieß durchaus auch auf Kritik, so bei tariflichen Lohnabschlüssen oder bei den Auswüchsen von Kinderarbeit. Besonders kritisch wurde Coolidge´s Politik angesichts des rapiden Preisverfalls von landwirtschaflichen Produkten betrachtet, der auf Überschußproduktion beruhte und viele amerikanische Landwirte bereits Jahre vor dem Einsetzen der "Great Depression" in wirtschaftliche Nöte stürzte. Entgegen den Vorschlägen seines Landwirtschaftsministers, Überschüsse durch Bundesbehörden aufkaufen und lagern zu lassen, verwies der Präsident auf das freie Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte und legte gegen erneute Vorstöße sogar sein Veto ein.
    Durch den "Immigration Act" von 1924 wurden niedrigere Migrationsquoten festgelegt sowie die Zuwanderung von Ost- und Südeuropäern gezielt benachteiligt, da man ethnische Konflikte befürchtete und Migranten aus diesen Regionen oft als politische Linksextremisten galten. Japanern wurde die Zuwanderung sogar komplett untersagt, eine Maßnahme des Kongresses, die von Coolidge heftig kritisiert wurde.
    Außenpolitisch betrieb Coolidge eine weitgehend passive Politik, da er seine Schwerpunkte in innenpolitischen Maßnahmen sah. Die Wahl seines Vorgängers sah er als Beweis dafür, daß der amerikanische Wähler kein Interesse mehr an der internationalen Politik eines Woodrow Wilson hatte. Die USA erließen in diesem Zeitrahmen dem Deutschen Reich einen Teil seiner Kriegsschulden, um die wirtschaftliche Erholung des wichtigen europäischen Handelspartners zu fördern, und bemühten sich gleichzeitig um weitere Abkommen zur Flottenreduzierung in Europa. Zwar verweigerten sich die Vereinigten Staaten weiterhin einem Beitritt zum Völkerbund, traten jedoch dem Ständigen Internationalen Gerichtshof bei. Involviert blieben die USA dagegen weiterhin in ihrem "Hinterhof" Südamerika und hielten weiterhin an der Besetzung von Nicaragua und von Haiti fest, während die Besetzung der Dominikanischen Republik beendet wurde. Unter Coolidge stiegen die erheblichen Direktinvestitionen amerikanischer Unternehmen in Lateinamerika weiter an und erhöhten die wirtschaftliche Abhängigkeit dieser Region von den Vereinigten Staaten.
    Mit der sich nähernden Präsidentschaftswahl von 1928 fiel Calvin Coolidge´s überraschende Entscheidung für einen Verzicht auf eine nochmalige Kandidatur. Trotz hervorragender Umfragewerte seien zehn Jahre eine zu lange Zeit, auch wünschte er sich die Rückkehr ins Privatleben. Historiker sehen einen weiteren Grund in zunehmenden Depressionen während seiner späten Amtsjahre, durch die der ohnehin introvertierte Coolidge noch seltener in der Öffentlichkeit auftrat. Sein Nachfolger wurde Herbert Hoover (1874- 1964), den Coolidge aufgrund der mit ihm gemachten Erfahrungen offen als inkompetenten "Wonder Boy" betrachtete. Er kehrte zurück nach Northhampton und ließ sich auf seinem Anwesen nieder. In den letzten Jahren seines Lebens verfaßte er seine Autobiographie und unterstützte daneben weiterhin öffentlich die Republikanische Partei.
    Calvin Coolidge verstarb am 5. Januar 1933 überraschend an einem Herzinfarkt im Alter von 60 Jahren.

    www.youtube.com/watch?v=5pH6sM3xyk4

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    Montag, 21. November 2022, 00:51

    RE: The American Corner - Der Präsident der Roaring Twenties - Calvin Coolidge

    Northampton liegt etwa 70 Minuten westlich von uns in den Berkshires, MA. Schoene Gegend!
    Nach seinem Hochschulabschluß im Jahre 1895 folgte ein Umzug nach Northhampton, da ihn sein Vater zu einer Karriere als Anwalt drängte. Coolidge vermied aus Kostengründen, eine der klassischen "Law Schools" zu besuchen und begab sich stattdessen in die Ausbildung bei einer ortsansässigen Kanzlei. Im Jahre 1897 erhielt Calvin Coolidge seine Erstzulassung als Anwalt und eröffnete ein Jahr später seine eigene Kanzlei.
    Seine Ehefrau Grace Anna Goodhue (1879- 1957) lernte Coolidge ebenfalls in Northhampton kennen. Zwar war sie zu diesem Zeitpunkt bereits verlobt, löste diese Verbindung jedoch wieder auf, nachdem sie Coolidge kennengelernt hatte. In ihrem extrovertiert- charmanten Auftreten bildete sie einen Gegenpart zu dem eher reserviert und kühl wirkenden Coolidge. Gemeinsam ließen sie sich in Northhampton nieder und verbrachten dort ihre Jahre bis 1930; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.
    In seiner neuen Heimat versuchte sich Coolidge ab 1896 mehrfach in der großen Politik. Der erste große Sprung gelang ihm im Jahre 1906 mit der Wahl in das Repräsentantenhaus des Bundesstaats Massachusetts.

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    Dienstag, 22. November 2022, 13:38

    The American Corner - Der Präsident des Black Friday - Herbert Hoover

    Der 31. Präsident der USA, Herbert Hoover (1928 - 1932) galt zu seinen Lebzeiten als einer der umstrittensten und unbeliebtesten Amtsträger, da wenige Monate nach seinem Amtsantritt mit dem "Black Friday" am 24.10.1929 die Weltwirtschaftskrise (The Great Depression) begann, in der Millionen von Amerikanern ihren Job und auch ihre Ersparnisse verloren. Vorgeworfen wurde Hoover vor allem, zu spät und zu unentschlossen auf die heraufziehende Krise reagiert zu haben.
    Herbert Clark Hoover wurde im Jahre 1874 in West Branch/ Iowa, geboren. Damit wurde er in späteren Jahren zum ersten amerikanischen Präsidenten, dessen Geburtsort westlich des Mississippi lag. Hoover wuchs in einer Quäkerfamilie auf, in der Tugenden wie Fleiß, Ehrlichkeit und Einfachheit großgeschrieben wurden. Sein Vater Jesse Clark (1846- 1880) war Schmied, und seine Mutter Hulda Minthorn (1848- 1884) arbeitete als Lehrerin. Beide Eltern verstarben früh an Typhus und Lungenentzündung , so daß Hoover bereits im Alter von neun Jahren zur Waise wurde und überwiegend von einem Onkel in Oregon aufgezogen wurde.
    Nach dem Besuch einiger Quäker- Schulen wurde Herbert Hoover im Jahre 1891 an der renommierten Stanford University aufgenommen. Vier Jahre später machte er seinen Abschluß in Geologie und begann eine vielversprechende Karriere als Bergbauingenieur. Der smarte und fleißige Hoover bereiste die ganze Welt auf der Suche nach wertvollen Rohstoffvorkommen und gründete einige Unternehmen zur Förderung von Ressourcen. Seine Arbeit machte ihn zum Multimillionär, und im Jahre 1899 heiratete er seine frühere College- Liebe Lou Henry (1874- 1944). Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.
    Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs engagierte sich Hoover in der humanitären Arbeit, da 1914 über hunderttausend amerikanische Touristen und Geschäftsleute in Europa gestrandet waren, um deren Rückführung sich der erfolgreiche Ingenieur und Unternehmer kümmerte. Darüber hinaus koordinierte er die Lieferung von Lebensmitteln an die Bürger Belgiens, die versorgungstechnisch schwierige Zeiten durchlebten.
    Als im Jahre 1917 die USA in den Krieg eintraten, ernannte Präsident Woodrow Wilson Hoover zum Leiter der "Food Administration". Als Chef dieser Behörde forderte dieser seine Landsleute auf, ihren Konsum von Fleisch und anderen wichtigen Gütern zu reduzieren, um die Versorgung der allierten Truppen mit Lebensmitteln und Kleidung sicherzustellen. Nach dem Ende des Krieges organisierte Hoover als Leiter der "American Relief Administration" die Lieferung von Lebensmitteln und weiteren Hilfsgütern nach Europa, so daß ihm durch seine "Hoover Lunches" (Hoover- Speisungen) der Dank von zahlreichen Menschen aus ganz Europa zuteil wurde.
    Herbert Hoovers Organisationstalent und seine Erfolge brachten ihm die Ernennung zum Handelsminister unter Präsident Warren G. Harding ein. Auch unter dessen Nachfolger Calvin Coolidge behielt er weiterhin diese Position inne. Während der rasanten Entwicklung der Vereinigten Staaten in den "Roaring Twenties" hin zur modernen Konsum- und Freizeitgesellschaft spielte Hoover eine aktive Rolle bei der Organisation der noch im Aufbau befindlichen Rundfunk- und Luftfahrtindustrie. Darüber hinaus legte er den Grundstein für den Bau des gewaltigen Staudamms am Colorado River, der bis heute den Namen "Hoover Damm" trägt.
    Bei den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1928 trat Hoover als Kandidat der Republikanischen Partei an. Mit dem ausdrücklichen Versprechen, der Nation weiterhin Frieden und Wohlstand zu bringen, besiegte er den Kandidaten der Demokraten, Alfred E. Smith, mit einem Rekordvorsprung an Wahlmännerstimmen. In seiner Antrittsrede erklärte der neugewählte Präsident optimistisch: "ich habe keine Ängste vor der Zukunft unseres Landes. Sie ist hell vor Hoffnung." Wenige Monate nach seiner Regierungsübernahme trat jedoch das genaue Gegenteil ein. Am 24. Oktober 1929 ereignete sich an der New Yorker Wall Street der bisher größte Börsencrash in der Geschichte der USA; die Aktienkurse fielen ins Bodenlose und leiteten damit den Beginn der "Great Depression" ein. Infolge meldeten zahlreiche Banken und Unternehmen Insolvenz an; Millionen von Amerikanern verloren ihre Ersparnisse, die oft in vermeintlich lukrativen Aktien investiert waren, ihre Jobs und ihre Häuser. Die landesweite Arbeitslosenquote stieg von drei Prozent im Jahre 1929 auf über dreiundzwanzig Prozent im Jahre 1932. Barackensiedlungen schossen am Rande der Städte wie Pilze in die Höhe, und Millionen Amerikaner waren auf Lebensmittelspenden und Suppenküchen angewiesen.
    Im Zuge der großen Wirtschaftskrise ergriff Herbert Hoover durchaus verschiedene Maßnahmen, um die Wirtschaft erneut anzukurbeln. Aufgrund seiner konservativen Grundhaltung verliefen viele dieser Programme jedoch im Sande. Hoover war der Befürworter einer eher begrenzten Rolle des Staates in einer Volkswirtschaft und befürchtete, daß ein übermäßiges Eingreifen der Bundesregierung in die Wirtschaft eine Bedrohung für die amerikanische Gesellschaft, deren Grundethos sehr stark auf dem Erfolg durch Eigeninitiative beruhte, führen wurde. Stattdessen war er der Meinung, daß Hilfen lediglich auf lokaler und freiwilliger Basis erfolgen sollten. Dementsprechend legte er sein Veto gegenüber mehreren Gesetzesentwürfen ein, die Direkthilfen für notleidende Amerikaner vorsahen. "Wohlstand kann nicht durch Raubzüge auf die Staatskasse wiederhergestellt werden", erklärte Hoover in seiner Rede zur Lage der Nation im Jahre 1930.
    Unterdessen nahm die Weltwirtschaftskrise immer gravierendere Züge an, und Kritiker des Präsidenten stellten Hoover zunehmend als mitleidlos gegenüber dem Leiden des amerikanischen Volkes dar. Während der Präsidentschaftswahlen 1932 galt Hoover in weiten Teilen der USA als zutiefst unbeliebte, ja sogar als verachtenswerte Figur. Infolge gewann sein demokratischer Herausforderer Franklin D. Roosevelt die Wahl in einem überwältigendem Erdrutschsieg. Roosevelt versprach seinen amerikanischen Landsleuten eine Reihe progressiver Reformen und wirtschaftlicher Hilfsprogramme, die unter dem Begriff "New Deal" zusammengefaßt wurden.
    Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt trat Herbert Hoover viele Jahre lang als prominentester Kritiker des "New Deal" auf und fand damit durchaus Gehör in den konservativen Kreisen, die wirtschaftlich nicht übermäßig von der "Great Depression" betroffen waren. Hoover verfaßte Artikel und Bücher, in denen er seine konservativen Ansichten darlegte und vor den durchaus möglichen Gefahren warnte, die mit zu großer Machtfülle der Bundesregierung verbunden waren.
    Noch in den 1950er Jahren kehrte Hoover in den öffentlichen Dienst zurück und arbeitete für die Truman- und Eisenhower Administration in Kommissionen, die die Effizienz der Regierung steigern sollten.
    Herbert Hoover verstarb am 20. Oktober 1964 im Alter von 90 Jahren in New York und wurde in seinem Geburtsort West Branch bestattet. In den Jahren nach seinem Tod wurde sein politisches Vermächtnis allmählich wesentlich positiver beurteilt als noch zu seinen Lebzeiten. Da die "Great Depression" nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus trotz Roosevelts "New Deal" noch viele Jahre andauerte, plädieren einige jüngere Historiker für eine wohlwollendere Beurteilung von Hoovers Präsidentschaft.

    www.youtube.com/watch?v=HaVjaxxBTqs

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    Mittwoch, 23. November 2022, 14:46

    The American Corner - Weltwirtschaftskrise und Weltkrieg - Franklin D. Roosevelt

    Der 32. Präsident der Vereinigten Staaten war dreizehn Jahre im Amt und ist somit der am längsten dienende Amtsinhaber der amerikanischen Geschichte. Als bisher einziger Präsident wurde er viermal gewählt und bekleidete das Amt von 1932 bis zu seinem Tod im Jahre 1945. Bis heute ist sehr umstritten, inwieweit es Roosevelt mit seiner Politik des "New Deal" gelang, die Vereinigten Staaten aus der "Great Depression" zu führen. Auch viele seiner Maßnahmen im Zweiten Weltkrieg, z.B. die intensive Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, werden heute eher kritisch gesehen.
    Franklin Delano Roosevelt wurde im Jahre 1882 auf einem großen Landgut nahe Hyde Park/ New York, geboren. Er war das einzige Kind seiner Eltern James und Sara Ann Delano. Die Roosevelts, deren Vorfahren aus den Niederlanden stammten, zählten zu den wohlhabendsten Familien von New York. Vater James war Investor bei diversen Eisenbahn- und Stahlgesellschaften und Vorstandsmitglied mehrerer Unternehmen.
    Roosevelt genoß eine entsprechend privilegierte Jugend und wurde von Privatlehrern und in Eliteschulen ausgebildet. Bereits in seinen frühen Jahren begann er, seinen entfernten Cousin Theodore Roosevelt, der im Jahre 1901 zum US- Präsidenten gewählt wurde, zu bewundern. Zwischen 1900 und 1904 studierte Roosevelt an der renommierten Harvard University und besuchte im Anschluß die juristische Fakultät der Columbia University in New York. Bereits während seiner Studienjahre verliebte sich FDR in Theodore Roosevelts Nichte, Anna Eleanor Roosevelt (1884- 1962), die er 1905 heiratete und die ihm sechs Kinder schenkte.
    Nach seinem Studienabschluß arbeitete FDR mehrere Jahre lang in einer Anwaltskanzlei an der Wall Street. Im Jahre 1910 ging er in die Politik und gewann als Kandidat der Demokratischen Partei einen Sitz im Senat des Staates New York. Drei Jahre später wurde er von Präsident Woodrow Wilson zum Staatssekretär der U.S. Navy ernannt und behielt dieses Amt bis 1920. Während des Ersten Weltkriegs reiste Roosevelt nach Europa, um nach dem Kriegseintritt der USA im Jahre 1917 Marinestützpunkte und Schlachtfelder zu besichtigen.
    Im Jahre 1921 wurde bei Roosevelt im Alter von 39 Jahren Kinderlähmung diagnostiziert. Wegen der Lähmung seiner Beine zog er sich vorübergehend aus dem öffentlichen Leben zurück und konzentrierte sich auf seine Rehabilitation. 1924 reiste er nach Warm Springs/ Georgia, in der Hoffnung, durch das spezielle Quellwasser des Ortes geheilt zu werden. Später erwarb er diesen Ort und ließ ihn zu einem Reha- Zentrum für Polio- Patienten ausbauen. Die Hoffnung auf seine eigene Genesung mußte er jedoch aufgeben; er blieb zeitlebens auf seinen Rollstuhl angewiesen.
    Unterstützt durch seine Frau und einen befreundeten Journalisten, kehrte Roosevelt in die Öffentlichkeit zurück und feierte im Jahre 1924 einen triumphalen Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten. VierJahre später wurde er durch den Gouverneur von New York, Alfred E. Smith, ermutigt, sich für dieses Amt zu bewerben. Durch einen sehr intensiv geführten Wahlkampf gewann FDR 1928 mit knapper Mehrheit die Wahl zum Gouverneur. Nach dem Börsencrash von 1929 ließ er zahlreiche Programme starten, um die zunehmende Not der Menschen in New York während der "Great Depression" zu lindern. Im Jahre 1930 wurde er als Gouverneur von New York wiedergewählt.
    1932 trat FDR als Spitzenkandidat der Demokraten bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen an. Schon beim Nominierungsparteitag setzte er sich in einer Rede für einen "neuen Deal für das amerikanische Volk" ein. Die Wahlen gewann FDR mit Leichtigkeit gegen den bisherigen Amtsinhaber Herbert Hoover, der für viele Amerikaner zum Negativsymbol für den wirtschaftlichen Niedergang des Landes geworden war.
    Als Roosevelt am 4. März 1933 das Amt des Präsidenten übernahm, hatte die Weltwirtschaftskrise bereits ein gewaltiges Ausmaß angenommen. Über dreizehn Millionen Amerikaner waren arbeitslos, und in seiner Radioansprache erklärte FDR: "Diese große Nation wird überleben, wie sie überlebt hat, sie wird wieder aufleben und gedeihen...Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Angst selbst."
    In den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit verabschiedete FDR zahlreiche Gesetze und schuf einige der wichtigsten Programme und Institutionen des "New Deals". Dazu zählten die Einrichtung der "Agricultural Adjustment Administration", des "Civilian Conservations Corps", der "Public Works Administration" sowie der "Tennessee Valley Authority". Ziel dieser Einrichtungen war es, Arbeitsplätze zu schaffen und die Amerikaner wirtschaftlich zu entlasten.
    Im Jahre 1935 brachte FDR in seinem "Zweiten New Deal" weitere Reformen auf den Weg, so den wegweisenden "Social Security Act", der den Amerikanern zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Arbeitslosen-, Invaliden- und Rentenversicherung einräumte. Im darauffolgenden Jahr wurde Roosevelt mit großer Mehrheit wiedergewählt.
    Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs plädierte FDR für eine Aufhebung der Neutralitätsgesetze, um Frankreich und Großbritannien den Kauf von amerikanischen Waffen zu ermöglichen. Trotz der Tradition von nur zwei präsidialen Amtszeiten entschloß sich Roosevelt im Jahre 1940, für eine erneute Wiederwahl zu kandidieren. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 erklärte FDR dem japanischen Kaiserreich und später auch dem Deutschen Reich den Krieg. Um hierfür die Unterstützung seiner Wähler zu erlangen, hielt FDR häufige Radioansprachen, die weite Verbreitung fanden.
    Im Jahre 1944 erlangte ein bereits gesundheitlich deutlich angeschlagener F.D. Roosevelt eine vierte Amtszeit im Weißen Haus. Seinen außenpolitisch wichtigsten Auftritt hatte er auf der Konferenz von Jalta, auf der zusammen mit Stalin und Churchill die Nachkriegsordnung Europas festgelegt wurde. Darüber hinaus arbeiteten die "Großen Drei" an den Grundlagen einer internationalen Friedensorganisation der Nachkriegszeit, aus der sich die "Vereinten Nationen" entwickeln sollten. Nach seiner Rückkehr aus Jalta war Roosevelt bereits so geschwächt, daß er sich in den Kurort Warm Spings / Georgia, begeben mußte. Wenige Tage später erlitt er eine massive Hirnblutung und verstarb am 12. April 1945. Sein Vizepräsident Harry S. Truman übernahm daraufhin die Amtsgeschäfte des Präsidenten.

    www.youtube.com/watch?v=_d-v_faao7E

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    Donnerstag, 24. November 2022, 13:23

    The American Corner - Der Späteinsteiger - Präsident Harry S. Truman

    Harry S. Truman war zwischen 1945 und 1953 der 33. Präsident der Vereinigten Staaten, gehörte der Demokratischen Partei an und war vor seiner Zeit als Präsident unter anderem Vizepräsident des US- Senats. Bevor Truman seinen Weg in die Politik fand, arbeitete er u.a als Farmer und Geschäftsinhaber und nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil.
    Truman wurde im Jahre 1884 in Lamar/ Missouri geboren, wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf einer Farm auf und besuchte die Highschool in Independence/ Missouri ganz in der Nähe seines Geburtsortes. Nach seinem Schulabschluß im Jahre 1901 begann er eine kaufmännische Ausbildung, die er allerdings nach kurzer Zeit abbrach, um seine finanziell angeschlagene Familie unterstützen zu können. Um Geld verdienen zu können, arbeitete er in Kansas City bei einer Bank und arbeitete darüber hinaus weiter auf der Farm seiner Eltern, die er nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1914 vollständig übernahm.
    Bereits im Jahre 1905 bewarb sich Truman ebenfalls bei der Nationalgarde, wurde aufgrund seiner Sehschwäche allerdings vorzeitig ausgemustert. Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg meldete sich Truman freiwillig bei der US- Navy. Trotz seiner Sehschwäche bestand er den obligatorischen Sehtest, da er die Buchstabentafel vorher heimlich auswendig gelernt hatte. Truman kämpfte auf dem europäischen Kriegsschauplatz und trat nach seiner Rückkehr in die USA im Jahre 1919 wieder aus der Armee aus. In diesem Jahr heiratete er auch seine Jugendliebe Bess Wallace (1885- 1982). Das Ehepaar bekam eine gemeinsame Tochter, Mary Margaret Truman (1924- 2008 ), die in späteren Jahren als Schauspielerin und Autorin bekannt wurde.
    Angesichts seiner späteren politischen Karriere bis in das höchste Staatsamt der Vereinigten Staaten begann Trumans Einstieg in die Politik erst verhältnismäßig spät. Er galt als großer Anhänger von Woodrow Wilson und trat deswegen in die Demokratische Partei ein. Nachdem Truman im Zivilleben mit seinem eigenen Herrenbekleidungsgeschäft weitgehend scheiterte, entschied er sich zum aktiven Einstieg in die Politik. Dank der Unterstützung des einflußreichen Demokraten Tom Pendergast (1873- 1945) und aufgrund seiner im Krieg errungenen Meriten wurde Harry S. Truman im Jahre 1922 zum "Judge" am Country Court von Jackson County ernannt. Nachdem er aufgrund der zu starken Konkurrenz von Republikanern 1924 für diesen Posten nicht wiedergewählt wurde, konnte er zwei Jahre später die Wahl für den "Presiding Judge" von Jackson County für sich entscheiden. Im Jahre 1933 wurde Truman zum Leiter eines Arbeitsbeschaffungsprogramms ernannt, das im Zuge der "Great Depression" von der Roosevelt- Administration initiiert worden war.
    Nachdem diese Maßnahmen ausliefen, plante Harry S. Truman, für das Amt des Gouverneurs von Missouri zu kandidieren. Allerdings versagte sein Mentor Tom Pendergast ihm seine Unterstützung für dieses Vorhaben und wollte Truman stattdessen bei einer Bewerbung für das Amt des County- Verwaltungsleiters im Senat unterstützen, nachdem einige andere Kandidaten zuvor abgesagt hatten. Trotz der Bedenken seiner Ehefrau stimmte Truman diesem Vorhaben zu. Bei den parteiinternen Vorwahlen der Demokraten setzte er sich durch und erhielt bei der Wahl im November 1934 59 Prozent der Stimmen, womit er den bisherigen Amtsinhaber der Republikaner, Roscoe C. Patterson, ablöste. Truman wurde im Januar 1935 im Senat vereidigt, erhielt aber schnell den Spitznamen "Senator von Pendergast", da die Spielsucht seines Mentors und dessen Kontakte zur Mafia in Washington durchaus bekannt waren. Truman distanzierte sich zwar offiziell von diesen Vorgängen, blieb aber dennoch stets ein loyaler Gefolgsmann Pendergasts.
    Während seiner Zeit im US- Senat befürwortete Truman stets die Generallinie des Präsidenten F.D. Roosevelt. So setzte er sich wie dieser für eine stärkere Regulierung des Bankenwesens und für eine stärkere Beschneidung des politischen Einflusses großer Konzerne ein.
    Bei den Senatswahlen von 1940 trat Truman erneut zur Wahl an, obwohl er als Gefolgsmann Pendergasts, der inzwischen wegen Steuerhinterziehung verurteilt war, politisch angeschlagen war. Dennoch gewann er die Wahl knapp mit 51,2 % der Stimmen und konnte seine zweite Amtsperiode im Senat im Januar 1941 antreten.
    Nach der erneuten Kandidatur Roosevelts im Jahre 1944 begann in der Demokratischen Partei die Suche nach einem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, nachdem der bisherige Amtsinhaber aufgrund zu starker Sympathien für den sowjetischen Diktator Stalin nicht wieder aufgestellt wurde. Da Roosevelt selbst keinen Nachfolger benannte, wählte die Parteiführung Harry S. Truman als Wunschkandidaten für das Amt aus. Dieser stimmte zu, da er hoffte, auf diese Art seinen Spitznamen "Senator von Pendergast" endgültig loswerden zu können. In dem darauffolgenden Wahlkampf spielte Truman angesichts des Gesundheitszustandes von Roosevelt eine aktive Rolle , und im November 1944 erhielten die Demokraten 432 Wahlmännerstimmen, so daß Roosevelt und Truman die Ämter des US- Präsidenten und Vizepräsidenten antreten konnten.
    Nur knapp drei Monate nach seinem Amtsantritt verstarb Roosevelt am 12. April 1945 an den Folgen einer Hirnblutung. Wie in der amerikanischen Verfassung vorgesehen, zog Truman im Anschluß als neuer amerikanischer Präsident in das Weiße Haus ein. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit fiel ihm die Aufgabe zu, die weltweite Stellung der USA nach dem kräftezehrenden Weltkrieg zu festigen. Truman nahm darüber hinaus an der Potsdamer Konferenz teil, auf der u.a. entschieden wurde, das Deutsche Reich in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Nachdem der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans für die USA siegreich beendet war, konnte sich der Präsident in seinen Zielsetzungen zunächst verstärkt auf die Innenpolitik fokussieren, u.a. durch die Fortsetzung der Reformen des "New Deal", den Ausbau eines amerikanischen Sozialstaats sowie den Kampf gegen die Rassendiskriminierung, z.B. durch die Aufhebung der Rassentrennung in den Streitkräften. Dies gelang jedoch teilweise nur in Ansätzen, denn mit dem Beginn des "Kalten Kriegs" im Jahre 1947 fokussierte sich das Interesse der Truman- Administration wieder verstärkt auf die amerikanische Außenpolitik.
    Harry S. Truman trat im November 1948 erneut als Präsidentschaftskandidat der Demokraten an und hielt während des Wahlkampfs über zweihundert Ansprachen, so daß er trotz gegenteiliger Prognosen die Wahl gegen seinen Herausforderer Thomas E. Dewey (1902- 1971) eindeutig zu seinen Gunsten entscheiden konnte.Während seiner daraufolgenden zweiten Amtszeit zeichnete Truman u.a. für den beginnenden Rüstungswettlauf mit der Sowjetunion und für den Beginn des Koreakriegs verantwortlich. Am 29.3.1952 verkündete er, nicht erneut für das Amt des US- Präsidenten kandidieren zu wollen, und zog sich im Januar 1953 bis zu seinem Tod ins Privatleben zurück. Ein Phänomen bleibt, daß Truman während der Zeit seiner Präsidentschaft in der amerikanischen Bevölkerung als äußerst unpopulär galt, während er nach jüngsten Umfragen zu den beliebtesten amerikanischen Präsidenten zählt. Auch die Mehrzahl seiner Historiker bewertet seine damalige Amtszeit heute überwiegend sehr positiv. Sein Ansehensverlust insbesondere während seiner zweiten Amtszeit war vor allem dem ausufernden Koreakrieg, den Korruptionsvorwürfen gegen einige Mitglieder seiner Regierung sowie dem vergifteten politischen Klima in der McCarthy- Ära zuzuschreiben.
    Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt veröffentlichte Truman in den Jahre 1955/56 seine zweibändigen Memoiren. In diesem Zeitrahmen wurden auch die begrenzten finanziellen Spielräume des Expräsidenten publik, so daß der Kongreß den "Former Presidents Act" verabschiedete, der allen ehemaligen Amtsinhabern einen Anspruch auf Pensionsvergütungen sowie ggfs. Personenschutz und ein eigenes Büro einräumte. Bis dahin hatten weder Truman noch einer seiner Amtsvorgänger Pensionsgelder für ihre politische Tätigkeit erhalten.
    Harry S. Truman verstarb am 26. Dezember 1972 im Alter von 88 Jahren und wurde kurz darauf in seiner Heimatstadt Lamar/ Missouri beerdigt. Zu seinem Begräbnis erschienen neben zahlreichen weiteren Gästen auch die US- Präsidenten Richard Nixon und Lyndon B. Johnson.

    www.youtube.com/watch?v=m8zA432hiJg

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    Freitag, 25. November 2022, 13:48

    The American Corner - Der vermeintliche Kriegsheld - Dwight D. Eisenhower

    Bis heute gilt der 34. Präsident der USA, Dwight D. Eisenhower, der zwischen 1953 und 1961 sein Amt ausübte, als einer der populärsten Amtsinhaber der amerikanischen Geschichte. Dies war nicht nur der Tatsache geschuldet, daß er als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte den Zweiten Weltkrieg für die USA siegreich beendete, sondern daß er sein Amt als Präsident auch in einem wirtschaftlich ungemein prosperierenden Jahrzehnt ausübte, daß viele Amerikaner noch heute als ihre "Golden Decade" bezeichnen.
    Aus deutscher Sicht hatte seine Karriere jedoch auch einige Schattenseiten aufzuweisen. So galt Eisenhower trotz seiner Herkunft nicht unbedingt als großer Freund des deutschen Volkes, und die prekäre Situation in den Rheinwiesenlagern, die unter seine Verantwortung fielen und die vermutlich zehntausenden von deutschen Kriegsgefangenen das Leben kosteten, werfen kein allzu gutes Licht auf "Ike".
    Dwight David Eisenhower wurde im Jahre 1890 in der Kleinstadt Denison / Texas als dritter von insgesamt sieben Söhnen der Eisenhowers geboren. Sein Vater war David Eisenhower, der als Sohn deutscher Auswanderer aus dem saarländischen Karlsbrunn auf einer Farm in Kansas aufgewachsen war. Statt auf der Farm seiner Eltern zu arbeiten, studierte David Eisenhower Ingenieurswesen an der ehemaligen Lane University in Kansas. Dwight D. Eisenhowers Mutter war die ebenso deutschstämmige Ida Stover, die ihren späteren Mann an der Lane University kennenlernte. Beide heirateten und zogen im Anschluß nach Texas, um dort ein Geschäft zu eröffnen, womit sie jedoch scheiterten. 1892 zog die Familie zurück nach Kansas, wo David Eisenhower zunächst als Eisenbahnmechaniker und später in einer Molkerei Arbeit fand. Mutter Ida war Hausfrau und trat später den Zeugen Jehovas bei.
    Dwight D. Eisenhower erhielt bereits früh den Spitznamen "Ike" und verbrachte einen Großteil seiner Kindheit in Abilene/ Kansas, das er stets als seine Heimat betrachtete. Zwar wuchsen die Eisenhower- Söhne in relativ bescheidenen, jedoch nicht in als prekär zu bezeichnenden Verhältnissen auf. Ike´s Eltern galten als tiefreligiös und auch als pazifistisch, und dennoch waren es gerade ihre Geschichtsbücher, die sein Interesse für das Militär entfachten. Nach dem Schulabschluß schrieb sich Eisenhower deshalb gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Mutter in der "United States Military Academy" in West Point ein, wo er seine Militärausbildung im Jahre 1915 erfolgreich abschloß. Im Anschluß war er auf verschiedenen Militärstützpunkten der USA stationiert, unter anderem auch in Texas.
    Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg beantragte Dwight D. Eisenhower mehrfach seine Versetzung an den europäischen Kriegsschauplatz, die ihm jedoch verwehrt wurde. Stattdessen wurde er in das Camp Colt/ Pennsylvania vesetzt, wo er Fahrer an der neuentstandenen Panzerwaffe ausbildete. Hier konnte er erstmals seine guten Führungsqualitäten und sein Organisationstalent unter Beweis stellen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde er 1919 zum Major befördert und befehligte bis 1927 ein Panzerbataillon. Im Jahre 1935 übersiedelte er auf die Philippinen, wo er als Militärberater für die proamerikanische Regierung arbeitete. Vier Jahre später kehrte er zurück und wurde im Jahre 1939 zum Colonel befördert.
    Nachdem die Vereinigten Staaten im jahre 1941 in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren, gehörte Dwight D. Eisenhower dem amerikanischen Generalstab an und war damit maßgeblich an der Strategie im Kampf gegen das Dritte Reich sowie gegen das Kaiserreich Japan beteiligt. Bereits im Dezember 1943 wurde er dann von Roosevelt zum Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa ernannt. In dieser Position war er Hauptverantwortlicher für die Planung der "Operation Overlord" , der Landung alliierter Streitkräfte in der Normandie im Juni 1944.
    Nach dem Sieg der alliierten Streitkräfte über das Deutsche Reich im Mai 1945 wurde Eisenhower zum Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland ernannt. Drei Jahre später kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und war zeitweise Präsident der Columbia University in New York. Im Jahre 1950 zog es ihn erneut nach Europa, wo er zum ersten Oberbefehlshaber der neugegründeten Militärallianz NATO ernannt wurde. Am 3. Juni 1952 trat Eisenhower formal von seinem Militärdienst zurück, trat in die Republikanische Partei ein und bewarb sich um das Amt des Präsidenten. Er gewann die Wahl haushoch mit 442 zu 82 Stimmen im Electoral College und wurde damit zum ersten republikanischen Präsidenten seit zwanzig Jahren. Zu seinem Vizepräsidenten ernannte "Ike" Richard M. Nixon.
    Eisenhower verstand sich während seiner Amtszeit als "progressiver Konservativer", führte innenpolitisch die von den Demokraten eingeleiteten Sozialprogramme fort und setzte sich für ein Ende der Segregation ein. Zudem brachte er den "Federal Aid Highway Act" von 1956 auf den Weg, der in den darauffolgenden Jahrzehnten das Autobahnnetz mittels staatlicher Beihilfen finanzieren sollte. Außenpolitisch setzte er sich vor allem für eine deutliche Stärkung der NATO ein und unterstützte letztendlich auch den Beitritt der Bundesrepublik als "Frontstaat" in dieses Bündnissystem.
    Im Jahre 1956 entschied Eisenhower sich, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Diese war durch den zunehmenden "Kalten Krieg" geprägt, der erhöhte Rüstungsanstrengungen notwendig machte. Als Antwort auf den 1957 von der Sowjetunion ins Welltall geschossenen Satelliten "Sputnik" gründete Eisenhower noch im gleichen Jahr die Weltraumbehörde NASA. Während seiner zweiten Amtszeit unterstützte er ebenfalls die Aufnahme von Alaska und Hawaii als gleichberechtigte Staaten in den Verbund der USA; die Aufnahme erfolgte im Jahre 1959 als 49. und 50. Staat der Vereinigten Staaten.
    Eisenhower galt als dezidierter Antikommunist und prägte als solcher den Begriff des "Domino- Effekts", nach dem sich kommunistische Umstürze in einem Land stets auch auf die Nachbarstaaten übertragen würden. Dennoch verzichtete er während seiner Amtszeit weitgehend auf größere militärische Interventionen in kommunistisch beeinflußten Ländern. Offen skeptisch war er gegenüber dem stetig zunehmenden Einfluß des "militärisch- industriellen Komplexes" in den USA, eine Skepsis, die sich in den darauffolgenden Jahrzehnten nur als allzu berechtigt herausstellen sollte.
    Bereits während seiner Amtszeit als amerikanischer Präsident hatte Eisenhower als notorischer Kettenraucher mit gesundheitlichen Problem zu kämpfen, die sich nach dem Ende seiner Amtszeit noch verstärkten. Insgesamt erlitt "Ike" sieben Herzinfarkte. Am 28. März 1969 verstarb Dwight D. Eisenhower schließlich im Alter von 78 Jahren an Herzschwäche.

    www.youtube.com/watch?v=72pXsjfZevU