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    Samstag, 15. Januar 2022, 21:42

    Pennsylvania und die Schattenseiten von New Jersey

    Ein ergänzender Blog über Pennsylvania ist ohne weiteres machbar, da die gute Bekannte, die mir netterweise einige der Infos über Jersey geliefert hat, hart an der Grenze zu Pennsylvania wohnt. Sie kommt aus Phillipsburg/ NJ und fährt mit dem Wagen rund eine Stunde bis NYC und ungefähr die gleiche Zeit bis Philadelphia.
    Einige Schattenseiten von New Jersey sollen nicht unerwähnt bleiben. So scheint Atlantic City seine besten Zeiten bereits hinter sich zu haben, gemunkelt wird über zahlreiche geschlossene Etablissements und eine relativ hohe Kriminalitätsrate. Auch in Newark gibt es ähnliche Problemviertel, während Camden sogar noch den Vogel als gefährlichste Stadt der USA abschießt. Die Stadt liegt gegenüber von Philadelphia und gilt heute als äußerst heruntergekommenes ehemaliges Industriekaff, das früher u.a. bekannt für die Herstellung von (analogen) Plattenspielern war. Durch die Deindustrialisierung ist ein Großteil der weißen Facharbeiter weggezogen, geblieben oder hinzugekommen sind Latinos und Schwarze, so daß die Stadt heute zu rund 80 % von Angehörigen dieser Ethnien bewohnt wird.

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    Sonntag, 16. Januar 2022, 17:14

    RE: Pennsylvania und die Schattenseiten von New Jersey

    Uwe, Spring Lake in New Jersey ist entzueckend, da gibt es einen langen board walk entlang des Atlantik. Ich war dort 1999 oder 2000 einmal. Hat mir sehr gefallen.

    In Atlantic City war ich noch nicht, aber es ist ein oder zweimal Thema in der Krimi Serie "Blue Bloods".
    Ein ergänzender Blog über Pennsylvania ist ohne weiteres machbar, da die gute Bekannte, die mir netterweise einige der Infos über Jersey geliefert hat, hart an der Grenze zu Pennsylvania wohnt. Sie kommt aus Phillipsburg/ NJ und fährt mit dem Wagen rund eine Stunde bis NYC und ungefähr die gleiche Zeit bis Philadelphia.
    Einige Schattenseiten von New Jersey sollen nicht unerwähnt bleiben. So scheint Atlantic City seine besten Zeiten bereits hinter sich zu haben, gemunkelt wird über zahlreiche geschlossene Etablissements und eine relativ hohe Kriminalitätsrate. Auch in Newark gibt es ähnliche Problemviertel, während Camden sogar noch den Vogel als gefährlichste Stadt der USA abschießt. Die Stadt liegt gegenüber von Philadelphia und gilt heute als äußerst heruntergekommenes ehemaliges Industriekaff, das früher u.a. bekannt für die Herstellung von (analogen) Plattenspielern war. Durch die Deindustrialisierung ist ein Großteil der weißen Facharbeiter weggezogen, geblieben oder hinzugekommen sind Latinos und Schwarze, so daß die Stadt heute zu rund 80 % von Angehörigen dieser Ethnien bewohnt wird.

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    Dienstag, 18. Januar 2022, 15:31

    The American Corner - Pennsylvania: The Keystone State

    Als einer der dreizehn Gründerstaaten der USA ist Pennsylvania einer der wenigen US- Bundesstaaten im Nordosten, die keinen eigenen Zugang zur Atlantikküste haben. Denn die einzige Binnenküste von PA liegt nicht am Meer, sondern am Eriesee mit einem Küstenstreifen von nur rund sechs Kilometer Länge.
    Mit rund 12,8 Millionen Einwohnern nimmt Pennsylvania Platz fünf unter den bevölkerungsreichsten Bundesstaaten der USA ein, mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen.
    Der Ost- und Westteil Pennsylvanias unterscheidet sich jeweils recht deutlich hinsichtlich der Mentalität und Lebensart seiner Bewohner. Aus diesem Grund sind auch die wichtigsten Städte, Philadelphia (1,5 Mio. Einwohner) und Pittsburgh (306.000 Einwohner) , durch eine fast schon legendäre Rivalität miteinander verbunden. Mit großem Abstand hinsichtlich ihrer Einwohnerzahlen folgen die "kleinen Großstädte" des Keystone State Allentown, Erie und Reading, die jeweils um die hunderttausend Einwohner pendeln. Auch Scranton (76.000 Einwohner) soll nicht unerwähnt bleiben, da sie die Geburtsstadt des derzeit amtierenden US- Präsidenten "Sleepy Joe" Biden ist. Pennsylvanias Hauptstadt Harrisburg dagegen ist ein mit knapp 50.000 Einwohnern eher beschauliches Städtchen.
    Die Natur dieses Bundesstaates ist durch ausgeprägte Waldgebiete und hügelige Landschaften geprägt, die durchaus ihren eigenen Reiz haben. Darüber hinaus dominieren drei mächtige Flüsse den Bundesstaat: der Delaware River, der Susquehanna River und der Ohio River. Wichtig sind diese Schiffahrtswege auch deshalb, weil sich im Verlauf der Besiedlung von PA praktisch alle größeren Städte im Einzugsbereich dieser Flußläufe entwickelten. Mitten durch den Keystone State zieht sich die Bergkette der Appalachen, die für die frühe Siedlungsgeschichte der Neuen Welt von erheblicher Bedeutung war und die noch heute eine natürliche Grenze zwischen den "rivalisierenden" Ost- und Westregionen bildet.
    Im größten Teil von Pennsylvania herrscht ein feucht- kontinentales Klima, während im Süden rund um Philadelphia bereits ein feucht- subtropisches Klima dominiert. Während die Sommer fast im ganzen Staat recht heiß sind, kann es insbesondere in der Appalachenregion auch zu strengen Wintereinbrüchen kommen.
    Zu den empfehlenswertesten Erholungsgebieten für Naturliebhaber gehören der Allegheny National Forest im Nordwesten mit beeindruckenden 2.100 qkm Gesamtfläche, die Delaware Water Gap National Recreation Area , der Presque Isle State Park, eine Halbinsel an den Ufern des Eriesees, der Cherry Springs State Park im Norden des Bundesstaates sowie der Ohiopyle State Park , der insbesondere für Wasserfreunde geeignet ist.
    Pennsylvania war nach Delaware die zweite britische Kolonie in Nordamerika, die ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erklärt hat. Und auch im amerikanischen Bürgerkrieg fanden eine Reihe von entscheidenden Auseinandersetzungen auf dem Boden Pennsylvanias statt, so die Schlacht von Gettysburg im Jahre 1863, die zur entscheidenden Kriegswende führte. Im National Historical Park von Phladelphia finden sich in über einem Dutzend Gebäuden Ausstellungen zur Geschichte der Vereinigten Staaten. Sehenswert ist in Philadelphia ebenfalls die Independence Hall, in der 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der USA unterschrieben wurden. Im Liberty Bell Center ist die legendäre Freiheitsglocke zu besichtigen, die am 8. Juli 1776 während der Unterzeichnung der Unterzeichnung der "Declaration of Independence" geläutet wurde.
    Lohnenswert ist auch ein Ausflug nach Valley Forge rund 35 km nordwestlich von Philadelphia, wo George Washington im Winter 1778/79 den Winter verbrachte und seine Truppen von Friedrich Wilhelm von Steuben zur "Continental Army" ausbilden ließ, die dem britischen Berufsmilitär endgültig Paroli bieten konnte.
    Der "Gettysburg National Military Park" erinnert an eine der grausamsten Entscheidungsschlachten des amerikanischen Bürgerkriegs und bietet geführte Wanderungen zu dem ehemaligen Schlachtfeld.
    Zu den Top- Besichtigungshighlights von Pennsylvania gelten allgemein je nach Setzung der Prioritäten: das Philadelphia Museum of Art, die bereits genannte Liberty Bell, der Hersheypark, Fallingwater, der Independence National Historical Park, Longwood Gardens, der Philadelphia Zoo, Eastern State Penitentiary, der Reading Terminal Market sowie der ebfs. bereits genannte Gettysburg National Military Park.
    Natürlich sind daneben auch Städtetouren zu empfehlen. So hat sich um Philadelphia am Delaware River die fünftgrößte urbane Region in den USA gebildet. Die Skyline der Stadt bietet eine interessante Mischung aus modernen Wolkenkratzern und historischen Gebäuden wie der Philadelphia City Hall. Was viele nicht wissen: zeitweise war Philadelphia sogar die Hauptstadt der Vereinigten Staaten.
    Im Westen von PA liegt Pittsburgh an der Stelle, wo Allegheny River und Monongahela River zusammentreffen und daraus der Ohio River entsteht. Das ehemalige Zentrum der amerikanischen Stahlindustrie ist heute wegen einer ganzen Reihe von Einrichtungen sehenswert, so dem Andy Warhol Museum, dem Point State oder dem Park Kennywood.
    Harrisburg, die Hauptstadt Pennsylvanias, ist eine Stadt voll kultureller und geschichtlicher Highlights, so dem State Museum of Pennsylvania, dem National Civil War Museum oder dem Susquehanna Art Museum.
    Vor allem im Sommer ist Erie ein beliebtes Reiseziel, da man Bootstouren auf dem Eriesee unternehmen kann. Empfehlenswert sind auch die Besichtigungen des Erie Zoo, des Bicentennial Tower oder des Erie Maritime Museums.
    Der Name des Bundesstaates leitet sich übrigens von "Penn´s Wood" (Penn´s Waldland ) ab. William Penn war eine der ersten bedeutenden politischen Persönlichkeiten des Landes, der u.a. viele deutsche Siedler zur Reise in die Neue Welt und speziell nach PA veranlaßte. Bis weit in die 50er Jahre war Pennsylvania ein Zentrum der Stahlindustrie, jedoch hat auch hier die zunehmende Deindustrialisierung des Landes zu einem enormen Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft mit all ihren Licht- und auch Schattenseiten geführt. Dennoch haben auch heute noch rund fünfzig der fünfhundert größten amerikanischen Unternehmen ihren Sitz in Pennsylvania, darunter U.S. Steel, PPG Industries, H.J. Heinz, The Hershey Company oder GE Transportation. Darüber hinaus ist insbesondere Philadelphia ein Zentrum der Banken- und Finanzwelt.

    www.youtube.com/watch?v=0GU0MIkCLDs

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    Mittwoch, 19. Januar 2022, 14:45

    The American Corner - Wer war Carl Schurz ?

    Im Gegensatz zu seinem Herkunftsland, in dem er weitgehend in Vergessenheit geraten ist, gilt Carl Schulz in den Vereinigten Staaten auch heute noch als der prominenteste Deutschamerikaner des 19. Jahrhunderts. Und dies hat seinen Grund, wie wir gleich erfahren werden.
    Geboren wurde Carl Christian Schurz am 2.3.1829 in dem kleinen Ort Liblar bei Köln. In der Domstadt besuchte er das Marzellengymnasium, studierte seit 1847 Philologie und Geschichte in Bonn und war dort Mitglied der Burschenschaft Frankonia. Im Revolutionsjahr 1848 schloß er sich der demokratischen Bewegung an, gründete mit Gleichgesinnten einen "Club der Demokraten" und gab mit diesen dessen Organ, die "Bonner Zeitung" heraus.
    Im Jahre 1849 nahm er am badisch-pfälzischen Maiaufstand teil und floh nach der Kapitulation der badischen Festung Rastatt am 21.7.1849 in die Schweiz. Im Herbst 1850 begab er sich heimlich nach Berlin und befreite seinen Freund und Lehrer Gottfried Kinkel aus der Festungshaft in Spandau. Über Frankreich emigrierte er nach Großbritannien, von wo er 1852 kurz nach seiner Heirat mit seiner Ehefrau in die USA ging.
    Anfangs ließ Carl Schurz sich in Philadelphia, ab 1855 als Farmer in Watertown/ Wisconsin nieder, wo seine Frau im Jahre 1856 den ersten Kindergarten in den USA gründete. Nach seiner dortigen Tätigkeit im Stadtrat, als Landagent, als Notar (ab 1856) und als Publizist begann Schurz ab 1858 als Anwalt in Milwaukee zu arbeiten.
    Als dezidierter Gegner der Sklaverei schloß er sich bereits 1856 der zwei Jahre zuvor gegründeten Republikanischen Partei an. Schurz war für diese vor allem als glänzender Redner wertvoll, der viele seiner eingewanderten deutschen Landsleute im Mittleren Westen für die Ziele der Republikaner gewinnen konnte und so 1860 entscheidend zum Wahlsieg Abraham Lincolns beitrug, der ihn deshalb 1861 zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Madrid ernannte. Ein Jahr später kehrte Carl Schurz in die USA zurück, um am amerikanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Er befehligte als Brigadegeneral in den Jahren 1862/63 zwei Freiwilligendivisionen der Nordstaaten, nahm an den Schlachten von Bull Run, Fredericksburg, Chancellorsville und Gettysburg teil, wurde im Sommer 1863 zum Generalmajor befördert und befehligte zwischen September 1863 und Januar 1864 die "Army of the Cumberland".
    Nach der Kapitulation der Konföderierten Staaten im Jahre 1865 unternahm er im Auftrag Präsident Andrew Johnsons im Sommer 1865 eine Inspektionsreise in den Süden und forderte die Gewährung des Wahlrechts für die ehemaligen Negersklaven als Bedingung für die Wiedereingliederung der Südstaaten in die Union.
    Danach war Schurz in New York, Detroit und St. Louis publizistisch tätig, u.a. seit 1867 als Miteigentümer der deutschsprachigen "Westlichen Post". Im Jahre 1868 wurde er als Senator für Missouri in den amerikanischen Kongreß gewählt und gründete 1872 aus Protest gegen die grassierende Korruption in der Republikanischen Partei die "Liberal Republican Party". Nach dem Ende seiner Amtsperiode im Jahre 1875 wandte er sich jedoch wieder den Republikanern zu und wurde 1877 von Präsident Rutherford Hayes zum amerikanischen Innenminister ernannt. In dieser Amtsfunktion leitete er gegen die bisher vorherrschende Praxis "politischer Ernennungen" im öffentlichen Dienst eine Reform zu einem professionellen Verwaltungsapparat ein, verbesserte die Arbeitsweise des "Bureau of Indian Affairs" und setzte sich nachhaltig für die Eingliederung der Indianer in die amerikanische Gesellschaft ein.
    Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jahre 1881 war er u.a. Herausgeber der "New York Evening Post", Journalist bei "Harper´s Weekly", aber auch als Buchautor ("The Life of Henry Clay", 1887; "Abraham Lincoln" , 1891) tätig. Zwischen 1888 und 1892 übernahm er die Generalvertretung der "Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt- Aktiengesellschaft (HAPAG)". Bei seinem Deutschlandbesuch im Jahre 1888 traf er u.a. mit Reichskanzler Otto von Bismarck und Kronprinz Friedrich zusammen.
    In seinen späten Jahren setzte Carl Schurz sich weiterhin für Reformen des amerikanischen öffentlichen Dienstes ein, so war er zwischen 1892 und 1901 Präsident der "National Civil Service Reform League". Er war ein entschiedener Gegner des Spanisch- Amerikanischen Krieges von 1898 und sprach sich entgegen dem Zeittrend gegen eine allgemeine imperialistische Außenpolitik der USA aus.
    Carl Schurz war neben seinen zahlreichen Funktionen über viele Jahrzehnte hinweg der herausragendste Repräsentant und das Sprachrohr der Deutschamerikaner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er starb am 14. Mai 1906 in New York und fand seine letzte Ruhestätte in der Sleepy Hollow Cemetery in Tarrytown/ New York.

    www.youtube.com/watch?v=zronYdfxQrY
    www.youtube.com/watch?v=tr5OuoOJ3js

    105

    Samstag, 22. Januar 2022, 15:38

    The American Corner - Über die deutsche Ketteneinwanderung nach Wisconsin

    Während in den USA fast jeder siebte Einwohner deutsche Wurzeln hat, bilden Bundesstaaten wie Wisconsin eine Ausnahme, denn hier ist fast jeder zweite Bewohner deutschstämmig. Auch wenn in einer Großstadt wie Milwaukee heute kaum noch deutsch gesprochen wird, zeigen sich die Spuren deutscher Einwanderung an fast jeder Straßenecke: durch Firmierungen, Straßen-, Namens- und Geschäftsbezeichnungen.
    Wie kam es zu dieser Entwicklung ? Einer der frühesten Propagandisten für die deutsche Auswanderung nach Wisconsin war der Rheinhesse Franz Neukirch, und dies zu einer Zeit, als die dünnbesiedelte Gegend am Michigansee in Deutschland praktisch noch unbekannt war. In den späten 1840er Jahren trugen seine Berichte in der Zeitung "Der Deutsche Auswanderer" erheblich dazu bei, die Attraktivität Wisconsins in Deutschland zu steigern.
    Franz Neukirch wurde 1796 vermutlich in Mainz geboren. Aufgrund angeblicher Dienstvergehen während seiner Tätigkeit als Revierförster, die in Strafverfahren mündeten, verließ er im Jahre 1839 Deutschland und wanderte in die USA aus. Unmittelbar nach seiner Ankunft in New York reiste Neukirch nach Milwaukee und erwarb südlich der Stadt einen Grundbesitz von 80 acres (32 Hektar) für 100 Dollar. Seine Frau Philippina und ihre Kinder folgten dem Auswanderer bereits 1840 in die Neue Welt. Trotz der harten Pionierarbeit fand Neukirch genügend Gelegenheiten, in Briefen an Familienangehörige und Freunde die Vorzüge des Lebens in Wisconsin zu schildern. Seine Farm in einem nicht besonders dicht bewachsenen Wald sei sehr fruchtbar, auch hob er das gesunde Klima Wisconsins hervor. Wildbret, Fische und eine große Auswahl an wilden Früchten böten dem Neuankömmling eine breite Nahrungsgrundlage. Auch suche sich das Vieh seine Nahrung im Wald weitgehend selbst. Der Kontakt zu anderen deutschen und amerikanischen Siedlern sei freundschaftlich, jeder habe eine Blockhütte, um die er den Wald allmählich lichte und den Boden urbar mache. Schulen und Kirchen seien ebenso wie Straßen und Kanäle bereits im Entstehen. Trotz niedriger Getreidepreise sei die Landwirtschaft durchaus lohnenswert, und Neukirch faßte zusammen:
    "Unter diesen Verhältnissen sollte man jeden armen und in Deutschland überflüssigen Tagelöhner hierher wünschen, wo die meisten Deutschen ihr Land in kurzer Zeit mit der Hand verdient und sich so eine unabhängige und sorgenfreie Existenz errungen haben."
    Neukirchs Briefe aus Wisconsin fanden alsbald weite Verbreitung in seiner früheren Heimat. Vermutlich sorgte bereits seine Frau dafür, daß sie in Umlauf gebracht wurden, denn bereits 1840 wanderten mehrere Familien aus Neukirchs näherer Heimat nach Wisconsin aus. Es ist davon auszugehen, daß in der schwierigen Zeit des Pauperismus in Deutschland Neukirchs Berichte von Hand abgeschrieben und weitergereicht oder als Handzettel gedruckt wurden.
    Bereits 1845 würdigte die Zeitung "Wiskonsin- Banner" Neukirch als verdienten Pionier des Landes. Sie stellte ihn neben Carl E. Hasse, den Verfasser einer der ersten deutschen Reisebeschreibungen über das Gebiet. Neukirch habe "durch seine der Wahrheit getreuen Briefe nach Rheinhessen eine fast unwiderstehliche Auwanderungslust nach Wisconsin dort hervorgebracht. ...Tausende von Rheinhessen wohnen nun hier, und es ist uns bis jetzt kein Fall bekannt, wo auch nur einer derselben seine Uebersiedlung nach Wisconsin bereut hätte !"
    1844 verkaufte Neukirch seine Farm für tausend Dollar und zog nach Milwaukee, wo er die Brauerei seines Schwiegersohnes Johann Jakob Meier übernahm. Sein Unternehmen, das er zusammen mit einem anderen rheinhessischen Einwanderer führte, entwickelte sich sehr erfolgreich. Die anfallenden Gewinne investierte Neukirch in den Ausbau des Betriebs und in Landbesitz. Nicht zuletzt aus diesem Grund bemühte er sich weiterhin um die Ansiedlung von Landsleuten in seiner Region. Eine geeignete Plattform hierfür fand Neukirch in der zwischen 1847 und 1850 erschienenen Zeitschrift "Der Deutsche Auswanderer". Seine dort abgedruckten Briefe und Berichte erreichten ein Publikum im ganzen deutschsprachigen Raum. Als Ansiedlungsgebiet empfahl die Zeitung vor allem Wisconsin:
    "Wenn irgendein Gebiet, dann hat dieß für Deutschland eine hohe Bedeutung, denn es wird vor allen andern Staaten der Union ein deutsches Gebiet, der Kern deutschen Lebens in Nordamerika werden. Zwei Fünftel der Hauptstadt Milwaukee, wie des ganzen Staates, sind schon deutsch."
    Meist reisten zu dieser Zeit deutsche Auswanderer im Familienverband nach Wisconsin. Der Anteil der Einzelauswanderer in den 1840er und 1850er Jahren dürfte dagegen deutlich geringer gewesen sein, obwohl er sich anhand der Quellen nicht genau beziffern läßt. Die Auswanderung von Familienverbänden ging meist in die ländlichen Gebiete Wisconsins, junge Alleinstehende fanden dagegen eher in den Städten insbesondere des Ostens Arbeit, zumal sie aufgrund ihrer Vermögenssituation meist nicht in der Lage waren, sofort Grundbesitz zu erwerben. Heutige Forschungen gehen von rund 75 % Familieneinwanderungen und 25 % Alleinreisenden für diesen Zeitrahmen aus. Die Familieneinwanderung erfolgte oft in Etappen, so wurden zunächst ein oder mehrere erwachsene Söhne von ihren Eltern auf "Erkundungstour" geschickt. Auch konnten sich Ketteneinwanderungen bisweilen aus unterschiedlichen Gründen, meist waren es solche finanzieller Art, auch über einen längeren Zeitraum erstrecken.

    106

    Sonntag, 23. Januar 2022, 17:10

    Wieder ein hochinteressanter Bericht. Vielen Dank!

    107

    Gestern, 12:27

    "Die Familieneinwanderung erfolgte oft in Etappen, so wurden zunächst ein oder mehrere erwachsene Söhne von ihren Eltern auf "Erkundungstour" geschickt."

    Wo hab ich das nur erst neulich gelesen, es scheint wohl eine erfolgreiche Taktik zu sein, sich "anderswo" zu etablieren .

    108

    Gestern, 15:05

    The American Corner - Pauperismus als Ursache der Auswanderung in die Vereinigten Staaten

    Deutschland war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alles andere als ein wohlhabendes Land. Massenarmut, damals auch als "Pauperismus" bezeichnet, war weit verbreitet, und dies hatte verschiedene Ursachen. Ab ca. 1750 hatte das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" seine gigantischen Bevölkerungsverluste, hervorgerufen durch den Dreißigjährigen Krieg, wieder annähernd ausgeglichen, und in den Folgejahrzehnten nahm die Bevölkerung rapide zu, so daß es insbesondere in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion kam. Dabei vermehrten sich insbesondere die im ländlichen Raum lebenden Unterschichten. Möglich geworden war das durch verbesserte Anbaumethoden und insbesondere durch die Einführung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel für die ländliche Bevölkerung, die bei gleicher Anbaufläche im Vergleich zu Getreide die dreieinhalbfache Nahrungsenergie zur Verfügung stellte.
    Ganz wesentlich war darüber hinaus, daß gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts viele grundherrschaftliche Bindungen wegfielen, die meist mit mehr oder weniger rigiden Heiratsbeschränkungen verbunden waren. Durch die Bauernbefreiung wurden oft aus zwar erbuntertänigen, jedoch in der Praxis meist selbständig wirtschaftenden Bauern lohnabhängige Landarbeiter, die zwar nun rechtlich frei waren, jedoch sich ihre "Freiheit durch Ablösung" an den Grundherrn teuer erkaufen mußten. Viele waren daher mangels ausreichender finanzieller Mittel dazu gezwungen, sich den Grundherren als Lohnarbeiter anzubieten. Insbesondere in "Ostelbien" wurde diese Entwicklung von den Gutsbesitzern sogar begrüßt, da sie an einer Landarbeiterschicht, die es im Vergleich zu den ehemaligen erbuntertänigen Bauern nicht mehr zu versorgen und zu unterstützen galt, großes Interesse hatten.
    Heute ist man sich weitgehend darüber einig, daß es für die Entstehung des Pauperismaus im frühen 19. Jahrhundert verschiedene Ursachen gab. Der Hauptgrund war das rasche Bevölkerungswachstum bei stagnierendem Produktivitätszuwachs, infolgedessen ein bedeutender Teil der damaligen deutschen Bevölkerung am oder sogar unter dem Existenzminimum lebte. Als sich dann Agrarkrisen, verbunden mit Mißernten wie 1816/17 und 1847 mit einer wirtschaftlichen Rezession verbanden, entstand erst die eigentliche Pauperismuskrise.
    Dies führte dazu, daß zwischen 1815 und 1848 ca. 600.000 Bewohner aus den damaligen deutschen Bundesstaaten auswanderten; rund 90 Prozent von ihnen versuchten ihr Glück in den USA. Besonders groß war die Auswanderungswelle in den späten 40er Jahren, als sich mit Pauperismus und einer Ernährungskrise die sozialen Mißstände im Gebiet des späteren Deutschen Reich zuspitzten. Die meisten deutschen Auswanderer dieser Jahre waren Kleinbauern, Handwerker und Tagelöhner, die meisten von ihnen mit Familie. Aufgrund der herrschenden sozialen Not waren einzelne Gemeinden sogar bereit, den Auswanderungswilligen Zuschüsse zu den Kosten der Überfahrt via Hamburg oder Bremerhaven zu bewilligen.
    Für die meisten der Auswanderer begann die äußerst strapaziöse Reise während der Biedermeierzeit mit einer Postkuschenfahrt oder zu Fuß von ihrem Heimatort zu den Überseehäfen Hamburg oder Bremerhaven. Für die Mehrheit von ihnen war der Abschied von Deutschland ein Abschied für immer. Am Ziel der Reise angekommen, stellten zu dieser Zeit Briefe die einzige Verbindung in die alte Heimat dar. In ihnen berichteten die Auswanderer über ihre Erfahrungen, den Alltag und die Lebensgewohnheiten in der Fremde. Oft beinhalteten die Briefe auch Erfolgsgeschichten, die in den Heimatorten Verwandten und Freunde ebenfalls zur Auswanderung anregten.
    Weitere zwei Millionen Deutsche verließen ihre Heimat zwischen 1850 und 1870 meist in Richtung USA, davon fast die Hälfte von ihnen in den Jahren bis 1855.

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    Gestern, 20:47

    RE: The American Corner - Pauperismus als Ursache der Auswanderung in die Vereinigten Staaten

    Was mich wirklich wundert (in einem frueheren Artikel von Dir im vergangenen Jahr) ist die Tatsache, dass relativ wenige deutsche Auswanderer nach 1945 in die USA ausgewandert sind. Die Zahl ging nur in die Hunderttausende (ich haette sie auf ueber eine Million geschaetzt).

    Ich habe sehr oft ueber diese Auswanderer gelesen, die nach dem WW II auswanderten, sei es in Buechern oder im deutschen Fernsehen.
    Deutschland war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alles andere als ein wohlhabendes Land. Massenarmut, damals auch als "Pauperismus" bezeichnet, war weit verbreitet, und dies hatte verschiedene Ursachen. Ab ca. 1750 hatte das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" seine gigantischen Bevölkerungsverluste, hervorgerufen durch den Dreißigjährigen Krieg, wieder annähernd ausgeglichen, und in den Folgejahrzehnten nahm die Bevölkerung rapide zu, so daß es insbesondere in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion kam. Dabei vermehrten sich insbesondere die im ländlichen Raum lebenden Unterschichten. Möglich geworden war das durch verbesserte Anbaumethoden und insbesondere durch die Einführung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel für die ländliche Bevölkerung, die bei gleicher Anbaufläche im Vergleich zu Getreide die dreieinhalbfache Nahrungsenergie zur Verfügung stellte.
    Ganz wesentlich war darüber hinaus, daß gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts viele grundherrschaftliche Bindungen wegfielen, die meist mit mehr oder weniger rigiden Heiratsbeschränkungen verbunden waren. Durch die Bauernbefreiung wurden oft aus zwar erbuntertänigen, jedoch in der Praxis meist selbständig wirtschaftenden Bauern lohnabhängige Landarbeiter, die zwar nun rechtlich frei waren, jedoch sich ihre "Freiheit durch Ablösung" an den Grundherrn teuer erkaufen mußten. Viele waren daher mangels ausreichender finanzieller Mittel dazu gezwungen, sich den Grundherren als Lohnarbeiter anzubieten. Insbesondere in "Ostelbien" wurde diese Entwicklung von den Gutsbesitzern sogar begrüßt, da sie an einer Landarbeiterschicht, die es im Vergleich zu den ehemaligen erbuntertänigen Bauern nicht mehr zu versorgen und zu unterstützen galt, großes Interesse hatten.
    Heute ist man sich weitgehend darüber einig, daß es für die Entstehung des Pauperismaus im frühen 19. Jahrhundert verschiedene Ursachen gab. Der Hauptgrund war das rasche Bevölkerungswachstum bei stagnierendem Produktivitätszuwachs, infolgedessen ein bedeutender Teil der damaligen deutschen Bevölkerung am oder sogar unter dem Existenzminimum lebte. Als sich dann Agrarkrisen, verbunden mit Mißernten wie 1816/17 und 1847 mit einer wirtschaftlichen Rezession verbanden, entstand erst die eigentliche Pauperismuskrise.
    Dies führte dazu, daß zwischen 1815 und 1848 ca. 600.000 Bewohner aus den damaligen deutschen Bundesstaaten auswanderten; rund 90 Prozent von ihnen versuchten ihr Glück in den USA. Besonders groß war die Auswanderungswelle in den späten 40er Jahren, als sich mit Pauperismus und einer Ernährungskrise die sozialen Mißstände im Gebiet des späteren Deutschen Reich zuspitzten. Die meisten deutschen Auswanderer dieser Jahre waren Kleinbauern, Handwerker und Tagelöhner, die meisten von ihnen mit Familie. Aufgrund der herrschenden sozialen Not waren einzelne Gemeinden sogar bereit, den Auswanderungswilligen Zuschüsse zu den Kosten der Überfahrt via Hamburg oder Bremerhaven zu bewilligen.
    Für die meisten der Auswanderer begann die äußerst strapaziöse Reise während der Biedermeierzeit mit einer Postkuschenfahrt oder zu Fuß von ihrem Heimatort zu den Überseehäfen Hamburg oder Bremerhaven. Für die Mehrheit von ihnen war der Abschied von Deutschland ein Abschied für immer. Am Ziel der Reise angekommen, stellten zu dieser Zeit Briefe die einzige Verbindung in die alte Heimat dar. In ihnen berichteten die Auswanderer über ihre Erfahrungen, den Alltag und die Lebensgewohnheiten in der Fremde. Oft beinhalteten die Briefe auch Erfolgsgeschichten, die in den Heimatorten Verwandten und Freunde ebenfalls zur Auswanderung anregten.
    Weitere zwei Millionen Deutsche verließen ihre Heimat zwischen 1850 und 1870 meist in Richtung USA, davon fast die Hälfte von ihnen in den Jahren bis 1855.

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    Heute, 14:09

    Deutsche Auswanderung in die USA nach 1945

    Es gab verschiedene Phasen der deutschen Auswanderung in die USA nach 1945, Chrissie.
    1. Die Zeit zwischen 1945 und 1948/49. Deutsche Auswanderer waren in diesem Zeitrahmen in den Staaten weitgehend unerwünscht. Soweit ich mich erinnere, wurden in diesem Zeitrahmen lediglich 1.600 Reichsdeutsche eingebürgert, die meisten davon Spezialisten, deren berufliche Kenntnisse in den USA gesucht waren. Vielmehr steht dieser Zeitrahmen für zahlreiche "Displaced Persons", die überwiegend über Bremerhaven in die USA auswanderten. Dies waren meist ehemalige Zwangsarbeiter sowie Vertriebene aus den osteuropäischen Ländern und ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager, darunter naturgemäß viele Juden. Erst mit der Entstehung des "Kalten Kriegs" war es durch eine Lockerung der Auswanderungsbeschränkungen ab 1948/49 auch Deutschen wieder gestattet, vermehrt in die Staaten auszuwandern.
    2. Die 50er Jahre. Sie bildeten das Schwergewicht der deutschen Auswanderung in die USA in der Nachkriegszeit . Die Rede ist von rund sechzig- bis siebzigtausend deutschen Migranten, die damals pro Jahr in die Staaten auswanderten. Warum es nicht mehr waren ? Bei aller Dürftigkeit der damaligen Zeit gab es dennoch keine Massenarbeitlosigkeit in der Bundesrepublik dieser Jahre. Man kam über die Runden und sah, daß es Jahr für Jahr wirtschaftlich besser wurde und wieder aufwärts ging. Ausgewandert sind damals vor allem viele Handwerker und Facharbeiter mit und ohne Familienanhang, die teils gezielt von amerikanischen Unternehmen angeworben wurden.
    3. Die Jahre ab 1960. Ab 1959/60 begann die Phase der bundesdeutschen Hochkonjunktur, so daß sich wirtschaftliche Gründe für eine Auswanderung weitgehend erübrigten. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß in den 60ern das Auswanderergeschäft in Hamburg und Bremerhaven von ständig sinkenden Passagierzahlen begleitet war, da der zunehmende Flugverkehr zum recht schnellen Niedergang der Passagierschiffahrt führte. Mit dem Flugzeug schrumpfte die Reisezeit zwischen Europa und den USA auf weniger als eine Tageslänge, auch wurde eine Rückkehr in die alte Heimat nun bedeutend leichter. Im Mai 1974 verließen die letzten Auswanderer per Schiff via Bremerhaven ihre alte Heimat.