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    Samstag, 11. September 2021, 15:10

    Leben im anderen Deutschland - Die 60er Jahre in der DDR (II)

    Soziale Verbesserungen in den 60ern
    Anfang 1964 wurden die DDR- Renten, die bis dahin ein überaus beschämendes Niveau hatten, erhöht. Die Verbesserungen kamen allerdings vor allem denjenigen Rentnern zugute, die auf ein langes Arbeitsleben zurückblicken konnten und entsprechende Beiträge an die Sozialkassen bezahlt hatten. Ich erinnere mich an die sehr kleine Rente meiner Großmutter, die als "Nur- Hausfrau" und Mutter von zwei Kindern in den 60ern um die 200,-/250,- MDN Rentenbezüge hatte, in einer kleinen, nicht renovierten Altbauwohnung lebte und sich Fleischgerichte nur an Sonn- und Feiertagen leisten konnte. Insofern machten die zahlreichen von uns geschickten "Pakete nach drüben" schon Sinn, zumal sie oft höherwertige und in der DDR sehr teure Lebensmittel wie Schokolade und Bohnenkaffee enthielten.
    Weiterhin wurde der Schwangerschafts- und Wöchnerinnenurlaub für alle berufstätigen Frauen auf 14 Wochen verlängert.
    Ab September 1967 führte die DDR durchgängig für fast alle Berufsgruppen die Fünftagewoche ein. Allerdings nicht ohne einen Wermutstropfen, denn gleichzeitig fielen Ostermontag, der 8. Mai (in der DDR bis dahin als "Tag der Befreiung" gesetzlicher Feiertag) sowie Christi Himmelfahrt und der Buß- und Bettag als Feiertage fort. Karfreitag und und Pfingstmontag blieben zwar bestehen, mußten jedoch an den darauffolgenden Samstagen als reguläre Arbeitstage nachgeholt werden.
    Im Vergleich zu den 50er Jahren mit seinen zahlreichen Versorgungsengpässen wurde die Bevölkerung der DDR in den 60ern bereits deutlich besser mit Konsumgütern versorgt. Im Vergleich zum geradezu explodierenden Wohlstandsniveau der Bundesrepublik blieb freilich ein deutlicher Rückstand bestehen, der von den DDR- Bürgern auch deutlich als ein solcher wahrgenommen wurde. Man informierte sich über die elektronischen Westmedien und verschaffte sich zusätzliche Informationen über die zahlreichen Besuche von Westverwandten dieser Jahre. Rätselhaft bleibt bis heute, warum in diesem Zeitrahmen seitens der DDR keine Störsender eingesetzt wurden, um den Radio- und Fernsehempfang von Sendern des "Klassenfeindes" zu unterbinden.
    Im Vergleich mit den anderen Mitgliedsstaaten des RGW verlief die Entwicklung der DDR- Wirtschaft eindeutig positiver. Die DDR entwickelte sich zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Staaten des Warschauer Paktes direkt nach der Sowjetunion. Der Abschluß eines langfristigen Handelsabkommens mit der UdSSR im Dezember 1965 festigte die Stellung als größter Außenhandelspartner mit dem "großen Bruder", was allerdings auch eine Reihe von Abhängigkeiten nach sich zog. Bezogen auf das Pro- Kopf- Einkommen und den Lebensstandard, lag die DDR Mitte der 60er Jahre neben der CSSR an einsamer Spitze, gefolgt von Ungarn, während Polen, Rumänien, Bulgarien und selbst die UdSSR der Spitzengruppe erheblich hinterherhinkten. Hier zeigte sich der immer noch bestehende Vorsprung der alten mitteleuropäischen Industrienationen vor einer Reihe anderer Länder sozialistischer Prägung, die mit dieser Entwicklung später begonnen hatten.
    In den Jahren 1969/70 kamen allerdings immer größere Probleme zutage, die das NÖS- Konzept der "strukturbestimmenden Ausgaben" mit seiner bevorzugten Förderung einiger Schlüsselindustrien verursacht hatte. Diejenigen Industriebranchen, die nicht von dieser speziellen Förderung profitiert hatten, konnten die von ihnen eingeforderten Leistungen als Zuliefer- oder weiterverarbeitende Betriebe nicht mehr erbringen . Auch fehlten die für die industrielle Automatisierung eingesetzten Mittel nun zunehmend bei der Erzeugung von Konsumgütern. Im Verlauf des Jahres 1970 wuchs daher die Unzufriedenheit innerhalb der DDR- Bevölkerung, da es zunehmend in vielen Bereichen Versorgungsengpässe gab. Insbesondere die Angebote an Kleidung, Schuhen und Möbeln sowie an hochwertigen Nahrungsmitteln reichten nicht mehr aus.
    Im Dezember 1970 mußte das ZK der SED auf seiner 14. Tagung resigniert feststellen, daß im Verlauf des Fünfjahresplans 1966 bis 1970 die Industrieproduktion zwar jährlich um sechs Prozent zugenommen hatte, daß aber essentielle Ziele des Plans überhaupt nicht erreicht worden waren. Dies galt insbesondere für die Energieversorgung, die Zulieferindustrie, das Bauwesen und die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung. Auch das Wachstum der Arbeitsproduktivität lag um die Hälfte unter dem eigentlichen Soll.
    Diese Zustandsbefunde sowie die zu dieser Zeit stattfindenden wilden Streiks polnischer Arbeiter veranlaßten das ZK der SED, die Experimente mit dem "NÖS" zu beenden. Zahlreiche Investitionspläne wurden storniert, und die zentrale staatliche Planung kehrte zum alten System detaillierter Vorgaben und von Plankennziffern zurück. Das endgültige Scheitern des "NÖS" war auch einer der Gründe für die Ablösung des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht im Mai 1971 durch Erich Honecker, die vordergründig "aus Altersgründen" erfolgte, aber nicht zuletzt durch Druck seitens der Staatsführung der Sowjetunion stattfand, der Ulbricht zu eigenmächtig wurde und die mit dem System des "NÖS" nicht konform ging.

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    Sonntag, 12. September 2021, 06:44

    RE: Leben im anderen Deutschland - Die 60er Jahre in der DDR (II)

    In Dresden hat man - wie ich oft hoerte - kein Westfernsehen empfangen koennen, deshalb nannte man es auch oft Tal der Ahnungslosen oder Tald er Unwissenden.
    Man informierte sich über die elektronischen Westmedien und verschaffte sich zusätzliche Informationen über die zahlreichen Besuche von Westverwandten dieser Jahre. Rätselhaft bleibt bis heute, warum in diesem Zeitrahmen seitens der DDR keine Störsender eingesetzt wurden, um den Radio- und Fernsehempfang von Sendern des "Klassenfeindes" zu unterbinden.

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    Sonntag, 12. September 2021, 13:16

    Das Tal der Ahnungslosen und Störsender

    Yup, Ostsachsen galt gemeinhin als "Das Tal der Ahnungslosen", wobei findige Zeitgenossen mittels "Technik" die fehlenden Kilometer Reichweite durchaus überbrücken konnten.
    Was Störsender betraf, waren die Russen um einiges skrupelloser als die Genossen in der DDR. Noch in den 70ern wurden westliche Kurzwellensender wie "Deutsche Welle" oder "Voice of America" auf bestimmten Frequenzen massiv vom Iwan "gejammt", während Radio Moskau auf KW bei uns meist glasklar zu empfangen war.

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    Dienstag, 14. September 2021, 16:20

    RE: Das Tal der Ahnungslosen und Störsender

    Meinen DDR-Grosseltern ging es finanziell recht gut. Wann immer wir sie jedes Jahr besuchten, fehlte es ihnen an (fast) nichts.
    Mein Onkel machte sich 1970 in Eberswalde mit einer Autoreparaturwerkstatt selbststaendig (das war der Grund fuer den Umzug von Pegau nach Eberswalde), was damals in der DDR wohl eher die Ausnahme war.
    Das einzige, was sie von Herzen bedauerten, war die Tatsache, nicht in westliche Laender wie England oder Frankreich reisen zu koennen.
    Wie gern haetten sie einmal Paris wiedergesehen, das sie nur vor dem WW II besucht haben.
    Ab 1990 holten mein Onkel und meine Tante all die versaeumten Reisen nach, waren u. a. auch zweimal in den USA.
    Fuer meine DDR-Grosseltern jedoch kam der Mauerfall zu spaet, sie starben in den fruehen 80er Jahren bzw 1986.

    Westfernsehen wurde in Pegau bei Leipzig ausschliesslich angeschaut dank spezieller Antennen.
    Ich erinnere mich an einen Witz, den mein Opa damals gern erzaehlte:
    Eduard von Schnitzler (Der schwarze Kanal) und ein anderer DDR-Reisender sitzen in einem Zug.

    Der andere Reisende spricht ihn mehrmals mit Herr von Schnitz an, und schliesslich macht ihn Eduard darauf aufmerksam, dass sein voller Name von Schnitzler sei.
    Da gab der Reisende zu, dass er immer aufs Westfernsehen umstellen wuerde, sobald von Schnitz auf dem Bildschirm des DDR Fernsehen auftaucht.
    Quote: Einem DDR-Witz zufolge hatte Schnitzler einen
    Nachbarn, der ihn immer nur mit "Herr Schnitz" ansprach. Von Schnitzler
    auf den richtigen Namen hingewiesen, meinte der Nachbar: "Da sehen Sie,
    wie schnell ich immer abschalte, sobald Ihr Gesicht erscheint." :D
    Yup, Ostsachsen galt gemeinhin als "Das Tal der Ahnungslosen", wobei findige Zeitgenossen mittels "Technik" die fehlenden Kilometer Reichweite durchaus überbrücken konnten.
    Was Störsender betraf, waren die Russen um einiges skrupelloser als die Genossen in der DDR. Noch in den 70ern wurden westliche Kurzwellensender wie "Deutsche Welle" oder "Voice of America" auf bestimmten Frequenzen massiv vom Iwan "gejammt", während Radio Moskau auf KW bei uns meist glasklar zu empfangen war.

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    Dienstag, 14. September 2021, 18:29

    Handwerk in der DDR und Witze

    Da hattest du Großeltern, die aus besseren Kreisen stammten und/oder Westverwandtschaft mit Spendierhosen hatten. Wenn dazu noch in der Verwandtschaft ein handwerklicher Hintergrund vorhanden war , war man fast immer der Gewinner. Es gab ein DDR- Tauschmagazin (Name ist mir leider entfallen), in dem man seine Waren oder Dienstleistungen anbieten konnte. Man fand dort u.a Anzeigen wie diese: "Biete Dienstleistungen als Klempner, Elektriker, KfZ- Mechaniker (oder wie auch immer), suche blaue Kacheln". Nun wußte jeder gelernte DDR- Bürger, daß an Kacheln und Fliesen nur sehr schwer ranzukommen war. Jeder kannte aber auch die Chiffre- Übersetzung der "blauen Kacheln". Gemeint waren Hundertmarkscheine, natürlich in Valuta, also DM.

    Die DDR- Witze waren teilweise legendär. "Erich Honecker fährt anläßlich einer Gala zum Palast der Republik (auch wegen der zahllosen Leuchter bekannt als "Erichs Lampenladen"). Alle Straßen Ost- Berlins sind wie ausgestorben, kein Mensch ist zu sehen. Erich wundert sich, fährt am Palast der Republik vorbei und kommt schließlich auch zur Berliner Mauer, fährt daran entlang und erblickt schließlich ein riesiges Loch darin. Daneben hängt ein Zettel mit der Aufschrift: "Erich, mach´s wieder zu, du bist der Letzte !".

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    Dienstag, 14. September 2021, 20:06

    RE: Handwerk in der DDR und Witze

    Der Grossvater war Apotheker.
    Nein, keine Westverwandtschaft mit Spendierhosen.
    Herrlich, der Witz!
    Den kannte ich noch nicht.
    Da hattest du Großeltern, die aus besseren Kreisen stammten und/oder Westverwandtschaft mit Spendierhosen hatten. Wenn dazu noch in der Verwandtschaft ein handwerklicher Hintergrund vorhanden war , war man fast immer der Gewinner. Es gab ein DDR- Tauschmagazin (Name ist mir leider entfallen), in dem man seine Waren oder Dienstleistungen anbieten konnte. Man fand dort u.a Anzeigen wie diese: "Biete Dienstleistungen als Klempner, Elektriker, KfZ- Mechaniker (oder wie auch immer), suche blaue Kacheln". Nun wußte jeder gelernte DDR- Bürger, daß an Kacheln und Fliesen nur sehr schwer ranzukommen war. Jeder kannte aber auch die Chiffre- Übersetzung der "blauen Kacheln". Gemeint waren Hundertmarkscheine, natürlich in Valuta, also DM.

    Die DDR- Witze waren teilweise legendär. "Erich Honecker fährt anläßlich einer Gala zum Palast der Republik (auch wegen der zahllosen Leuchter bekannt als "Erichs Lampenladen"). Alle Straßen Ost- Berlins sind wie ausgestorben, kein Mensch ist zu sehen. Erich wundert sich, fährt am Palast der Republik vorbei und kommt schließlich auch zur Berliner Mauer, fährt daran entlang und erblickt schließlich ein riesiges Loch darin. Daneben hängt ein Zettel mit der Aufschrift: "Erich, mach´s wieder zu, du bist der Letzte !".

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    Dienstag, 14. September 2021, 21:00

    Mein Favorit

    Die DDR habe ich 1968 in Form eines Tagesausflugs -kurz- kennengelernt. Eine Klassenfahrt führte nach Westberlin und dort konnte man den Trip in den Osten machen. Wir wurden beäugt wie gepunktete Zebras, zumindest hatte man das Gefühl. Zudem wurden wir mehrfach nach WestZigaretten gefragt. So wirklich sicher gefühlt habe ich mich damals nicht, den Betrag an Ostmark, 5 DM Zwangsumtausch, konnte ich nicht ausgeben. Bis auf ein wässriges Eis hatte ich nichts gekauft. Ich war froh, wieder im Westen zu sein :)

    Den hab ich von "Ossis", die via Ausreiseantrag/Bautzen in den Westen freigekauft wurden:

    In einem Kaufhaus in der DDR fragt ein Kunde "Entschuldigung, haben sie hier keine Badehosen?"
    Die Verkäuferin antwortet "nein, wir haben hier keine Pullover, keine Badehosen finden sie im dritten Stock"

    So viel zur Versorgungslage ;)

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    Dienstag, 14. September 2021, 22:16

    Einer geht noch

    "Beklemmungen" irgendwelcher Art hatte ich während meiner DDR- Besuche in den 60er/ 70er Jahren eigentlich nie. Meist erhielten wir Einladungen unserer Verwandten, so daß umständliche Formalitäten weitgehend entfielen. Der Nachteil war, daß wir den Ort, in dem unsere Verwandten wohnten, eigentlich nicht verlassen durften. Ich bin in den 70ern dann doch mit der "Reichsbahn" (die hieß aus juristischen Gründen tatsächlich noch so) fleißig zwischen Halle und Stendal hin und hergependelt, zumal die Fahrpreise konkurrenzlos günstig waren.

    Einer geht noch: Erich Honecker betritt des Morgens sein Arbeitszimmer, in das die Sonne hereinscheint. "Guten Morgen, liebe Sonne", sagt Erich. "Guten Morgen, lieber Erich", antwortet die Sonne brav. Mittags die gleiche Prozedur, als Erich in der Kantine sein Mittagessen zu sich nimmt. Abends wiederholt sich das ganze, als Erich nach Hause gefahren wird. "Guten Abend, liebe Sonne", sagt Erich und ahnt nichts Böses. Diesmal antwortet die Sonne: "Ach leck mich doch am Arsch, Erich, jetzt bin ich schon im Westen ! "

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    Mittwoch, 15. September 2021, 00:02

    RE: Einer geht noch

    Beklemmungen hatte ich nie, weil unsere Verwandten uns einluden.
    Selbst als ich von der VoPo ins Verhoer genommen wurde bei meinem vorletzten Besuch 1986 (da war mein erster Ex-Mann noch bei der Bundeswehr und durfte nicht mit rueber), blieb ich gelassen, und gab ihnen einfach keine Details.

    Irgendwann gaben sie das Verhoer auf, und ich durfte wieder gehen.
    Aber versucht haben sie's zumindest, mich auszuhorchen.
    Der Witz mit Erich und der Sonne ist zum Kringeln!!! :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
    "Beklemmungen" irgendwelcher Art hatte ich während meiner DDR- Besuche in den 60er/ 70er Jahren eigentlich nie. Meist erhielten wir Einladungen unserer Verwandten, so daß umständliche Formalitäten weitgehend entfielen. Der Nachteil war, daß wir den Ort, in dem unsere Verwandten wohnten, eigentlich nicht verlassen durften. Ich bin in den 70ern dann doch mit der "Reichsbahn" (die hieß aus juristischen Gründen tatsächlich noch so) fleißig zwischen Halle und Stendal hin und hergependelt, zumal die Fahrpreise konkurrenzlos günstig waren.

    Einer geht noch: Erich Honecker betritt des Morgens sein Arbeitszimmer, in das die Sonne hereinscheint. "Guten Morgen, liebe Sonne", sagt Erich. "Guten Morgen, lieber Erich", antwortet die Sonne brav. Mittags die gleiche Prozedur, als Erich in der Kantine sein Mittagessen zu sich nimmt. Abends wiederholt sich das ganze, als Erich nach Hause gefahren wird. "Guten Abend, liebe Sonne", sagt Erich und ahnt nichts Böses. Diesmal antwortet die Sonne: "Ach leck mich doch am Arsch, Erich, jetzt bin ich schon im Westen ! "

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    Mittwoch, 15. September 2021, 00:09

    RE: Einer geht noch

    Ich bin Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre immer zwischen Pegau und Groitzsch hin und her gefahren, meist mit Freunden oder einem unserer Verwandten (mein Freund zu der Zeit lebte in Groitzsch, meist kam er nach Pegau).
    Wir sind nach Leipzig gefahren zu Auerbach's Keller oder auf's Voelkerschlachtdenkmal oder zu der Buchhandlung in der Innenstadt.
    Von Eberswalde ging es dann entweder nach Ost-Berlin oder zum ???hof, wo im WW II eine wichtige Konferenz stattfand (kann ich nicht googeln, da mir der Name nicht einfaellt), und wir besuchten stundenlang das Schloss und den Park von Sanssouci oder das Schiffshebewerk in Finow bzw machten Radtouren durch die Schorfheide.
    Karinhall/Carinhall in der Schorfheide war lt. meinem Onkel angeblich nicht zugaenglich, aber in einer Doku auf dem Discovery Channel gelang es ihnen tatsaechlich, in die Gewoelbe unter Carinhall einzudringen. Die wurden offenbar nicht zerstoert.
    "Beklemmungen" irgendwelcher Art hatte ich während meiner DDR- Besuche in den 60er/ 70er Jahren eigentlich nie. Meist erhielten wir Einladungen unserer Verwandten, so daß umständliche Formalitäten weitgehend entfielen. Der Nachteil war, daß wir den Ort, in dem unsere Verwandten wohnten, eigentlich nicht verlassen durften. Ich bin in den 70ern dann doch mit der "Reichsbahn" (die hieß aus juristischen Gründen tatsächlich noch so) fleißig zwischen Halle und Stendal hin und hergependelt, zumal die Fahrpreise konkurrenzlos günstig waren.

    Einer geht noch: Erich Honecker betritt des Morgens sein Arbeitszimmer, in das die Sonne hereinscheint. "Guten Morgen, liebe Sonne", sagt Erich. "Guten Morgen, lieber Erich", antwortet die Sonne brav. Mittags die gleiche Prozedur, als Erich in der Kantine sein Mittagessen zu sich nimmt. Abends wiederholt sich das ganze, als Erich nach Hause gefahren wird. "Guten Abend, liebe Sonne", sagt Erich und ahnt nichts Böses. Diesmal antwortet die Sonne: "Ach leck mich doch am Arsch, Erich, jetzt bin ich schon im Westen ! "

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    Mittwoch, 15. September 2021, 11:37

    Die DDR interessierte uns Schülern der 60er Jahre in Köln keinen Deut. Auch unsere Eltern hörte ich nicht oft darüber reden, und dass, obwohl wir in einer Gegend wohnten, in der alle Strassen ostdeutsche Städtenamen trugen (und noch immer tragen). Die Mauer wurde als "schlimm" kommentiert und der Schießbefehl auf Flüchtige abscheulich empfunden. Das war`s aber auch schon. Eine Bekannte meiner Mutter erzählte mal von Päckchen, die sie in die "Zone" schickte. Zumindest in meinem Umfeld hatte man sich mit der Trennung abgefunden.

    In späteren Jahren - ich war wohl schon 18 - amüsierten wir uns über Ulbricht und später Honnecker, häufige Opfer der satirischen Zeitschrift "Pardon" ( in der allerdings auch die westdeutschen Politiker - Lübke! - ihr Fett weg bekamen).
    Meine Familie und die uns befreundeten Nachbarn hatten alle keine Angehörigen im Osten. Wahrscheinlich war das ein Grund für das Desinteresse. Man war eingelullt in den wachsenden westlichen Lebensstandard. Allenfalls zuckte man bei der Kubakrise etwas zusammen, doch auch zu diesem Zeitpunkt höchster Kriegsgefahr (die man damals so deutlich gar nicht wahrnahm) pflegte man seinen beschaulichen Lebensstil.

    Im Gedächtnis geblieben ist mir eine Bemerkung meines inzwischen verstorbenen Onkels zu Mauerfall. Er, Prokurist einer namhaften Versicherungsgesellschaft in Köln, meinte, dass uns die Wiedervereinigung noch "im Halse stecken bleiben würde". Zum einen begründete er das mit den enormen Kosten und der maroden Wirtschaft der Ex-DDR. Des weiteren sah er aber auch in der anstehenden Integration von rund 16 Millionen Menschen ein gewaltiges Problem. Er befürchtete politische Konsequenzen für die BRD.

    12

    Gestern, 07:52

    Das kam dann ja auch 13 Jahre spaeter mit der Umstellung auf den Euro, der die DM quasi halbierte.
    Ich bekam das nur noch via e-mails aus Deutschland mit, denn da lebte ich bereits in den USA.
    Ich war die einzige in meiner Schulklasse mit Verwandtschaft in der DDR.
    Wir lebten im Zonenrandgebiet (Braunschweig).
    Die DDR interessierte uns Schülern der 60er Jahre in Köln keinen Deut. Auch unsere Eltern hörte ich nicht oft darüber reden, und dass, obwohl wir in einer Gegend wohnten, in der alle Strassen ostdeutsche Städtenamen trugen (und noch immer tragen). Die Mauer wurde als "schlimm" kommentiert und der Schießbefehl auf Flüchtige abscheulich empfunden. Das war`s aber auch schon. Eine Bekannte meiner Mutter erzählte mal von Päckchen, die sie in die "Zone" schickte. Zumindest in meinem Umfeld hatte man sich mit der Trennung abgefunden.

    In späteren Jahren - ich war wohl schon 18 - amüsierten wir uns über Ulbricht und später Honnecker, häufige Opfer der satirischen Zeitschrift "Pardon" ( in der allerdings auch die westdeutschen Politiker - Lübke! - ihr Fett weg bekamen).
    Meine Familie und die uns befreundeten Nachbarn hatten alle keine Angehörigen im Osten. Wahrscheinlich war das ein Grund für das Desinteresse. Man war eingelullt in den wachsenden westlichen Lebensstandard. Allenfalls zuckte man bei der Kubakrise etwas zusammen, doch auch zu diesem Zeitpunkt höchster Kriegsgefahr (die man damals so deutlich gar nicht wahrnahm) pflegte man seinen beschaulichen Lebensstil.

    Im Gedächtnis geblieben ist mir eine Bemerkung meines inzwischen verstorbenen Onkels zu Mauerfall. Er, Prokurist einer namhaften Versicherungsgesellschaft in Köln, meinte, dass uns die Wiedervereinigung noch "im Halse stecken bleiben würde". Zum einen begründete er das mit den enormen Kosten und der maroden Wirtschaft der Ex-DDR. Des weiteren sah er aber auch in der anstehenden Integration von rund 16 Millionen Menschen ein gewaltiges Problem. Er befürchtete politische Konsequenzen für die BRD.

    13

    Gestern, 18:15

    Beklemmungen

    Diese Beklemmungen kamen nicht von ungefähr. Wir wurden vom Klassenlehrer gebrieft über die "do's" and "donts" . Bereits die Einreise über die Transitstrecke war aufregend. Wir kamen mit dem Bus. An der Grenze wurden alle Reisepässe (Perso war nicht genug) eingesammelt. Wir durften, so weit waren wir aufgeklärt, auf keinen Fall Comic-Hefte mitführen, gar offen liegen lassen. Tatsächlich wurden einige Koffer ausgeladen und "gefilzt". Es hat richtig lange gedauert, bis wir weiterfahren durften. Das hat dem Einen oder der Anderen schon etwas Angstschweiß auf die Stirn gezaubert. Wer weiß, vielleicht war ja doch hi und da eine Mickeymaus mitgereist? :D

    Der Klassenlehrer selbst fuhr nicht mit im Bus. Als DDR Flüchtling hatte er Bedenken, dass man ihn an der Grenze kassieren könnte, weshalb er die Strecke mit dem Flieger zurücklegte und erst in Berlin zur Reisegruppe aufschloss. All dies war irgendwie beunruhigend.

    Während meiner Bundeswehrzeit war es mir zwar nicht verboten, nach Berlin zu reisen. Es wurde aber davon abgeraten. Falls man es nicht vermeiden konnte, sollte man alles, was auf das Soldatsein hindeuten KÖNNTE vermeiden, also auf keinen Fall Uniform im Gepäck (geschweige denn anziehen), kein Wehrpass etc. mitführen, alles mit nato-oliver Farbe vermeiden usw usw. , die kurze Frisur war verdächtig genug.

    Tatsächlich wurden einige Kameraden an der Grenze abgefangen und verhört. Die, die das meldeten, wurden dann wieder vom MAD (der ohne den Alfred E. Neumann) durch die Mangel gedreht.

    14

    Gestern, 19:15

    Grenzkontrollen

    In den 60ern fuhren wir meist mit der Bahn nach drüben. Die Grenzkontrollen in Oebisfelde habe ich, soweit man das als Kind überhaupt mitbekam, als relativ "locker" in Erinnerung. Meine Eltern waren beide "Zonenflüchtlinge" (1951 bzw. 1954 "in den Westen gemacht") und hatten bei späteren Einreisen nie Probleme. Angesichts der schieren Masse der in den 50er und frühen 60er Jahren Ausgereisten wäre das auch ein nicht zu bewältigendes organisatorisches Problem für die "Grenzorgane" (meist waren es Sachsen) gewesen.
    Ich kann mich an einen einzigen Fall erinnern, der uns allerdings nicht direkt betraf. Vor uns befand sich bei der Wiederausreise eine ältere Dame an der Gepäckkontrolle. Beide Koffer waren randvoll mit frischen Fleisch- und Wurstwaren, wie sich später herausstellte, aus einer Hausschlachtung der Ostverwandtschaft. Das war nicht gestattet, und so wurde der Inhalt beider Koffer kurzerhand von den Grenzern einkassiert.

    In den 70ern ging´s dann meist mit dem PKW nach drüben. Die eiserne Faustregel bei der Kontrolle hieß stets: immer nett und freundlich bleiben und auf keinen Fall den überheblichen Wessi raushängen lassen. Mein alter Herr hatte Mitte der 70er einen Daimler 350 SLC mit elektrischen Fensterhebern, die damals noch relativ neu bei Serienfahrzeugen waren. Einer der Grenzer war wohl Autoenthusiast, kannte das Fahrzeug und fragte uns höflich, ob er sich mal ans Steuer setzen könne. Dies geschah dann auch, der Grenzer betätigte mit leuchtenden Augen die elektrischen Fensterheber, bedankte sich anschließend höflichst bei uns und ließ uns weitgehend unkontrolliert weiterfahren.
    Gefilzt wurden wir eigentlich so gut wie nie, nur ein einziges Mal passierte ein kleines Malheur. Meine Großtante, die bei der Deutschen Post in Halle arbeitete, hatte ohne mein Wissen eine Tüte postfrischer DDR- Briefmarken ins Handschuhfach gelegt. Bei der Kontrolle sah dies der Grenzer, öffnete den Umschlag und wies uns darauf hin, daß der Export solcher Dinge eigentlich nicht statthaft sei, ließ es aber dabei bewenden.
    "Exportiert" habe ich als Jungspund eine ganze Reihe von Sachwerten aus der DDR, u.a. Bücher, altes Zinngeschirr, alte Koppelschlösser, eine komplette GST- Uniform, die ich mir unterzog, sowie die Lederstiefel meines Onkels, der Offizier bei der NVA war. Passiert ist mir nie etwas, allerdings war ich zum Zeitpunkt meiner "Taten" auch in einem "risikofreudigen" Alter.