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    Samstag, 10. Januar 2015, 13:55

    Schöne neue Welt

    Die Welt, in der wir aufwuchsen, die 60er Jahre, war eine analoge Welt. Inzwischen leben wir in dem digitalen Zeitalter und obwohl wir Handys, Smartphones oder DVD-Player ganz selbstverständlich benutzen haben wir das oft noch gar nicht richtig erfasst. Das was wir auch schon in den 60ern taten, tun wir auch heute noch, aber in einer anderen Art und Weise. Einige Beispiele dazu in diesem Thema (oder Thread auf neudeutsch).

    Von Anfang an kommunizierten die Menschen miteinander. Bis in die 60er war das zumeist noch "Auge in Auge", d.h. man traf sich persönlich, z.B. bei Spaziergängen, beim Einkaufen, auf der Arbeit oder Abends in der Kneipe. Viele meiner Freundschaften sind eingeschlafen, weil der Kontakt abgebrochen, man sich aus den Augen verloren hatte. Nicht umsonst gab es das Sprichwort "Aus den Augen, aus dem Sinn". Eine Zeit lang hielt der Kontakt noch über Briefe und Postkarten. Aber Briefe schreiben kostete Zeit und bis sie dann zur Post gebracht und beim Empfänger ankamen vergingen Tage und bis zur Antwort dann noch einmal viele Tage oder Wochen.

    Das Telefon verbreitete sich zwar langsam, aber als Junggeselle hatte ich so etwas in meiner Bude noch nicht und mit Kleingeld zur Telefonzelle laufen, hoffen das sie frei war, der Gesprächspartner dann auch erreichbar war und während des Gesprächs ständig Groschen nachwerfen war nicht so mein Ding.

    Heute kann man praktisch zu jeder Tageszeit und von jedem Ort mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren. Man diskutiert über lohnende Urlaubsziele, die Erziehung von Hunden, gibt Ratschläge zu Fitnessübungen oder tauscht, wie in diesem Forum, Erinnerungen aus der Kindheit aus. Die "Gesprächspartner" sind meistens nicht persönlich bekannt und meistens lernt man sich auch nie persönlich kennen. Über email, SMS und soziale Netzwerke ist man praktisch jederzeit über alle Aktivitäten seiner Freunde und Bekannten informiert. In einer digitalen Welt wäre der Kontakt zu einigen meiner Freunde wohl nicht so schnell eingeschlafen und hätte vielleicht heute noch Bestand.

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    Samstag, 10. Januar 2015, 15:27

    Willkommen in der Cloud

    Seit meiner Kindheit bin ich eine Leseratte. Da ich mich nur schwer überwinden kann, Bücher zu entsorgen, haben sich daher etliche Bücher angesammelt. Viele Wände sind mit Regalen übersät. Vor Kurzem ist mir eins runtergekracht. Die Schrauben haben sich aus den billigen Holzbrettern gelöst. Muss mir demnächst stabilere Regalbretter und Halterungen besorgen.

    Musik höre ich auch ganz gerne. Die Zahl der LPs in meiner Sammlung nähert sich der 2000er Marke. Kostet auch einiges an Platz. Immerhin habe ich einige hundert Musikkassetten entsorgt und alle VHS-Kassetten. Die Dias noch nicht. Hatte mal geplant alle Dias einzuscannen, der Plan besteht weiterhin.

    Irgendwie haben es meine Kinder da besser. Hunderte Bücher auf einem postkartengroßem Gerät. Während ich mich im Urlaub mit schweren Büchern abschleppe, wiegt das Ding nur etwa 200g. Regenwetter und das Buch ist ausgelesen, wo bekommt man im Ausland jetzt passenden neuen Lesestoff? Im Internet ausgesucht, bestellt, bezahlt und heruntergeladen in wenigen Minuten und schon kann man mit dem Lesen beginnen. Blendendes Licht auf der Terasse, schlechtes Licht am Abend. Kein Problem, die Dinger haben einen beleuchteten Hintergrund. Wenn ich mir jetzt noch überlege, das ich für die Kosten eines meiner damaligen Karl-May-Bücher, die komplette Karl-May-Sammlung hätte bekommen können ....

    Der Umfang aller Songs meiner Plattensammlung hat bei meinen Kindern etwa die Größe einer Zigarettenschachtel. Die Filme für das Abendprogramm werden individuell zusammengestellt. Für Bilder werden keine Fotoalben mehr benötigt. Alle Medieninhalte liegen in der Cloud. Internetzugang vorausgesetzt, kann man jederzeit von überall darauf zugreifen. Das Haus brennt ab ... alle Bücher, Musik, Filme, Fotos sind noch vorhanden. Ein Umzug ... Kisten mit Büchern, Schallplatten, DVDs gibt es nicht.

    Ich werde mir zwar noch weiterhin Bücher und LPs kaufen, aber irgendwie tun mir meine Kinder leid, wenn sie später mal Tonnen von Altpapier und PVC entsorgen müssen. In der Cloud wäre das mit ein paar Klicks erledigt.

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    Samstag, 10. Januar 2015, 19:32

    Tja, da haben Deine Kinder natürlich den Riesenvorteil der platzsparenden Aufbewahrung. Aber entgeht ihnen da nicht auch einiges ? Jedes Buch, jede Schallplatte hat einen ganz eigenen Geruch, eine eigene Haptik, die eine ganz spezielle sinnliche Erfahrung vermittelt. Bei e- books bin ich ursprünglich davon ausgegangen, daß ich mit einem Chip auch ein Eigentumsrecht an dem Buch erwerbe. Stattdessen muß ich die gesammelten Werke nach dem Erwerb einigen technischen Vorwissens herunterladen und erhalte de jure nur ein "Nutzungsrecht". Nö danke, da bleibe ich lieber bei den gebundenen Werken, auch wenn mich meine Töchter in späteren Jahren als altmodisch abqualifizieren sollten ;) .

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    Samstag, 10. Januar 2015, 19:50

    Dito. Ich habe mir gerade erst wieder Bücher gekauft. Ich mag einfach gedruckte Bücher zu sehr, und einen eBook-Reader kann ich mich bis heute nicht überwinden, zu kaufen. Genauso, wie ich auch meine Plattensammlung behalten werde.

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    Samstag, 10. Januar 2015, 22:59

    Jedes Buch, jede Schallplatte hat einen ganz eigenen Geruch, eine eigene Haptik, die eine ganz spezielle sinnliche Erfahrung vermittelt.


    Auch ich werde meine Bücher und Schallplatten behalten. Einmal aus Gewohnheit, zum anderen hängen da auch Erinnerungen dran. Doch diese Gewohnheit und Erinnerungen hat die Generation unserer Kinder nicht mehr. Schallplatten werden doch heute nur noch von einer absoluten Minderheiten gekauft und CDs oder DVDs haben mir bisher noch keinerlei spezielle sinnliche Erfahrung vermittelt (und die neueren Bücher eigentlich auch nicht).

    Digitale Bücher können nicht gestohlen, verloren oder kaputt gehen (Schallplatten können springen oder sind zerkratzt). Nach dem Herunterladen kann ich mir private Kopien erstellen, was mit einem normalen Buch nicht so einfach möglich ist. In einem fremdsprachigen e-Book kann ich fremde Wörter sofort nachschlagen, ohne das Buch wechseln zu müssen. Ich kann Begriffe nachschlagen, Bereiche markieren etc. Und speziell bei mir, wo die Sehkraft doch schon ziemlich nachlässt, kann ich Schriftart und Größe einstellen. Der "Herr der Ringe" ist auf dem e-Book mit Sicherheit genauso spannend und "Child in Time" haut einen auch in der mp3-Version vom Hocker. Warum ich dann trotzdem das gedruckte Buch oder die Schallplatte vorziehe, werden Angehörige meiner Generation leicht nachvollziehen können, Angehörigen der Generation meiner Kinder fällt das schon schwerer. Zwar werden auch diese noch lange Zeit gedruckte Bücher lesen und deren Kinder wohl auch noch (gedruckte Bücher oder CDs eignen sich auch als Geschenke wesentlich besser als über email versendete Dateien) aber die Welt hat sich nicht nur in den 60ern verändert, sie wird sich auch weiterhin verändern.

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    Dienstag, 28. Juli 2015, 19:52

    Es gab mal eine Zeit, da überspielte ich meine LPs auf Musikkassetten. Zum einen um meine wertvollen LPs zu "schonen", zum anderen war man mit diesen Compact Cassetten wesentlich mobiler. Allerdings war es trotzdem kaum möglich, etwa im Urlaub, hunderte Kassetten mitzuführen. Man musste sich auf etwa ein Dutzend beschränken. Dummerweise fehlten in der Auswahl dann immer genau die, die man jetzt unbedingt und am liebsten hören wollte.
    Inzwischen hebe ich keine Cassetten und auch keinen Kassettenrekorder mehr. Meine LPs habe ich fast alle digitalisiert. Über 2000 Alben befinden sich jetzt auf einem kleinen, etwa zigarettenschachtelgroßen Kästchen. Das kann man bequem überall hin mitnehmen, man kann leicht Kopien davon ziehen, findet sehr schnell einen gesuchten Titel ohne sich mühsam durch einen Kassettenstapel zu wühlen, und dann noch hin und her zu spulen und Bandsalat gibt es auch keinen mehr. Zum Musik hören ganz praktisch, zum Musik genießen, da lege ich dann doch lieber eine Schallplatte auf.